Bill Browder warnt vor Interpol-Chef aus Russland

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
20.11.2018 15:19
Der frühere Hedgefonds-Manager Browder warnt vor der Wahl eines Russen zum neuen Interpol-Chef.
Bill Browder warnt vor Interpol-Chef aus Russland

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der in Russland wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Hedgefonds-Manager Bill Browder hat vor der Wahl des russischen Kandidaten zum neuen Interpol-Chef gewarnt.

Die Bild-Zeitung zitiert Browder mit der Aussage, "hinter der Wahl von Alexander Prokoptschuk stehe eine massive Bestechungskampagne vieler der 190 Mitgliedsstaaten durch Russland". Browder sei ein "siebenfaches Red Notice-Opfer" der Russen, weil er per internationalem Haftbefehl gesucht wird.

Browder erhielt Unterstützung von Norbert Röttgen: Prokoptschuk habe sein Amt als Leiter des russischen Interpol-Büros „vielfach missbraucht“, um mithilfe des Instruments der Red Notice russische Oppositionelle und politische Gegner mit internationalem Haftbefehl verfolgen zu lassen. Es sei klar, dass er als Präsident von Interpol diese Praxis ausweiten werde. Röttgen: "Als führendes Mitglied des russischen Sicherheitsapparates ist Alexander Prokoptschuk Teil des Machtzentrums von Wladimir Putin.“

„Daher ist er unwählbar als Präsident für die internationale Polizeibehörde, die wir dringend als politisch unabhängige Institution brauchen, um Herausforderungen wie dem internationalen Terrorismus zu begegnen“, so Röttgen.

Prokoptschuk hat laut Bild in seiner Zeit als Russland-Chef von Interpol "zahlreiche politisch motivierte „Red Notice“-Vermerke an Interpol gesendet, um kremlkritische Aktivisten und Geschäftsleute in Europa und den USA nach Russland ausliefern zu lassen".

Im Falle Browder geht es um das Verschwinden von mehreren Millionen an Steuergeldern. Russland beschuldigt Browder, das Geld außer Landes geschafft zu haben. Browder sagt, die russische Polizei habe sich das Geld unter den Nagel gerissen und, um das Verbrechen zu kaschieren, seinen Buchhalter Magnitzky im Gefängnis ermordet. Nach Magnitzky ist ein US-Gesetz benannt, das es der US-Regierung ermöglicht, wegen Menschenrechtsverletzungen gegen jedermann auf der Welt Sanktionen zu verhängen.

Browder fürchtet, dass die Personalie auch ihn unter Druck setzen könnte. Bisher hat sich Interpol einer Auslieferung an Russland widersetzt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump gesagt, er habe unter vier Augen auch über Bill Browder gesprochen. Es ist nicht bekannt, ob sich Russen und Amerikaner auf die Auslieferung der früheren Managers von Hermitage Capital verständigt haben.

Ebenfalls unangenehm für Browder: Großbritannien hat signalisiert, sich nicht gegen Prokoptschuk stellen zu wollen, da seine Wahl unvermeidlich sei. Browder lebt derzeit in London und hat unter anderem als Whistleblower den Geldwäsche-Skandal bei der Danske-Bank ausgelöst.

Russland beklagt im Fall von Interpol eine versuchte Wahlbeeinflussung durch die USA. "Die USA versuchen hier, sich in einen Wahlprozess einzumischen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau laut dpa.

Zuvor hatten mehrere US-Senatoren vor einer Wahl des russischen Kandidaten Alexander Prokoptschuk gewarnt. Sollte der 57-jährige Polizeigeneral an die Spitze des Exekutivkomitees treten, werde er die Organisation zugunsten der Kreml-Politik missbrauchen, hieß es in einem Brief an US-Präsident Donald Trump und die Interpol-Mitglieder. Prokoptschuk ist seit 2016 Vize-Präsident der Interpol.

Am Mittwoch wählen die Vertreter der Interpol-Mitgliedsländer bei ihrer Jahreshauptversammlung in Dubai ihren neuen Leiter. Der bisherige Präsident, der Chinese Meng Hongwei, wurde im September in seiner Heimat festgenommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts ermittelt, "Bestechungsgelder angenommen" zu haben und in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Für den vakanten Chefposten steht unter anderem auch ein Kandidat aus Südkorea zur Wahl.

Die Ukraine drohte damit, die «Stilllegung ihrer Mitgliedschaft» in Betracht ziehen. Innenminister Arsen Awakow bezeichnete eine mögliche Leitung der Organisation durch einen Russen als absurd. Sie widerspräche «Geist und Zielen der Organisation».

Litauen nennt dessen mögliche Wahl «einen enormen Schaden für den Ruf der Organisation und das Vertrauen in deren rechtliche Neutralität», hieß es in einem verabschiedeten Entschluss des Parlaments in Vilnius.



DWN
Politik
Politik DWN Eilmeldung: Anschlag auf Unterwasser-Pipeline in Syrien, Ölpest droht

In Syrien haben Unbekannte einen Anschlag auf eine Unterwasser-Pipeline begangen. Die Regierung in Damaskus versucht, den Schaden zu...

DWN
Finanzen
Finanzen In Dänemark zeigen sich die desaströsen Folgen der Negativzinsen

Nirgends gibt es negative Zinssätze schon eine so lange Zeit wie in Dänemark, wo sich nun die nachteiligen Auswirkungen zeigen.

DWN
Finanzen
Finanzen Großbrand hinter den Kulissen: 40 Prozent aller US-Firmen sind in die roten Zahlen gerutscht

40 Prozent aller börsennotierten Unternehmen in den USA haben in den vergangenen 12 Monaten Verluste erwirtschaftet. Einzig günstige...

DWN
Finanzen
Finanzen Sechs wichtige Banken der Eurozone unterschreiten die Kapital-Anforderungen der EZB

Nach Angaben der EZB-Bankenaufsicht sind sechs wichtige Banken der Eurozone unter die Kapital-Anforderungen der EZB gefallen.

DWN
Politik
Politik EU-Kommission will kleine Centmünzen abschaffen

Die EU-Kommission plant, die Ein- und Zwei-Centmünzen abzuschaffen.

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: FBI will Prinz Andrew befragen, dieser taucht ab

In der Affäre um den Handel mit und die Prostitution minderjähriger Mädchen um den verstorbenen Jeffrey Epstein ist Prinz Andrew ins...

DWN
Technologie
Technologie „Kalte Enteignung“: Wie Anwohner unter Windkraft-Parks leiden

In Deutschland soll es rund 1000 Bürgerinitiativen gegen den Neubau von Windrädern geben - nicht ohne Grund: Betroffene berichten von...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Inflation: Ein deutsches Trauma wird zum machtpolitischen Instrument der Eliten

Das Verhältnis der Deutschen zur Geldwert-Stabilität ist neurotischer Natur. Das nutzen die wirtschaftlichen und politischen Eliten zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie sich der Osten der EU gegen den Euro stemmt

Die Zustimmung der Europäer zum Euro hat Rekordwerte erreicht. Die östlichen EU-Mitgliedsstaaten Polen, Tschechien und Ungarn bleiben...

DWN
Politik
Politik SPD muss Wert ihres Firmen-Imperiums deutlich nach unten korrigieren

Der Wert der Unternehmensbeteiligungen der SPD ist deutlich gesunken gesunken. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen...

DWN
Deutschland
Deutschland „Bullen jagen“: Linksradikale Demonstration in Leipzig eskaliert

Deutschlands Hauptstadt des Linksradikalismus macht wieder von sich reden.

DWN
Politik
Politik Bulgarien bereitet Ausweisung von russischen Diplomaten vor

Zwei russische Diplomaten, denen Spionage vorgeworfen wird, sollen aus Bulgarien ausgewiesen werden. Die US-Botschaft in Sofia unterstützt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Immer pessimistischer: Drucker rechnen 2020 mit weiteren Ertragsrückgängen

Die Druckindustrie kommt einfach nicht in Schwung: Die deutschen Manager gehen überwiegend davon aus, dass die Erträge im laufenden Jahr...

DWN
Deutschland
Deutschland Polnische LOT rettet den bankrottreifen Ferienflieger Condor

Der finanziell angeschlagene Ferienflieger Condor hatte noch bis Ende März Zeit, einen neuen Investor zu finden - ansonsten hätte ein...

celtra_fin_Interscroller