Finanzen
Steigende Kosten

Deutsche Bahn muss Kunden Entschädigung in Millionenhöhe bezahlen

Steigende Entschädigungszahlungen an Kunden werden für die Deutsche Bahn zu einem ernsten finanziellen Problem.
24.08.2019 08:27
Lesezeit: 1 min

Wegen Verspätungen und Zugausfällen bei der Deutschen Bahn haben sich die Entschädigungszahlungen an Fahrgäste binnen fünf Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 2018 erstattete das Unternehmen rund 54,5 Millionen Euro für die Durchsetzung von Fahrgastrechten, 2014 waren es noch 27 Millionen Euro, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. Die Bundesregierung forderte ein Onlineverfahren für betroffene Kunden.

Die Zahlungen beziehen sich vor allem auf den Fernverkehr, enthalten aber auch Ersatzzahlungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung", die am Montag zunächst über die Antwort berichtet hatte, ist der "Entschädigungsrekord" im vergangenen Jahr zum Teil auf die schlechte Pünktlichkeit im Fernverkehr zurückführen. 2018 kamen 74,9 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich an, das heißt mit weniger als sechs Minuten Verspätung. 2017 waren 78,5 Prozent der Fernzüge pünktlich, 2016 waren es 78,9 Prozent.

Der Anteil der Störungen durch "höhere Gewalt" stieg der Antwort der Bundesregierung zufolge auf 13,5 Prozent im Jahr 2018 - nach 11,4 Prozent 2017 und 9,4 Prozent 2016. Zur höheren Gewalt zählt die Bahn laut "FAZ" nicht nur extremes Wetter, Unfälle und Streik, sondern auch "plötzlich auftretende Fahrzeugmängel".

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Roman Müller-Böhm warnte davor, die Verbraucherrechte bei "höherer Gewalt" auszuhöhlen. Nachweislich sei der Anteil der Zugausfälle durch höhere Gewalt gestiegen, erklärte er. Es scheine daher vor allem für die Deutsche Bahn vorteilhaft, diese als Entschädigungsgrund einzuschränken, um die Bilanz zu schonen. "Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung, Entschädigungen bereits ab 30 Minuten zu zahlen, anstatt Verbraucherrechte zu schwächen."

Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) forderte in seinem Antwortschreiben auf die FDP-Anfrage Erleichterungen für betroffene Fahrgäste. "Aus Sicht der Bundesregierung ist es notwendig, die praktische Durchsetzung der Fahrgastrechte zu verbessern", heißt es darin. Fahrgäste sollten es demnach künftig einfacher haben, eine Entschädigung zu beantragen. Die Regierung habe die Bahn aufgefordert, "zumindest für Online-Tickets auch ein Online-Verfahren einzuführen". Derzeit muss ein Papier-Formular ausgefüllt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktüberblick: Aktien geben nach, da der Iran Einladung zu Gesprächen ablehnt
20.04.2026

Geopolitische Unsicherheiten sorgen für Bewegung an den Börsen – was Anleger jetzt über die aktuellen Entwicklungen wissen müssen.

DWN
Finanzen
Finanzen Lufthansa-Aktie: Technik-Sparte betritt mit militärischen Projekten Neuland
20.04.2026

Mit einem ungewöhnlichen Auftrag sorgt Lufthansa Technik für Aufmerksamkeit rund um die Lufthansa-Aktie. Die Wartung moderner...

DWN
Politik
Politik Analyse: Präsident Trump hat die USA zum mächtigsten Schurkenstaat der Welt gemacht
20.04.2026

Der Begriff Schurkenstaat wurde einst in den USA geprägt, um Staaten wie Nordkorea oder Iran zu beschreiben. Inzwischen wird er zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Düsseldorfer Rüstungskonzern beginnt Serienfertigung von Drohnenbooten
20.04.2026

Mit einem neuen Produktionsstart sorgt die Rheinmetall-Aktie für Aufmerksamkeit am Markt. Die Rüstungsaktie profitiert von wachsender...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Was ist nur mit den vermeintlich sicheren Häfen Gold und Bitcoin los?
20.04.2026

Gold und Bitcoin gelten als klassische Krisenanlagen. Doch ausgerechnet in einer Phase geopolitischer Spannungen zeigen sowohl der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verschuldungsdynamik? Bundesrechnungshof warnt vor wachsender Staatsverschuldung
20.04.2026

Deutschland steht vor wichtigen finanzpolitischen Entscheidungen: Der Bundeshaushalt 2027 soll kommende Woche konkrete Formen annehmen....

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Unicredit greift deutsches Geldinstitut scharf an - und fordert strategische Neuausrichtung
20.04.2026

Im Ringen um die Commerzbank verschärft Unicredit den Ton und kritisiert zentrale Strukturen des Instituts. Die Commerzbank-Aktie zeigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI im Management: Warum Führung unersetzlich bleibt – Tipps von Experte Hilgenstock
20.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert Management, Beratung und Mittelstand rasant. Doch ersetzt KI wirklich Führungskräfte – oder...