Deutschland

Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion auf, die viele schon vergessen hatten.
05.12.2019 18:00
Lesezeit: 2 min
Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie
Das geothermische Potenzial des Bodensees ist gewaltig: Das Gewässer könnte die Hälfte des Energiebedarfes von Baden-Württemberg decken, glauben Experten. (Foto: dpa) Foto: Thomas Warnack

Deutschland hat derzeit massive Probleme, die Klimaziele zu erreichen. Die Erzeugung von Energie aus der umweltfreundlichen Windenergie befindet sich derzeit in der Krise, weil hohe Umweltauflagen und Klagen von Anwohnern die Windpark-Entwickler lahmlegen.

Jetzt befindet sich auf einmal wieder eine andere Energiequelle in der Diskussion, die in der jüngsten Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten war: Es geht um Seen als Wärmespeicher, die Experten zufolge in ihren Tiefen über ein großes Energiepotenzial verfügen.

Deswegen setzen sich nun der Bundesverband Geothermie und noch drei weitere Energieverbände für eine stärkere Nutzung von Tiefengeothermie ein und fordern von der Bundesregierung einen „Masterplan Geothermie“ – also ein klares strategisches Konzept, wie man diese Energieerzeugung entwickeln kann.

„Zur Erreichung der Klimaziele müssen wir an die Wärme ran, die sowieso schon da ist“, plädierte Erwin Knapek, Präsident des BVG. „Denn es ist nicht sinnvoll, etwas Fossiles zu verbrennen, wenn ich heißes Wasser unter meinen Füßen habe“, so der Präsident. „Die Niederlande haben ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht, das den Vorgang beschleunigen soll, in Deutschland haben wir eher ein Erdgasimportbeschleunigungsgesetz", so Knapek. Es sei „ein Ärgernis“, dass Erdgas immer noch in diesem Maße Unterstützung findet, die Erzeugung durch Geothermie hingegen kaum.

Deutschland nutzt nur ein Prozent des Potenzials

Hintergrund: Das Potenzial für diese Form der Energieerzeugung ist zwar hoch, wird aber bisher nur sehr wenig genutzt. Wissenschaftler beziffern das technische Volumen für Tiefengeothermie in Deutschland auf rund 100 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Derzeit gibt es aber nur 37 Geothermie-Anlagen, die pro Jahr 1,2 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugen. Das bedeutet, das nur etwas mehr als ein Prozent des Potenzials nur genutzt wird.

Ein besonders interessantes Gewässer, das Deutschland geothermisch nutzen könnte, ist der Bodensee. Die Idee für ein solches Projekt macht schon seit Jahren in den deutschen Zeitungen die Runde und kommt jetzt wieder hoch. So berichtet die Lokalzeitung „Südkurier“, dass der See die Hälfte des Energiebedarfs der elf Millionen Einwohner von Baden-Württemberg decken könnte. Technisch würde das Ganze folgendermaßen: Mit besonderen Pumpen holt man aus 20 bis 40 Meter Tiefe des Sees Wärme, die der Bodensee dort gespeichert hat.

Ökologische Risiko der Technologie lässt sich grundsätzlich kalkulieren

Die Temperaturen liegen hier immer zwischen vier und zehn Grad – unabhängig von der Jahreszeit. Sie sind keinen größeren Schwankungen unterworfen. Im Sommer lässt sich die Energie zum Kühlen nutzen und im Winter bei sehr tiefen Temperaturen zum Heizen. Grundsätzlich ist die Technologie zwar sehr umweltschonend, doch wird damit das Ökosystem des Gewässers belastet. Denn im Winter kühlt sich der See durch den Wärmeentzug noch weiter ab. Und im Sommer heizt er sich immer weiter auf.

Immerhin ist das ökologische Risiko kalkulierbar: Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Abkühlung um 0,5 Grad Celsius und eine Erwärmung um 0,2 Grad Celsius keinen nachhaltigen Schaden für das Ökosystem anrichtet. So könnte diese Form der Energiegewinnung durchaus einen wichtigen Beitrag leisten, damit Deutschland doch die Klimaziele noch erreicht. So stellte auch Knapek, Präsident des BVG, richtig fest: „Wir haben noch viel Spielraum nach oben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Amazon streicht weltweit 16.000 Arbeitsplätze
28.01.2026

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon baut erneut Tausende Stellen ab. Was hinter den Entlassungen steckt und wie der Konzern auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunkturausblick für Deutschland: Bundesregierung reduziert Wachstumsprognose
28.01.2026

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose und passt den wirtschaftspolitischen Kurs an. Welche Folgen hat der Beschluss für...

DWN
Finanzen
Finanzen Gehaltsverhandlung: Tipps für mehr Gehalt in schwierigen Zeiten – der 7-Punkte-Plan zur Gehaltserhöhung
28.01.2026

Inflation, Unsicherheit, Sparkurs: Viele Beschäftigte zögern mit der Gehaltsverhandlung. Doch gerade jetzt kann der richtige Ansatz den...