Wirtschaft

Große Metropolen: Zentren der Macht oder Stätten des Elends?

Die Urbanisierung der Welt ist längst zu einem globalen Phänomen geworden. Sicherlich bringen diese Umwälzungen auch Probleme und Konflikte mit sich – selbst in Deutschland, das im globalen Vergleich eigentlich nur kleinere Städte hat. Doch dank der weiter anhaltenden technologischen Fortschritte gibt es für viele dieser Probleme bereits Lösungen. Kein Grund zur Sorge also?
Autor
01.01.2020 13:17
Lesezeit: 3 min

Die Urbanisierung und das damit verbundene Bevölkerungswachstum hatten von Anfang an ihre Warner. Thomas Malthus (1766-1834) war einer der ersten. Er zeigte, dass exponentielles Bevölkerungswachstum verbunden mit einem linearen Wachstum der verfügbaren Ressourcen notwendig in eine demographische Katastrophe führt.

Malthus hat mit seinen pessimistischen Prognosen viel Spott geerntet, da diese nicht eintraten. Doch dass sie auch 200 Jahre später noch immer nicht eingetreten sind, heißt weder, dass sie unlogisch sind, noch dass sie nicht künftig doch noch eintreten werden. Denn die von Malthus prognostizierte Katastrophe ist nur deshalb ausgeblieben, weil bisher die landwirtschaftlichen Erträge infolge technologischer Fortschritte in der Regel mit der wachsenden Bevölkerung mithalten konnten.

Einer dieser Fortschritte, welche die weltweite Bevölkerungsexplosion ermöglicht haben, ist die vielseitige Nutzung der fossilen Brennstoffe. Erdöl etwa wird nicht nur zu Treibstoff weiterverarbeitet, sondern dient auch in der Industrie als Grundlage unzähliger Produkte von Plastik über Pestizide bis zu Farben, Klebstoffen und Kleidung. Und wie einst Malthus vor der Endlichkeit der landwirtschaftlichen Erträge warnte, so warnen die Pessimisten nun schon seit einigen Jahrzehnten vor „Peak Oil“ und vor dem Ende der Ölvorkommen.

Andere Warnungen betreffen den Rückgang der weltweiten Intelligenz. Der Hollywood-Film „Idiocracy“ aus dem Jahr 2006 ist eine Komödie, doch seine Handlung hat durchaus auch einen wahren Kern. In dem Film bekommen intelligente Menschen kaum noch Kinder, weniger intelligente Menschen hingegen sehr viele. Über die Jahrhunderte führt das dazu, dass die Menschheit sehr dumm wird – so dumm, dass sie Sodawasser als Pflanzendünger verwendet und die darauf folgende Dürre ihr Überleben bedroht.

Von den Folgen der Industrialisierung, die der Film „Idiocracy“ für die USA als Ausgangspunkt nimmt, ist heute die ganze Welt betroffen. Es ist daher durchaus eine ernste Frage, ob eine weniger intelligente Menschheit all die von den Vorfahren geerbten Technologien, die sie selbst zu erfinden nicht mehr in der Lage wäre, zumindest wird aufrechterhalten können. Der Optimist verspricht sich Abhilfe gegen den globalen Rückgang der Intelligenz durch den technologischen Fortschritt – wie bei allen anderen schon genannten Problemen, in diesem Fall konkret durch die Gentechnik.

Neben all diesen mehr oder weniger theoretischen Diskussionen gibt es im Hinblick auf den Aufstieg und Fall einer ausgeprägten urbanen Kultur auch ein warnendes historisches Vorbild. Die Stadt Rom wuchs als Hauptstadt des Römischen Reiches zu einer Millionenstadt heran, bevor sie in der Folge des Zusammenbruchs der römischen Zivilisation den größten Teil ihrer Bevölkerung verlor. Nach den Kriegen gegen die Goten im 6. Jahrhundert hatte Rom Schätzungen zufolge nur noch ein paar zehntausend Einwohner.

In den folgenden Jahrhunderten verfielen die meisten Gebäude, darunter auch die Aquädukte, welche die Stadt mit Wasser versorgt hatten. Zwar blieb Rom ein Ziel für christliche Pilgerer, welche dort die vielen Kirchen und Gräber besuchten, die weiter instand gehalten wurden, sodass die Stadt nie ganz leer war. Doch erst mit dem Beginn der Renaissance wuchs Rom wieder, und die die antiken Ruinen wurden als Baumaterial geplündert.Was immer die Ursache für den Niedergang Roms war – die Theorien reichen von Dekadenz über zu hohe Steuern, Geldentwertung durch Beimischung minderwertiger Metalle in die Münzen, die massenhafte Zuwanderung germanischer und anderer fremder Kulturen bis zur Emanzipation der römischen Frauen und der Abkehr von der heidnischen Religion. Die Urbanisierung in Rom ist nicht nur einfach unterbrochen, sondern auf katastrophale Weise umgekehrt worden. Die urbane zivilisierte Lebensweise mit all ihren Vorzügen ist eine zarte Pflanze, die gehegt werden muss, wenn sie uns erhalten bleiben soll.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Spleenlab: Wie ein Thüringer Startup seine Drohnensoftware in die Ukraine brachte
08.05.2026

Garage in Ostthüringen, vier Millionen Euro Landesförderung, Software im Kriegsgebiet: Spleenlab hat in sieben Jahren den Aufstieg vom...

DWN
Politik
Politik Eskalationsspirale trotz Waffenruhe: USA und Iran liefern sich Gefechte in der Straße von Hormus
08.05.2026

Die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran steht kurz vor dem Kollaps. Nach Attacken auf US-Zerstörer reagiert das US-Militär...

DWN
Politik
Politik Regieren im Krisenmodus: Die Pannenserie der schwarz-roten Koalition reißt nicht ab
08.05.2026

Vom holprigen Start bei der Kanzlerwahl bis zum aktuellen Veto der Länderkammer: Die Bundesregierung unter Kanzler Merz kämpft mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Strengere Regeln für "Buy Now, Pay Later": Bundesrat besiegelt Reform des Kreditrechts
08.05.2026

Verbraucherschutz im Fokus: Die Länderkammer hat schärferen Vorschriften für Kredite zugestimmt. Insbesondere für Kleinstdarlehen und...

DWN
Politik
Politik Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Ohne Zuwanderung droht der Kollaps in der Pflege
08.05.2026

Der deutsche Pflegesektor wächst – aber fast nur noch durch Fachkräfte aus dem Ausland. Mittlerweile besitzt jeder fünfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestandort Deutschland unter Druck: Produktionsrückgang trotz Auftragsplus
08.05.2026

Die deutsche Industrie findet nicht aus der Krise: Entgegen der Prognosen von Experten sank die Fertigung im März erneut. Während die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handelsstreit eskaliert: Trump droht EU mit 25-Prozent-Zöllen auf Fahrzeuge
08.05.2026

Die transatlantischen Handelsbeziehungen hängen am seidenen Faden: US-Präsident Donald Trump hat überraschend eine drastische Erhöhung...

DWN
Finanzen
Finanzen Eine Million reicht nicht für finanzielle Freiheit: Warum Millionäre nicht frei sind
08.05.2026

Viele träumen vom sorgenfreien Leben mit einem Millionenvermögen – doch das ist oft nur eine Illusion. Zwei erfahrene Investoren...