Unternehmen

Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen verliert an Dynamik

Die Transformation der deutschen Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit verliert an Dynamik. Politische Unsicherheit und schwache wirtschaftliche Anreize bremsen viele Unternehmen aus.
17.03.2026 06:03
Lesezeit: 5 min
Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen verliert an Dynamik
Immer mehr deutsche Unternehmen halten Nachhaltigkeit für weniger wichtig. (Illustration: ChatGPT)

Deutsche Unternehmen verlieren Interesse an Nachhaltigkeit

Unsichere politische Rahmenbedingungen und mangelnde wirtschaftliche Anreize bremsen den Fortschritt, zeigt eine neue Studie des Sustainability Transformation Monitor 2026 (STM). Dennoch bleiben viele Unternehmen den Klimazielen und der Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet, berichtet das slowenische Wirtschaftsmagazin Casnik Finance unter Berufung auf Haufe.

Noch vor wenigen Jahren gehörte Nachhaltigkeit zu den zentralen Themen der deutschen Wirtschaft. Klimaschutz, gesellschaftliche Verantwortung und der Übergang zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen standen weit oben auf der Agenda vieler Unternehmen. Heute berichten jedoch zahlreiche Firmen, dass das Thema an Bedeutung verliert. Insgesamt 59 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Nachhaltigkeit innerhalb ihrer Organisationen an Gewicht verliert. Im Jahr zuvor vertraten lediglich 14 Prozent diese Ansicht.

Unsichere Politik und gesellschaftliche Debatten schwächen Nachhaltigkeit

Noch vor zwei Jahren herrschte in vielen Unternehmen großer Optimismus. Nachhaltigkeit galt als strategisches Ziel, während die Politik ehrgeizige Klimaziele formulierte. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich abgekühlt. „Ohne klare und verlässliche Signale aus der Politik und von den Märkten besteht die Gefahr, dass die Transformation in eine Phase der Stagnation abrutscht“, warnt Jakob Kunzlmann von der Bertelsmann Stiftung.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei großen Unternehmen und größeren mittelständischen Firmen. In dieser Gruppe berichten zwei Drittel der Unternehmen, dass Nachhaltigkeit aufgrund gesellschaftlicher und politischer Debatten an Priorität verliert. Auch die Rolle junger Beschäftigter als treibende Kraft für Veränderungen nimmt ab. Nur noch 60 Prozent der Unternehmen erwarten, dass künftige Arbeitnehmer nachhaltige Strategien stark vorantreiben werden.

Nur wenige Unternehmen sehen klare wirtschaftliche Vorteile

Nachhaltigkeit erfordert Investitionen, doch viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, diese wirtschaftlich zu rechtfertigen. Nur 17 Prozent der Befragten erkennen klare geschäftliche Vorteile nachhaltiger Investitionen. Im Finanzsektor bleibt Nachhaltigkeit dennoch ein wichtiges Thema. Vier von fünf Banken gehen davon aus, dass Nachhaltigkeit bei der Kreditvergabe weiterhin eine Rolle spielen wird. In der realen Wirtschaft teilen jedoch nur etwa die Hälfte der Unternehmen diese Einschätzung.

Trotz der nachlassenden Dynamik zeigt die Studie auch einige positive Entwicklungen. Insgesamt 86 Prozent der Unternehmen überwachen bereits ihre Treibhausgasemissionen. Obwohl Änderungen der europäischen Gesetzgebung im Rahmen des Omnibus-Pakets viele Unternehmen von der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung entlasten, planen 75 Prozent der Unternehmen, auch künftig freiwillig über Nachhaltigkeit zu berichten.

Nachhaltigkeit verliert in deutschen Unternehmen derzeit an Priorität, vor allem aufgrund politischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Zweifel. Gleichzeitig bleibt das Thema für viele Firmen weiterhin relevant, insbesondere im Bereich Klimaziele, Emissionsmessung und freiwilliger Berichterstattung. Entscheidend für die Zukunft wird sein, ob Politik und Märkte wieder stärkere Anreize für nachhaltige Investitionen schaffen.

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