Politik

„Klappe halten“: Frankreichs Eliten streiten um Wiederaufbau von Notre Dame

In Frankreich gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, wie die durch ein Feuer zerstörte Kathedrale Notre Dame einmal wieder aussehen soll.
14.11.2019 15:46
Aktualisiert: 14.11.2019 15:46
Lesezeit: 1 min

Originalgetreu oder modern: In Frankreich tobt ein Streit auf höchster Ebene um den Wiederaufbau von Notre-Dame. Kulturminister Franck Riester schaltete sich am Donnerstag ein und bezeichnete Äußerungen des Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau, Jean-Louis Georgelin, als «nicht akzeptabel». Georgelin hatte zuvor Frankreichs Chef-Architekten für historische Bauwerke, Philippe Villeneuve, aufgefordert, «seine Klappe zu halten». Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Frage, wie der bei dem Feuer zerstörte Spitzturm wiederaufgebaut werden soll.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich nach dem Brand im April für einen zeitgenössischen Wiederaufbau ausgesprochen und General Georgelin zu seinem Sonderbeauftragten gemacht. Ein internationaler Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben. Chefarchitekt Villeneuve hatte immer wieder betont, dass er für einen originalgetreuen Wiederaufbau des Spitzturms sei. «Für mich muss man nicht einfach nur einen Spitzturm bauen, sondern einen identischen, damit er zeitlos ist», hatte er im Sommer der Zeitung «Le Figaro» gesagt.

Angesprochen auf Villeneuve erklärte Georgelin nun in einem Ausschuss der Nationalversammlung: «Ich habe ihm schon mehrmals erklärt (...), dass er die Klappe halten sollte und dass wir weise vorankommen sollten, damit wir in Ruhe die beste Wahl für Notre-Dame, für Paris, für die Welt treffen können.» Kulturminister Riester rief Georgelin in der Folge zur Ordnung auf. «Respekt ist ein wichtiger Wert unserer Gesellschaft. Als Beamte müssen wir vorbildlich sein», forderte er.

Georgelin erklärte in seinen Ausführungen auch, dass die Sicherung der Kathedrale noch nicht abgeschlossen sei. Größtes Problem sei das Gerüst, dass vor dem Feuer für Bauarbeiten auf dem Dach von Notre-Dame angebracht wurde. Es war bei dem Brand teilweise geschmolzen und ist seitdem an Ort und Stelle. Das Gerüst spiele eine «erhebliche Rolle» mit Blick auf das Gleichgewicht des Gebäudes, so Georgelin. Besonders gefährlich könnte ein heftiger Sturm sein, der Gebäude und Gerüst destabilisieren könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...

DWN
Technologie
Technologie Weltweiter Kohlekraft-Ausbau steigt trotz Klimazielen
23.10.2026

Wind- und Solarenergie haben Kohle in vielen Teilen Europas überholt – doch weltweit wächst die Zahl geplanter Kohleprojekte weiter,...