Finanzen

Privatbanken und Vermögensverwalter leiden unter Negativzinsen

Der Vorstandschef des Schweizer Vermögensverwalters Edmond de Rothschild ist der Ansicht, dass sich neben Privatbanken auch Vermögensverwalter auf eine durch die Negativzinsen der EZB und der Schweizerischen Nationalbank ausgelöste Krise vorbereiten müssen.
09.11.2019 07:42
Aktualisiert: 09.11.2019 07:42
Lesezeit: 1 min
Privatbanken und Vermögensverwalter leiden unter Negativzinsen
Eine Schweizer 5-Franken-Münze, fotografiert neben einer 2-Euro-Münze (Foto: dpa) Foto: Friso Gentsch

Der Vorstandsvorsitzende des Schweizer Vermögensverwalters Edmond de Rothschild, Vincent Taupin, meint, dass Europas Privatbanken und Vermögensverwalter vor einer Krise stehen, weil durch die negativen Einlagezinsen der EZB und der Schweizerischen Nationalbank ihre Geschäftsmodelle regelrecht ausgehöhlt werden. Zusätzliche Akquisitionen und mehr Geldzufluss von Kunden seien demnach mittlerweile auch keine Lösungen mehr.

Edmond de Rothschild hatte die Übernahme der in Schwierigkeiten geratenen Zürcher Vermögensverwaltungsgruppe GAM und des italienischen Vermögensverwaltungszweigs des Bankenkonkurrenten Julius Bär, Kairos, in Erwägung gezogen. Doch keiner von beiden war seinen Preis wert, so Taupin in einem Interview mit den Financial Times.

Die europäische Bankenbranche ist in den vergangenen Jahren nachhaltig unter Druck geraten, da die Margen unter anderem aufgrund der unkonventionellen Geldpolitik der Notenbanken auf ein historisch niedriges Niveau gesunken sind. Die Private-Banking-Branche mit ihrer Abhängigkeit von Erträgen aus engen Spreads, die durch Einlagen vermögender und risikoaverser Kunden generiert werden, war von niedrigen und negativen Zinssätzen besonders stark betroffen.

Angesichts der zunehmenden Debatte in Europa über die Auswirkungen von Negativzinsen erklärte der Schweizer Notenbankchef Thomas Jordan in der vergangenen Woche, sie seien für die Schweizer Wirtschaft „unverzichtbar“ und würden auf absehbare Zeit anhalten. Die größten Akteure der Branche wie UBS und Credit Suisse haben mit neuen Kreditangeboten für vermögende Privatpersonen ihre Renditen gesteigert, aber viele kleine und mittlere Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich anzupassen. Da die meisten Privatbanken nicht börsennotiert sind, sei die Krise der Branche nicht unbedingt in den Schlagzeilen aufgetaucht, so Taupin.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
07.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Kranken- und Rentenbeiträge steigen deutlich
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Politik
Politik Nach Landtagswahlen: Mehrheit hält Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
07.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz kommt aus dem Umfragetief nicht heraus, die Mehrheit der Deutschen sieht keine Zukunft für ihn als Kanzler....

DWN
Politik
Politik Festanstellung adé: Verlängerte Befristungen für Arbeitsverträge geplant
07.10.2026

Die Koalition will die sachgrundlose Befristung für Arbeitnehmer verlängern. Eine Befristung des Arbeitsvertrages soll bald vier statt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie nach Absatzrückgang: Einbruch in China hält an
07.10.2026

Der Einbruch des chinesischen Markts sorgt weiter für Absatzrückgänge beim Stuttgarter Autobauer. Hoffnung bereitet allerdings die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mitarbeiterbenefits: Warum Unternehmen das Wunschkonzert beenden
07.10.2026

Gratis-Bananen, Hafermilch und Achtsamkeits-Apps sollten Beschäftigte glücklich machen. Doch viele Unternehmen erkennen inzwischen, dass...

DWN
Politik
Politik Analyse: Öl fließt durch Hormus, doch der Preis sinkt nicht
07.10.2026

Die Kosten für Fracht und Versicherungen sind inzwischen so hoch, dass sie gemeinsam mit den ukrainischen Angriffen auf russische...

DWN
Politik
Politik Tankrabatt in der Kritik: Ölkonzerne geben den Steuernachlass nur zum Teil weiter
07.10.2026

Der seit 1. Oktober geltende Tankrabatt der Bundesregierung kommt nur teilweise an den Zapfsäulen an. Bereits vor der Einführung des...