Finanzen

Spaniens Banken drohen Milliarden-Abschreibungen wegen fauler Kredite an Unternehmen

Lesezeit: 2 min
18.06.2012 12:10
Neben den Problemen aus der Immobilienblase haben sie spanischen Banken noch ein ähnlich hohes Risiko in ihren Portfolios. Seit Jahren helfen sie verlustreichen Unternehmen, ihre Schulden immer wieder zu refinanzieren. Doch die Rezession wird diese aufgeschobenen Pleiten bald einfordern. Dann drohen den Banken weitere Milliarden-Verluste.
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Mit dem 100 Milliarden Euro Rettungspaket ist es im spanischen Bankensektor noch lange nicht getan. Es wartet neben den Problemen aufgrund der Immobilienblase noch eine ebenso große Gefahr auf die spanischen Banken. Seit Jahren refinanzieren die Geldinstitute marodeUnternehmen anderer Branchen, um zu verhindern, dass diese pleitegehen und die Banken damit Abschreibungen vornehmen müssen – immer auch mit einem Funken Hoffnung, dass eine wirtschaftliche Erholung kommt. Und genau das kann ihnen mit fortschreitender Rezession letztlich auch den Hals brechen, so Alberto Manzanares von der Anwaltssozietät Clifford Chance in Madrid.

Die Quote ausstehender, überfälliger Kredite bei den spanischen Banken hatte im April mit 8,72 Prozent bereits ein 18-Jahres-Hoch erreicht (hier). Angesichts der tiefen Rezession des Landes und der Sparmaßnahmen der Regierung werden die Pleiten in diesem Jahr voraussichtlich weiter steigen. 1.958 Firmen gingen allein im ersten Quartal in Konkurs, 21 Prozent mehr als noch im Vorjahr - kleine Firmen und baunahe Unternehmen bildeten hier die Mehrheit.

Die Schulden des nicht-finanziellen privaten Sektors liegen bei 134 Prozent des BIP, höher als in jeder anderen großen Volkswirtschaft der Welt mit Ausnahme von Irland, wo der Wert durch die Anwesenheit ausländischer, multinationaler Unternehmen verzerrt ist. Das geht aus einem Bericht über die globale Verschuldung von McKinsey hervor. „Es ist schwer, in Spanien ein Unternehmen zu finden, das in den letzten Jahren keine Refinanzierung in Anspruch genommen hat“, sagt der in Valencia sitzende Rechtsanwalt und Insolvenz-Experte Jose Luis Corell. „ Es ist im Interesse der Bank ein Unternehmen am Leben zu halten, um nicht nur Buchungsverluste zu vermeiden, sondern auch, weil die Mitarbeiter des Unternehmens oder Lieferanten wahrscheinlich auch Hypotheken und Kredite bei der Bank haben.“ Zwischen 50 und 60 Prozent der spanischen Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren irgendeine Art der Refinanzierung angenommen, so ein Leiter des Risikomanagements einer Bank zu Reuters.

Wie groß der Umfang dieser Refinanzierungen durch die spanischen Banken insgesamt ist, ist nicht ganz klar, da die Zentralbank des Landes keine Daten liefert. Aber Bankia gibt an, 69 Milliarden Euro refinanzierter Kredite an Unternehmen, die nicht aus der Immobilienbranche kommen, in den eigenen Büchern zu haben, die mit 6,8 Prozent Kapital gedeckt sind. Popular spricht von Krediten in Höhe von 79 Milliarden mit 7,9 Prozent Deckung. Credit Suisse schätzt, dass allein die vier größten Banken Spaniens, Santander, BBVA, Sabadell und Popular zusätzliche 654 Milliarden Euro beiseitelegen müssten, um die Kredite, die nicht aus der Immobilienbranche kommen, mit mindestens 7, Prozent decken zu können, statt wie bisher mit 2,2 Prozent. Nimmt man aus dem spanischen Blue-Chip-Ibex 35 die Banken heraus, belaufen sich die Schulden nur dort bereits auf 222 Milliarden Euro – die Kapitalisierung der dort verzeichneten Unternehmen liegt aber nur bei einem Wert von 216 Milliarden, wie Daten von Thomson Reuters zeigen.

„Viele Unternehmen, die ihre Schulden nicht zahlen können, bitten Banken um einen Aufschub von drei oder vier Jahren, um strategische Pläne für den Verkauf von Vermögenswerte zu erarbeiten, wenn der Markt sich verbessert hat“, sagte Alberto Manzanares. Aber was passiert, wenn die Rezession sich weiter verschärft und sich die wirtschaftliche Situation, wie es im Moment auch aussieht, weiter verschlechtert?

Laut einer Studie die auf Befragungen von über 210.000 spanischen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 2 Millionen Euro im Jahr 2009 basiert, waren 22 Prozent „ernsthaft verschuldet", mit Schulden, die fünfmal höher waren als ihr Kerngewinn, berichtet Reuters. „Die Banken halten die Unternehmen, die in sehr schlechtem Zustand sind, um ihre eigenen Verluste zu decken“ erklärt Enrique Quemada von ONEtoONE Capital Partners. Und in dem sie dies täten, können sie es sich nicht mehr leisten, Kredite an gesunde oder neue Unternehmen zu vergeben. „Dies führt zu einer Beschädigung des gesamten spanischen Unternehmensnetzwerks." Gerade junge Unternehmen, die sich eher auf Technologie konzentrieren als auf die Baubranche, erhalten kaum mehr Darlehen. Das Kreditvolumen sank 2011 um 4,2 Prozent auf 944 Milliarden Euro.


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