Finanzen

Energieaktien: Diese drei Titel könnten zehn Jahre lang kassieren

Öl wird teurer, Gas bleibt politisch, und plötzlich wirken alte Energiekonzerne wieder erstaunlich modern. Chevron, Enbridge und ConocoPhillips zeigen, weshalb Energieaktien für Anleger mehr sein können als eine Wette auf Rohstoffpreise. Wer stabile Dividenden, starke Marktpositionen und Schutz vor Inflation sucht, sollte diese drei Titel genauer prüfen.
08.06.2026 12:02
Lesezeit: 3 min

Energieaktien: Warum Öl und Gas wieder stärker gefragt sind

Die Ausweitung des Iran-Konflikts auf den Energiesektor hat die Preise für Öl und Gas steigen lassen. Damit sind Energieaktien in diesem Jahr zum stärksten Sektor im S&P 500 geworden. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev.

Nach einer Analyse des US-Finanzportals Motley Fool bieten drei große internationale Unternehmen derzeit ein besonders interessantes Verhältnis aus geopolitischem Risiko, langfristigem Ertragspotenzial und verlässlichen Dividenden. Im Mittelpunkt stehen Chevron, Enbridge und ConocoPhillips. Diese Konzerne können Anlegern nach Einschätzung der Analysten über die kommenden zehn Jahre Stabilität bieten. Ausschlaggebend sind Größe, niedrige Kostenstrukturen und starke Marktpositionen. Gleichzeitig stützen deutlich angehobene Gewinnprognosen den gesamten Energiesektor.

Besonders stark fallen die Erwartungen beim US-Energiekonzern Chevron mit dem Aktiensymbol CVX aus. Das Unternehmen unterscheidet sich von vielen Wettbewerbern durch seine vollständig vertikal integrierte Struktur. Chevron kontrolliert große Teile der Wertschöpfungskette, von der Förderung über die Verarbeitung bis zu Tankstellennetzen. Diese Struktur macht die Zahlungsströme weniger abhängig von kurzfristigen Schwankungen des Rohölpreises. Nach Daten von Yahoo Finance wird für das nächste Quartal ein Gewinn von 5,58 Dollar je Aktie erwartet. Das entspräche einem Anstieg um 215 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Gewinn von 15,43 Dollar je Aktie. Das wäre ein Plus von fast 112 Prozent im Jahresvergleich. Auch die Bewertungskennzahlen zeigen die starke Marktposition des Konzerns. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn, EV/EBITDA, liegt bei 10,06. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt 2,25. Diese Werte deuten darauf hin, dass Investoren Chevron trotz vorübergehender Schwankungen bei der Profitabilität hoch bewerten und für stabile Zahlungsströme einen Aufschlag zahlen.

In geopolitischen Krisen wirkt zudem risikomindernd, dass der Nahe Osten weniger als fünf Prozent des Chevron-Portfolios ausmacht. Die Produktion in den USA liegt dagegen bei mehr als zwei Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Belastend wirkte zuletzt die Entscheidung von Berkshire Hathaway, 45 Millionen Chevron-Aktien zu verkaufen. Die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett hält dennoch weiter einen erheblichen Anteil von 4,2 Prozent an dem Konzern. Seit Jahresbeginn ist die Chevron-Aktie um fast 30 Prozent gestiegen. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt das Plus bei mehr als 42 Prozent.

Energieaktien: Enbridge profitiert von Infrastruktur und Marktmacht

Enbridge mit dem Aktiensymbol ENB zählt zu den führenden Energieinfrastrukturunternehmen Nordamerikas. Anders als klassische Förderkonzerne konzentriert sich Enbridge nicht auf Bohrungen, sondern auf Transportinfrastruktur. Das Unternehmen nimmt damit eine zentrale Position in der Mitte der Energielieferkette ein.

Enbridge besitzt in Nordamerika eine starke geografische Marktstellung. Das Unternehmen bedient etwa 75 Prozent der nordamerikanischen Raffinerien und transportiert rund 20 Prozent des dortigen Gases. Strenge Regulierung und hohe Umweltauflagen erschweren den Bau neuer Pipelines. Für neue Wettbewerber entstehen dadurch hohe Markteintrittsbarrieren.

Im ersten Quartal übertraf Enbridge die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen meldete einen ausschüttungsfähigen Cashflow von 3,85 Milliarden Dollar und bestätigte seine Jahresprognosen. Unterstützend wirkt die wachsende Nachfrage nach Infrastruktur für Erdgas und Versorgungsunternehmen. Der Umsatz im ersten Quartal lag bei 16,3 Milliarden Kanadischen Dollar. Das entspricht rund 10,14 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 0,71 Kanadische Dollar beziehungsweise rund 0,44 Euro.

Das EV/EBITDA-Verhältnis von Enbridge stieg im ersten Quartal auf 14,42. Das höhere Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,83 zeigt, dass Investoren den reinen Vermögenswert unterschiedlich einschätzen. Nach Ansicht der Analysten handelt die Aktie dennoch deutlich unter ihrem fundamentalen inneren Wert. Seit Jahresbeginn hat die Enbridge-Aktie fast 19 Prozent gewonnen. Für Anleger steht dabei weniger ein sprunghaftes Wachstum im Vordergrund. Entscheidend ist die planbare Ertragsbasis aus Infrastrukturgebühren.

Energieaktien: Dividenden für langfristige Anleger

ConocoPhillips mit dem Aktiensymbol COP ist der größte unabhängige Bohrkonzern der Welt. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Suche nach Rohöl und dessen Förderung. Die Profitabilität hängt damit direkter vom Ölpreis ab als bei stärker integrierten Konzernen. Die wichtigsten Vorteile von ConocoPhillips liegen in der Größe und in der niedrigen Kostenstruktur. Das Unternehmen gilt als einer der effizientesten Ölförderer weltweit. Gestärkt wird seine Position durch einen jüngst geschlossenen 30-jährigen Gasliefervertrag mit dem Alaska-LNG-Projekt von Glenfarne. Für das jüngste Quartal liegt die Konsensschätzung beim Gewinn bei 2,56 Dollar je Aktie. Das wären 80,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten einen Gewinn von 9,63 Dollar je Aktie. Das entspräche einem Anstieg um 56 Prozent. Die positive Stimmung zeigt sich auch am Aktienkurs. In den vergangenen vier Wochen stieg der Marktwert um sieben Prozent. Seit Jahresbeginn hat die ConocoPhillips-Aktie fast 34 Prozent zugelegt.

Alle drei Energieaktien zeichnen sich zudem durch eine attraktive Dividendenpolitik aus. Für Anleger kann das in Phasen hoher Inflation ein wichtiger Stabilitätsfaktor sein. Chevron zahlt eine Quartalsdividende. Beim aktuellen Börsenkurs ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von rund 3,6 Prozent. Der Konzern hat seine jährliche Dividende bereits 39 Jahre in Folge erhöht. Enbridge hat seine Ausschüttung für dieses Jahr um drei Prozent auf 0,97 Kanadische Dollar angehoben. Das entspricht rund 0,60 Euro. Beim aktuellen Aktienkurs liegt die Dividendenrendite damit nahe fünf Prozent. Das Unternehmen hat seine Dividende 31 Jahre in Folge gesteigert. ConocoPhillips zahlt eine Basisdividende einmal pro Quartal. Zusätzlich schüttet der Konzern eine variable Dividende aus, wenn Öl- und Gaspreise hoch sind und zusätzlicher Cashflow entsteht. In den vergangenen drei Quartalen lagen die Ausschüttungen bei 0,84 Dollar. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt rund 2,7 Prozent.

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