Finanzen

Der Boom bei der Roboter-Geldanlage bleibt aus

Die in die automatisierte Geldanlage gesetzten Hoffnungen haben sich bislang nicht erfüllt, sagen Brancheninsider.
20.09.2019 10:23
Aktualisiert: 20.09.2019 10:26
Lesezeit: 1 min

Automatisierte Geldanlagen im Internet breiten sich nur langsam in Deutschland aus. Die sogenannten Roboter-Plattformen, bei denen Anleger Geld in Fonds-Portfolien investieren können, stoßen auf weniger Andrang als erwartet, wie Zahlen von Beratern zeigen.

"Die Hoffnungen in der Branche haben sich nicht erfüllt", sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. Viele Anbieter von digitalen Vermögensverwaltern, darunter Start-ups, hätten die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für Kundenakquise unterschätzt. Zudem richteten sich die Geldanlage-Automaten an eine Nische von Kunden, die sich sowohl für Internet-Angebote als auch Wertpapiere interessierten. "Beides zusammen ist selten."

Zwar habe sich das verwaltete Vermögen in Geldanlage-Robotern ("Robo Advisor") 2018 auf 2,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Damit blieb der deutsche Markt aber klar unter den Erwartungen von Oliver Wyman, die mit 3 bis 4 Milliarden Ende 2018 gerechnet hatten. Erst jetzt habe der Markt rund vier Milliarden Euro Kundengeld erreicht.

Bei den Robotern geben Sparer an, etwa welche Anlagezeiträume und Risikoneigung sie haben. Danach schlägt ein Computer ein Standardportfolio vor - meist aus Indexfonds (ETFs) auf Aktien, Anleihen oder Immobilien. Die Firmen werben mit vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr bei Gebühren von 0,5 bis einem Prozent.

Von großen Erfolgen der Banken im Vertrieb ist indes nichts bekannt. Während die Deutsche Bank und Genossenschaftsinstitute keine Zahlen für ihre Robo Advisor nennen, liegen im Sparkassen-Angebot "Bevestor" lediglich 15 Millionen Euro - bei der Vertriebskraft von 260 kooperierenden Instituten. "Cominvest" von der Commerzbank-Tochter Comdirect betreut immerhin schon 500 Millionen Euro. "Die Banken vermarkten ihre Lösungen nur verhalten", sagt Hübner. "Sie fürchten eine Kannibalisierung eigener Fonds."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Vereinbarung zu Grönland mit Trump: Doch keine Zölle gegen Europäer ab 1. Februar
21.01.2026

Donald Trump nimmt seine Zolldrohung gegen Deutschland und weitere EU-Staaten überraschend zurück – zumindest vorerst. Doch der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Chef Huang auf dem WEF in Davos: Hier könnte Europa an den USA vorbeiziehen – „einmalige Chance“
21.01.2026

Europas starke industrielle Basis verschafft dem Kontinent eine einmalige Chance, die Vorteile der Künstlichen Intelligenz (KI) gezielt zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zolldeal mit USA auf Eis: EU-Parlament reagiert auf Trump
21.01.2026

Der EU-Zolldeal gerät plötzlich ins Wanken: Das Europäische Parlament stoppt zentrale Arbeiten, nachdem neue Drohungen aus Washington...

DWN
Finanzen
Finanzen Intel-Aktienkurs springt an: Jetzt zählen die Intel-Zahlen
21.01.2026

Nach einer starken Rally erreichen die Intel-Aktien den höchsten Stand seit Jahren. Doch vor den anstehenden Quartalszahlen wächst die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BDI warnt: Deutsche Industrie zwischen Stillstand und Hoffnungsschimmer
21.01.2026

Deutschlands Industrie ringt um den Ausweg aus einer zähen Krise, während neue US-Zölle drohen und die Stimmung fragil bleibt. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Weltwirtschaftsforum Davos: JP Morgan-Chef Dimon weicht Fragen zu Trumps Außenpolitik aus
21.01.2026

JP Morgan-Chef Jamie Dimon sagt, die USA hätten recht, Europa unter Druck zu setzen, seine Verteidigungsfähigkeit auszubauen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boris Vujčić wird EZB-Vizepräsident: Ein neuer Akteur in der Führungsebene
21.01.2026

Die Europäische Zentralbank steht vor einer Phase tiefgreifender personeller und strategischer Weichenstellungen. Welche Bedeutung kommt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercosur-Abkommen gestoppt: Europaparlament bringt Mercosur-Deal vor Gerichtshof
21.01.2026

Am Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten gibt es viel Kritik. Das Europäische Parlament lässt den Deal jetzt vom obersten...