Stahl-Konzerne warnen vor deutlichen Gewinn-Einbrüchen

 

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07.02.2019 17:15
Stahlkonzerne aus ganz Europa registrieren deutliche Einbrüche bei der Nachfrage. Der Ausblick auf das laufende Jahr ist negativ.
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Die Stahlindustrie mit Branchengrößen wie ArcelorMittal, Thyssenkrupp und Voestalpine muss sich auf eine zusehends gedämpfte Geschäftsentwicklung einstellen. Voestalpine verdiente in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres deutlich weniger und rutschte zuletzt sogar in die Verlustzone. Weltmarktführer ArcelorMittal rechnet für 2019 mit einem schwächeren Wachstum der weltweiten Nachfrage und Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat die Anleger bereits auf schwächere Quartalszahlen eingestimmt. Die Aktien der drei Konzerne gerieten am Donnerstag unter Druck:

Die Voestalpine-Aktie notierte zeitweise mehr als 5 Prozent im Minus. Thysssenkrupp-Papiere rutschten gut 4 Prozent ab, ArcelorMittal-Aktien verbilligten sich um knapp 4 Prozent, Salzgitter-Titel verloren 1 Prozent.

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff erwartet im Auftaktquartal schwächere Ergebnisse als im Vorjahreszeitraum. „Traditionell ist das erste Quartal das schwächste für Thyssenkrupp“, sagte der Manager am Freitag auf der Hauptversammlung in Bochum laut Redetext. „Wir liegen aber voll im Rahmen unserer Guidance, aber damit auch unter den Werten des Vorjahresquartals.“ Das Unternehmen legt am 12. Februar die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende September) vor.

Die Aktien des deutschen Rivalen Salzgitter waren am Dienstag nach der Veröffentlichung von Zahlen für 2018 und Prognosen für das laufende Jahr auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn gefallen. Nach starken Kursausschlägen in beide Richtungen setzte sich schließlich der Pessimismus am Markt durch: Die Papiere büßten am Dienstag zuletzt 5,8 Prozent auf 24,88 Euro ein und belasteten auch Klöckner & Co und Thyssenkrupp etwas.

Ein Händler sprach von einem schwachen Ausblick des Stahl- und Röhrenherstellers. Die Prognose für den Gewinn vor Steuern liege weit unter den Erwartungen. Die Kursverluste seien umso „interessanter“, als die Erwartungen im Vorfeld bereits sehr niedrig gewesen seien. Er bevorzuge mit Blick auf Salzgitter die Papiere des luxemburgischen Stahlherstellers Aperam, der am Mittwoch Ergebnisse veröffentliche. Der Salzgitter-Kurs war von Anfang Oktober bis Ende Dezember stark unter Druck geraten und hatte rund 40 Prozent eingebüßt. Der Verkaufsdruck könnte sich dem Händler zufolge noch erhöhen, sollten die Anteile unter das Tief vom Jahresanfang bei 24,16 Euro fallen. Kurse darunter wären die niedrigsten seit Juli 2016.

Der Stahlhersteller ArcelorMittal hat im vierten Quartal 2018 eine sinkende Nachfrage zu spüren bekommen. So lieferte das Unternehmen weniger Stahl aus als im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am Donnerstag in Luxemburg mitteilte. In Europa litt der Stahlhersteller unter einer niedrigeren Nachfrage im Automobilsektor sowie schwacher Exportmärkte. Durch die Übernahme des italienischen Stahlherstellers Ilva konnte ArcelorMittal den Rückgang jedoch begrenzen. Die Produktion von Rohstahl lag in etwa auf Vorjahresniveau, aber unter der des dritten Quartals. Negativ wirkten sich auch Produktionsunterbrechungen aus.

Der Umsatz stieg dagegen von 17,7 Milliarden auf 18,3 Milliarden US-Dollar (16,07 Mrd Euro). Dabei konnten höhere Preise im Vergleich zum Vorjahr das geringere Volumen ausgleichen, hieß es. Im Vergleich zum Vorquartal sanken die durchschnittlichen Verkaufspreise jedoch. Das operative Ergebnis (Ebitda) sank von 2,14 auf 1,95 Milliarden US-Dollar. Dank einer Steuergutschrift konnte Arcelor den Nettogewinn aber von 1 Milliarde auf 1,2 Milliarden Dollar erhöhen. Die Aktie gab am Vormittag zuletzt knapp drei Prozent nach.

Für das neue Geschäftsjahr geht der Konzern von einem leichten Anstieg der weltweiten Stahlnachfrage aus. Jedoch dürfte sich das Wachstum im Gegensatz zu 2018 deutlich abflachen. Die im Markt herrschenden Überkapazitäten blieben ebenso bestehen wie die konjunkturellen Risiken, hieß es. Vor allem wegen einer erwarteten sinkenden Nachfrage aus China geht ArcelorMittal von einem weltweiten Stahlwachstum von lediglich 0,5 bis 1 Prozent aus. In der EU dürfte sich das Wachstum ebenfalls erheblich abschwächen. 2018 dürfte das Nachfrageplus Schätzungen von ArcelorMittal zufolge bei weltweit 2,8 Prozent gelegen haben.

Auch der österreichische Stahl- und Industriekonzern Voestalpine ist in Schwierigkeiten geraten. Wenige Monate vor seinem Abschied von der Konzernspitze muss Voestalpine-Chef Wolfgang Eder einmal mehr mit den Unwägbarkeiten des Stahlgeschäfts kämpfen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende März) brach der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 50 Prozent auf 276 Millionen Euro ein. „Während es gelungen ist, die Umsatzerlöse in den ersten drei Quartalen 2018/19 im Vergleich zum Vorjahr weiter zu erhöhen, spiegelt die schwächere Ergebnisentwicklung neben der konjunkturellen Eintrübung auch die Auswirkungen negativer interner Einmaleffekte wider“, erklärte Eder. Der Manager gibt Anfang Juli den Chefposten bei dem Linzer Konzern nach 15 Jahren ab.

Zu den Sondereffekten gehörten nach seinen Worten höhere Hochlaufkosten am Automotive-Standort Catersville in den USA sowie Rückstellungen für eine drohende Strafe durch das Bundeskartellamt. Die nötige Vorsorge für eine etwaige Strafe hatte bereits Thyssenkrupp im vergangenen Geschäftsjahr die Ergebnisse verdorben. Voestalpine hatte darüber Mitte Januar informiert, als Eder zum zweiten Mal binnen weniger Monate die Prognose senkte. Das Betriebsergebnis (Ebit) solle im Gesamtjahr bei 750 Millionen Euro liegen, bekräftigte er nun. Die Umsätze sollen den Vorjahreswert übertreffen und damit einen Rekordwert erreichen. In den ersten neun Monaten kletterten die Erlöse um rund fünf Prozent auf knapp zehn Milliarden Euro. Das Ebit fiel um fast 40 Prozent auf 526 Millionen Euro.

Die Stahlindustrie gerät derzeit in schwierigeres Fahrwasser. Die schwächelnde Autoindustrie gehört zu den wichtigsten Kunden. „Ebenfalls den Höhepunkt der Nachfrage überschritten hat die Konsumgüter- und Elektroindustrie“, erklärte Voestalpine. Der schwächelnde Ölpreis führe bei Ausrüstern zu einer niedrigeren Nachfrage, die Konjunktur in China habe an Wachstumsdynamik eingebüßt und in Europa könne ein harter Brexit das gesamtwirtschaftliche Klima beeinflussen.


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