Unternehmen

ZF schreibt Milliardenverlust: Schulden bleiben hoch, Nachfrage stagniert – wie geht es weiter?

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen kämpft weiter mit den Folgen von Umbau und Marktschwäche. Trotz Verbesserungen im operativen Geschäft belasten hohe Verluste und Schulden den Konzern. Droht dem Traditionszulieferer gar das Aus?
19.03.2026 10:44
Lesezeit: 2 min

Autozulieferer ZF verzeichnet 2,1 Milliarden Euro Verlust

ZF befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau. Ein Sondereffekt belastet die Bilanz erheblich, der Konzern weist deutliche Verluste aus. Operativ zeigen sich zwar Verbesserungen, doch die hohe Verschuldung bleibt eine große Herausforderung.

Der Automobilzulieferer ZF ist im vergangenen Jahr insbesondere aufgrund eines Sondereffekts im Zuge des Konzernumbaus noch stärker in die Verlustzone geraten. Der Fehlbetrag verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 2,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee mitteilte. Bereits 2024 hatte der Konzern rote Zahlen geschrieben. Damals lag der Verlust bei etwas mehr als einer Milliarde Euro.

"Die Abschreibungen unprofitabler Projekte haben einen Einmaleffekt auf unsere Bilanz für 2025. Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren", sagte ZF-Chef Mathias Miedreich. Im operativen Geschäft habe ZF jedoch Fortschritte erzielt. So stieg das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) von rund 1,47 Milliarden Euro auf etwa 1,75 Milliarden Euro.

Konzern bleibt stark verschuldet

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Verschuldung des Konzerns hoch. Zwar konnte ZF im vergangenen Jahr seine Finanzverbindlichkeiten um 250 Millionen Euro senken. Dennoch liegt die Nettoverschuldung weiterhin bei 10,2 Milliarden Euro.

Zudem ging die Eigenkapitalquote im Jahr 2025 um mehr als fünf Prozentpunkte auf 13,3 Prozent zurück. Diese Kennzahl gilt als wichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. ZF zählt zu den weltweit größten Automobilzulieferern. Der Konzern befindet sich zu 93,8 Prozent im Besitz der Zeppelin-Stiftung, die vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen verwaltet wird. Wie viele andere Unternehmen der Branche leidet ZF unter der schwachen Konjunktur sowie einer verhaltenen Nachfrage – insbesondere im Bereich der E-Autos.

Umsatz weiter gesunken

Der ZF-Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 38,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund sechs Prozent beziehungsweise 2,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. "Wir sehen keine durchgreifende Belebung der Nachfrage", erklärte Finanzvorstand Michael Frick laut Mitteilung. Ziel sei es, sich in einem Marktumfeld ohne nennenswertes Wachstum zu behaupten.

In den kommenden Jahren plant ZF den Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland. Ende 2025 beschäftigte das Unternehmen weltweit 153.153 Mitarbeiter – rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Auch in Deutschland sank die Beschäftigtenzahl nominal um etwa fünf Prozent auf etwas mehr als 49.000. Damit liegt ZF im Plan beim Stellenabbau. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine spürbare Verbesserung der Lage. Bei stabilen Wechselkursen prognostiziert ZF für das Jahr 2026 einen Umsatz von über 38 Milliarden Euro. "Wir werden uns Schritt für Schritt wieder die Profitabilität erarbeiten", so Vorstandschef Miedreich.

ZF zwischen Fortschritt und Belastung

ZF steht an einem kritischen Wendepunkt. Der deutliche Verlust von 2,1 Milliarden Euro zeigt, wie stark der Konzernumbau und Abschreibungen die Bilanz belasten. Gleichzeitig machen operative Fortschritte und ein verbessertes Ergebnis Hoffnung auf eine Stabilisierung. Dennoch bleibt die hohe Verschuldung ein zentrales Risiko, ebenso wie die schwache Nachfrage im Automarkt, insbesondere bei E-Autos. Der geplante Stellenabbau unterstreicht den Ernst der Lage. Entscheidend wird sein, ob ZF seine Profitabilität nachhaltig steigern kann. Die kommenden Jahre dürften darüber entscheiden, ob der Konzern gestärkt aus der Krise hervorgeht oder weiter unter Druck bleibt.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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