Deutschland
Bund erhält Geld fürs Schuldenmachen

Deutschland verkauft erstmals 30-jährige Bundesanleihen mit negativer Rendite

Erstmals müssen Investoren dafür bezahlen, dass sie dem Bund über einen Zeitraum von 30 Jahren Geld leihen dürfen. Die Auktion der Papiere wurde allerdings zum Flop.
21.08.2019 14:42
Lesezeit: 1 min

Am Mittwoch hat Deutschland erstmals 30-jährige Bundesanleihen mit einer Rendite unter null Prozent ausgegeben. Bei der 824 Millionen Euro schweren Auktion lag die durchschnittliche Rendite bei minus 0,11 Prozent, teilte die Deutsche Finanzagentur am Mittwoch mit. Dies bedeutet, dass Investoren dafür bezahlen, dass sie dem Bund Geld leihen dürfen.

Damit ist Deutschland der weltweit erste Staat, dem es gelungen ist, 30-jährige Staatsanleihen mit einer negativen Rendite zu verkaufen.

Die unlängst wieder aufgeflammte Angst vor einer weltweiten Rezession treibt Anleger vermehrt in die als sicher geltenden Bundesanleihen. Hinzu kommen Spekulationen auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Wiederaufnahme von deren Bondkäufen. Dies drückte die Rendite für 30-jährige Bundesanleihen Anfang des Monats erstmals unter null Prozent. Seither verzeichnen sämtliche Schuldtitel des Bundes negative Renditen.

Für die nun ausgegebenen 30-jährigen Bundesanleihen wird der Bund erstmals keinerlei Zinsen zahlen. Die negative Rendite für Investoren, welche die Papiere bis zur Fälligkeit halten, ergibt sich daraus, dass der Verkaufspreis höher ist als der Nennwert der Anleihe. Bisher hatte der Bund nur Schulden mit einer Laufzeit von bis zu 10 Jahren ohne Zinsen und mit negativer Rendite verkaufen können, zuletzt im vergangenen Monat.

30-jährige Bundesanleihen verzeichnen schwache Nachfrage

Eigentlich hatte der Bund am Mittwoch zwei Milliarden Euro neue 30-jährige Schulden verkaufen wollen, blieb jedoch mit 824 Millionen Euro deutlich hinter diesem Ziel zurück. Fast zwei Drittel der Anleihen mussten vom Verkauf zurückgezogen werden, da plötzlich die Nachfrage einbrach und die Renditen stark von -0,18 Prozent auf -0,1 Prozent anstiegen.

Am 27. August wird der Bund weitere 5 Milliarden Euro einer neuen zweijährigen Anleihe verkaufen, gefolgt von drei Milliarden Euro zehnjährige Anleihen am 28. August und vier Milliarden Euro fünfjähriger Wertpapiere am 4. September.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenboom treibt Reichtum der Eliten: Ist eine Vermögenssteuer überfällig?
27.05.2026

Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Direktinvestitionen. Europas neue Angst vor China-Geld
27.05.2026

China investiert so viel wie nie in Europas Schlüsselindustrien. Ausgerechnet jetzt verschärft die EU ihre Regeln für ausländische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Einen Aufschwung der deutschen Wirtschaft gibt es langfristig nicht: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einführung: Erfolg entscheidet sich im Mindset, nicht im Code
27.05.2026

Bei der Implementierung von KI denken viele zunächst an die technischen und datenschutzrechtlichen Komponenten. Doch der eigentliche...

DWN
Politik
Politik Antragsloses Kindergeld aber weniger Elterngeld? Wie die Regierung für mehr Kinder sorgen will
27.05.2026

Die Geburtenrate befindet sich parallel zur Wirtschaftskrise auf einem historischen Tiefstand. Kinder rücken plötzlich in den Fokus der...