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Berichte: Hedgefonds ziehen in großem Umfang Gelder von der Deutschen Bank ab

Lesezeit: 3 min
17.07.2019 17:00
Hedgefonds ziehen unbestätigten Berichten zufolge täglich etwa 1 Milliarde Dollar an Geldern von der Deutschen Bank ab, da diese sich vom Investmentbanking verabschieden will. Die französische BNP Paribas will von der Entwicklung profitieren.

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Im Zuge ihres radikalen Konzernumbaus streicht die Deutsche Bank nicht nur rund 18.000 Stellen, sondern sie steigt auch aus dem globalen Investmentbanking aus und will künftig nicht mehr für Hedgefonds tätig sein. Doch die Übernahme der Sparte durch den französischen Rivalen BNP Paribas gestaltet sich offenbar kompliziert.

Die beiden Bankenriesen verhandeln derzeit über die Details, wie die 150 Milliarden Euro an Guthaben im Zusammenhang mit Hedgefonds in der sogenannten Prime-Brokerage-Einheit sowie die Technologie und Hunderte Mitarbeiter von Deutschlands größtem Geldhaus zu BNP Paribas übertragen werden können.

Doch die Verhandlungen stehen unter erheblichem Zeitdruck, wie Bloomberg unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider berichtet. Denn die Kunden der Prime-Brokerage-Einheit würden täglich etwa 1 Milliarde Dollar an Geldern von der Deutschen Bank abziehen.

CEO Christian Sewing will die Deutsche Bank aus den Dienstleistungen für risikoreiche Hedgefonds zurückziehen. Er versucht, den angeschlagenen deutschen Kreditgeber radikal zu sanieren. Sein BNP-Kollege Jean-Laurent Bonnafe hingegen will in der Branche expandieren.

BNP Paribas will großer Player im Hedgefonds-Geschäft werden

Ein Deal dieser Größenordnung wäre ein klares Zeichen für den Rückzug der Deutschen Bank aus dem globalen Investmentbanking und könnte den französischen Konkurrenten von einem kleinen Anbieter in der so genannten Prime-Brokerage-Branche zu einem der größten Europas machen.

Alexandra Umpleby, eine Sprecherin von BNP in London, sagte zu Bloomberg, dass die Bank "weiterhin entschlossen ist, ihre institutionelle Kundenplattform weltweit auszubauen". Sie lehnte es ab, genauer darzulegen, wie hohe Kundensalden BNP Paribas von der Deutschen Bank übernehmen will.

Laut einer Erklärung vom 7. Juli bietet BNP Paribas den Prime-Brokerage- und Electronic-Equity-Kunden der Deutschen Bank Geschäftskontinuität, da die beiden Unternehmen den Transfer von sowohl Technologie als auch Personal diskutieren. Das Endziel der Verhandlungen zwischen den beiden Banken ist, dass BNP Paribas die überwiegende Mehrheit der Kundensalden übernimmt.

Die Prime-Brokerage-Abteilungen kümmern sich speziell um Hedge-Fonds, indem sie ihnen Bargeld und Wertpapiere leihen und ihre Geschäfte abwickeln. Diese Beziehungen können für Investmentbanken von entscheidender Bedeutung sein.

Dieser Geschäftsbereich erwirtschaftete im Jahr 2018 branchenweit rund 18,3 Milliarden US-Dollar an Gebühren, etwa so viel wie die Einnahmen aus dem Handel mit Unternehmensanleihen und Währungen zusammen, wie Daten von Coalition Development zeigen.

Die Deutsche Bank, die im Zuge der Finanzkrise zu einer festen Größe an der Wall Street geworden ist, hatte in den letzten Jahren Schwierigkeiten, ihre Hedgefonds-Kunden zu halten, da sie von einem Problem zum anderen schwankte.

Die US-Rivalen JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs sind die drei führenden Unternehmen in diesem Geschäft. Die Deutsche Bank war im letzten Jahr nicht einmal unter den führenden sieben Prime Brokern.

Die in Paris ansässige BNP hat schon einmal versucht, von der Krise zu profitieren. Im Juni 2008, als die Kreditkrise tobte, kauften die Franzosen das Prime-Brokerage-Geschäft der Bank of America. So gewannen sie mehr als 500 Kunden und 300 Mitarbeiter. Dennoch hat das Unternehmen weiterhin eine der kleinsten Prime-Brokerage-Abteilungen unter den globalen Banken, was der Deal mit der Deutschen Bank nun ändern soll.

Droht der Deutschen Bank ein Bank-Run?

Die endgültige Form der Transaktion sieht sich einer Vielzahl von Komplexitäten gegenüber, darunter auch die Flucht von Kunden. BNP-Führungskräfte treffen sich diese Woche mit US-Hedgefonds, um sie zu überzeugen zu bleiben, sagten die Insider zu Bloomberg. Ähnlichen Treffen mit europäischen Fonds hätten letzte Woche stattgefunden.

Sollten weitere Hedgefonds ihre Geschäfte von der Prime Finance Division abziehen, könnte die Deutsche Bank ihre Vermögenswerte in die neu gegründete Capital Release Unit (CRU) verlagern, sagte ein Insider. Diese "Bad Bank" soll im Rahmen des Konzernumbaus Vermögenswerte in Höhe von 288 Milliarden Euro abbauen.

Diese Verlagerung von Vermögenswerten in die "Bad Bank" würde aber auch bedeuten, dass unzählige Hegde-Fonds plötzlich Gefahr laufen würden, ihre verschiedenen liquiden Mittel nicht mehr von der Deutschen Bank anziehen zu können.

Die Hedgefonds-Guthaben bei der Deutschen Bank sind wegen der Spekulationen um Sewings Absichten für die Prime-Brokerage-Abteilung im Laufe des Jahres bereits zurückgegangen. Doch die Abflussrate lag weit unter einer Milliarde US-Dollar pro Tag, wie es zuletzt angeblich der Fall sein soll. Nun, da sich der Abfluss beschleunigt habe, stellt sich die Frage, wie viel Liquiditätsreserven die Deutsche Bank wirklich hat. Sie dürften nicht ausreichen für den Fall, dass Hedgefonds-Kunden aus Angst, die Verlierer bei einem Bank-Run zu sein, die restlichen 150 Milliarden Euro auf einmal ziehen.


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