Finanzen

Showdown: EZB lehnt Bankenrettung in Spanien ab, Notenbank-Chef tritt zurück

Lesezeit: 1 min
29.05.2012 23:51
Die Lage in Spanien spitzt sich zu: Die Europäische Zentralbank hat Pläne der Spanier zur indirekten Rettung der angeschlagenen Bankia brüsk zurückgewiesen. Der Gouverneur der Zentralbank steht vor dem Rücktritt. Die EU gerät unter Druck. Ein Bailout wird immer wahrscheinlicher.
Showdown: EZB lehnt Bankenrettung in Spanien ab, Notenbank-Chef tritt zurück

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Idee schien bestechend, doch die EZB macht nun den findigen Spaniern einen Strich durch die Rechnung: Die Regierung wollte die Rettung der angeschlagenen Bankia durch Staatsanleihen besichern (mehr hier). Am Montag hieß es noch, die EZB sei eingeweiht und hätte grundsächlich nichts dagegen. Am Dienstag kam, so die FT, „die knallharte Ablehnung“ der Idee durch die EZB. Dies berichten EU-Offizielle. Offenbar ist diese Art der undurchsichtigen Finanz-Arithmetik der EZB zu heiß geworden.

Stattdessen hat die EZB den Spaniern offenbar mitgeteilt, dass die Finanzierung von Regierungen dem EU-Regelwerk widerspricht. Die Bank müsse ordnungsgemäß rekapitalisiert werden.

Dies bedeutet eine schwere Schlappe für die spanische Regierung – und vor allem für den Gouverneur der spanischen Notenbank, Miguel Angel Fernández Ordóñez. Die logische Folge: Fernández Ordóñez muss zurücktreten. Die Notenbank gab bekannt, dass Fernández Ordóñez Ende der kommenden Woche ausscheiden werden, ein Monat früher als geplant.

Fernández Ordóñez war noch von der sozialistischen Vorgängerregierung eingesetzt worden. Er stand in Spanien schon seit einiger Zeit in der Kritik, weil er in der spanischen Bankenkrise offenkundig eine sehr schlechte Figur gemacht hat.

Mit der Abfuhr gerät die spanische Regierung erneut unter Druck: Premier Rajoy hatte mehrmals fast flehentlich gefordert, die EZB müsse Spanien retten (hier). Zwar hofft er auch noch auf den ESM, räumte jedoch ein, dass die Zeit nicht mehr reiche, bis der permanente Rettungsschirm etabliert ist. Rajoy hatte wie andere gefordert, der ESM müsse auch zur Bankenrettung verwendet werden können.

Aber auch für die EU ist die Entwicklung unangenehm: Nachdem die Zinssätze für spanische Staatsanleihen am Montag auf 6,5 Prozent gestiegen sind, wächst auch in Brüssel die Sorge, Spanien komme ohne europäischen Bailout nicht über die Runden. Dem Land droht der Ausschluss von den Kapitalmärkten.

Ein Berater der spanischen Regierung sagte der FT, dass der Poker um die Spanien-Rettung begonnen habe. Auf die Hilferufe der Spanier anspielend, sagte er: „Ich glaube nicht, dass Spanien blufft.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „Das Bündnis Sahra Wagenknecht gefährdet die Linkspartei in ihrer Existenz“
24.02.2024

Eine neue Figur ist auf das politische Schachbrett gekommen: das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Wie diese neue Partei die politischen...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Vermögensregister und Bargeldbeschränkungen: Risiko für Anleger
23.02.2024

Das EU-Vermögensregister gehört derzeit zu den größten Risiken für Anleger. Daher ist es wichtig, sich jetzt zu überlegen, wie man...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die deutsche Wirtschaftskrise ist eine Chance für Start-ups
24.02.2024

Die Berliner Unternehmerin Julia Derndinger spricht im exklusiven DWN-Interview über den aktuellen Zustand der deutschen Gründerszene,...

DWN
Technologie
Technologie Googles KI generiert nach zu viel Diversität keine Bilder von Leuten
24.02.2024

Google lässt seine KI-Software Gemini vorerst keine Bilder von Menschen mehr erzeugen, nachdem sie Nutzern nicht-weiße Nazi-Soldaten und...

DWN
Politik
Politik Dringend: Deutschlands Wirtschaft fordert Steuerreform
24.02.2024

Führende Industrieverbände fordern steuerpolitische Reformen: Sie präsentieren ein Spektrum an Maßnahmen, von der Senkung der...

DWN
Politik
Politik UN-Chef Guterres: Höchste Zeit für Frieden in der Ukraine
24.02.2024

Zwei Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine hat UN-Generalsekretär António Guterres ein Ende der Kämpfe verlangt - und eindringlich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Regeln für den Onlinehandel in der EU - was jetzt zu beachten ist!
24.02.2024

Wer Onlinehandel betreibt, läuft Gefahr, in eine Abmahnfalle zu geraten. Dies kann aus Unwissenheit passieren oder wenn Fehler...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Können Kasachstan und Aserbaidschan russische Energie ersetzen?
23.02.2024

Aserbaidschan und Kasachstan sollen als Folge des Ukrainekrieges zu wichtigen Energieversorgern Deutschlands und der EU werden. Doch wie...