Merkel in China: Deutsche Unternehmen schließen 11 Verträge ab

Lesezeit: 2 min
06.09.2019 13:19  Aktualisiert: 06.09.2019 13:22
Im Rahmen des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben deutsche Unternehmen in China 11 Kooperationsabkommen mit chinesischen Partnern abgeschlossen.
Merkel in China: Deutsche Unternehmen schließen 11 Verträge ab
Foto: Michael Kappeler

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking haben deutsche Unternehmen am Freitag elf Kooperationsabkommen unterzeichnet. Die Vereinbarungen reichen von der Luftfahrttechnik, Schifffahrt, Energie, Elektromobilität, Finanzierung, Versicherung bis hin zum vernetzten Fahren und der Vermeidung und Verwertung von Müll, wie aus einer Liste aus Delegationskreisen hervorgeht, aus der die dpa berichtet.



Unter anderem traf der europäische Flugzeugbauer Airbus eine Vereinbarung mit dem chinesischen Luftfahrtunternehmen AVIC Aircraft Corporation über die Montage des Airbus A320 in dem bestehenden Werk in Tianjin, wo heute schon Airbus-Maschinen zusammengebaut werden.



Die Allianz-Versicherung unterzeichnete eine strategische Vereinbarung mit der Bank of China über Vertiefung der Kooperation im Finanz- und Versicherungsbereich.



Auch traf die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery Holding eine Absichtserklärung zur Produktion sowie Entwicklung eines elektrischen Nutzfahrzeugs für die letzte Meile im Verteilerverkehr. Streetscooter geht von einer Gesamtinvestition von bis zu 500 Millionen Euro aus, wie das Unternehmen mitteilte. Die Serienproduktion sei für 2021 geplant - mit einer Produktionskapazität von 100 000 Elektro-Fahrzeugen jährlich.



Der Siemens-Konzern unterschrieb eine Absichtserklärung mit der State Power Investment Corporation Limited (SPIC) zur Kooperation bei Gasturbinen. Auch wurde eine strategische Kooperationsvereinbarung zwischen der ALBA Group und der Shenzhen Energy Group für die Gründung eines Joint Ventures zur Zusammenarbeit bei Verwertung und Vermeidung von Abfall in Shenzhen geschlossen.

Chinesen sprechen Investitionskontrollen der Bundesregierung an

Merkel äußerte die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Handelskriegs zwischen Washington und Peking. Sie hoffe, dass es gelingen werde, die Verhandlungen mit den USA zu einem Ende zu bringen, sagte Merkel am Freitag laut Redetext vor Vertretern des Beratenden Ausschusses der Deutsch-Chinesischen Wirtschaft in Peking. "Das wäre für uns alle gut", fügte sie hinzu.

Gleichzeitig plädierte die Kanzlerin für den baldigen Abschluss eines Investitionsschutzabkommens zwischen der Europäischen Union und China. Angesichts des "starken Transfers von neuen Möglichkeiten" bei Joint Ventures sei eine "verlässliche Zusammenarbeit auf der Grundlage aller geltenden Standards von extremer Bedeutung", sagt sie. Deutschland habe sich deshalb vorgenommen, das Abkommen während seiner EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 voranzutreiben.

Die deutsch-chinesische Wirtschaftskooperation bezeichnete die Kanzlerin als "sehr intensiv", sprach aber auch von "schwierigen Facetten". Unter anderem forderte sie einen gleichen Zugang deutscher Unternehmen zu den chinesischen Märkten sowie "Gleichbehandlung".

Ihrerseits versuchte Merkel, chinesische Sorgen über die Herabsetzung der sogenannten Aufgreifschwelle zu zerstreuen. Die Herabsetzung der Schranke, ab der die Bundesregierung sicherheitsrelevante Beteiligungen durch Unternehmen aus dem außereuropäischen Ausland prüfen und ihr Veto einlegen kann, bedeute nicht, dass dann die "Investition verboten wird", sagte sie. Sie werde nur "betrachtet, eingeordnet". Deshalb lade sie alle chinesischen Unternehmen ein, weiter in Deutschland zu investieren.

Zum Auftakt ihres zweitägigen Besuchs in der Volksrepublik war Merkel mit Ministerpräsident Li Keqiang zusammen gekommen, anschließend stand ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping auf dem Programm. Begleitet wird die Kanzlerin von einer großen Wirtschaftsdelegation.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Ein Jahr „Gelbwesten“: Auf dem Globus tobt eine gewaltsame Protestwelle

Ein Jahr nach den ersten Protesten der sogenannten "Gelbwesten" in Frankreich toben in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt schwere...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Argentinien steht kurz vor dem Staatsbankrott: Auch deutsche Lebensversicherer betroffen

Die Schuldensituation Argentiniens verschlechtert sich seit Jahren. Kurz nach der Bereitstellung einer weiteren Kreditlinie durch den IWF...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde beschwert sich über die Undankbarkeit der Sparer

EZB-Chefin Lagarde beschwert sich darüber, dass die Sparer gegen Negativzinsen sind. Die Sparer sollten schon glücklich sein, wenn sie...

DWN
Technologie
Technologie Bundesregierung will Bau tausender neuer Funkmasten mit Werbe-Initiative begleiten

Die Bundesregierung strebt eine vollständige Abdeckung Deutschlands mit dem neuen 5G-Netz an. Bedenken in der Bevölkerung hinsichtlich...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland gehört zu den zehn führenden Wasserstoff-Nationen

Weltweit gibt es zehn Nationen, die mehr oder weniger erfolgreich im Bereich der Wasserstofftechnologie aktiv sind. Zu diesen gehört auch...

DWN
Politik
Politik Deutsche U-Boote und Fregatten: Garanten unserer Freiheit

Die Deutsche Marine ist keine reine Manöver-Flotte mehr. Im zweiten Teil des DWN-Interviews berichtet Marine-Inspekteur Vizeadmiral...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Vizepräsident: „Die Nebeneffekte unserer Geldpolitik nehmen zu“

Dem Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Nebeneffekte der ultralaxen Geldpolitik auf dem Vormarsch. Bei diesen...

DWN
Politik
Politik Illegal eingereister Clanchef klagt gegen abgelehnten Asylantrag und neuerliche Abschiebung

Ein bereits abgeschobener und illegal wiedereingereister Krimineller klagt gegen die neuerliche Ablehnung seines Asylantrags. Daneben hat...

DWN
Politik
Politik Afghanistan entwickelt sich zur neuen Hochburg des IS

Afghanistan entwickelt sich mittlerweile zur neuen Hochburg des IS. Die Terror-Miliz stellt eine direkte Gefahr für Chinas...

DWN
Technologie
Technologie Ein Tesla-Unfall erschüttert das Märchen von der umweltfreundlichen E-Mobilität

Ein Unfall eines Tesla-Fahrers in Österreich wirft ernste Fragen für die gesamte Elektroauto-Branche auf. Zuerst musste der Wagen drei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Edelstahlwerke vor harten Einschnitten?

Ein Verlust in Millionen-Höhe der Schweizer Stahlgruppe Schmolz + Bickenbach dürfte auch bei der deutschen Tochter, der Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Tech-Giganten im Gesundheitswesen: Bessere Vorsorge oder Totalüberwachung?

Die großen Technologiekonzerne dringen mit ihren Anwendungen in das Gesundheitswesen vor. Neben großen Vorteilen zur Vorbeugung von...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ŠKODA schickt gegen schlechte Konjunktur neuen Octavia ins Rennen

Die Autobranche steht weltweit unter Druck. Jetzt kommt der tschechische Hersteller ŠKODA mit der neuesten Version des Octavia - eines...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt CO2-Sondersteuer: Auf den Mittelstand kommen schwere Zeiten zu

Der Bundestag hat die Sondersteuer auf die Emissionen des natürlichen Gases Kohlenstoffdioxid beschlossen. Besonders darunter leiden...

celtra_fin_Interscroller