Politik

Russland verschärft Aufsicht über Medien mit ausländischen Finanzquellen

Das russische Oberhaus hat ein Gesetz gebilligt, wonach unliebsame ausländische Medien fortan als “ausländische Agenten” eingestuft werden sollen. Das Gesetz betrifft auch Blogger.
28.11.2019 11:00
Lesezeit: 1 min
Russland verschärft Aufsicht über Medien mit ausländischen Finanzquellen
Der russische Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa) Foto: Yuri Kochetkov

Während einer Plenarsitzung am 21. November 2019 hat der Rat der Russischen Föderation (Oberhaus des Parlaments) einen Gesetzentwurf über zusätzliche Bestimmungen für Medien gebilligt. Das Gesetz richtet sich gegen natürliche und juristische Personen, die offiziell als “ausländische Agenten” eingestuft werden sollen.

Einzelpersonen können als ausländische Agenten angesehen werden, wenn sie Informationen an eine unbegrenzte Anzahl von Personen weitergeben, nämlich im Internet, und Finanzmittel aus dem Ausland erhalten. Die Finanzierung umfasst Geld oder Vermögen, das von ausländischen Staaten, deren Regierungsstellen, internationalen und ausländischen Organisationen, ausländischen Staatsbürgern oder von russischen juristischen Personen, die aus diesen Quellen finanziert werden, erhalten wurde, meldet die Tass.

Das russische Justizministerium wird für die Registrierung von in Russland tätigen Auslandsvertretern zuständig sein und nach Rücksprache mit dem russischen Außenministerium beschließen, welche natürlichen oder juristischen Personen in die Liste aufgenommen werden sollen.

Die Medien werden verpflichtet, alle Veröffentlichungen mit einem Vermerk zu versehen, in dem der Status eines ausländischen Vertreters angegeben ist. Zudem werden sie verpflichtet, eine juristische Rechtsperson in Russland zu gründen, um aktiv zu sein, berichtet die russische Zeitung Yamal Pro.

Die neuen Normen erlauben es der russischen Regierung, Websites ausländischer Agenten oder juristischer Personen zu sperren, falls die von ausländischen Medien veröffentlichten Informationen gegen russische Vorschriften verstoßen.

Doch der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Informationspolitik, Informationstechnologie und Kommunikation, Leonid Levin, meint, dass nicht jedes Medium, das Geld aus dem Ausland erhält, auch automatisch als “ausländischer Agent” eingestuft werden müsse. Wenn ein Medium über Sport, Kultur oder Musik berichtet, sei es unwahrscheinlich, dass es als “ausländischer Agent” eingestuft werde - trotz der Finanzierung aus dem Ausland.

“Wenn es eine ausländische Ressource gibt, die einen Journalisten oder den einen oder anderen Blogger anweist, Material für ihn zu erstellen, und diese Person dieses Material aufbereitet und Geld dafür erhält, gibt es in diesem Fall die Möglichkeit, ihn als ,ausländischen Agenten’ einzustufen”, zitiert Interfax Levin. In einem derartigen Fall muss der Betroffene mit mindestens einer Geldstrafe von umgerechnet 71.000 Euro rechnen.

Derzeit gelten nach Angaben des russischen Justizministeriums unter anderem Voice of America, Radio Free Europe/ Radio Liberty (RFE/RL) der Tatarisch-Baschkirische Dienst von Radio Liberty (Azatliq Radiosi) und Factograph als “ausländische Agenten”.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
16.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Ein Großhändler stellte 35 Roboter ein und verdreifachte so die Kapazität – ist das die Zukunft?
16.10.2026

Wenn Kunden eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden erwarten, wird das Lager zu einem Wettbewerbsfaktor. Dies hat den dänischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die 723.000-Mitarbeiter-Lücke: Deutschlands schleichender Verlust an Wohlstand
16.10.2026

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine historische Belastungsprobe zu. Während politische Debatten häufig von akuten Konjunktursorgen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
16.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente kommt: Bundestag beschließt 10 Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...