Politik

Die Berliner Libyen-Konferenz: Zu viele Köche verderben den Brei

Die von der Bundesregierung ausgerufene Libyen-Konferenz in Berlin hat einen Friedensplan hervorgebracht. Doch ob sich dieser jemals materialisiert, steht in den Sternen. Ein Kommentar von DWN-Gastautor Haitham Aiash.
20.01.2020 16:30
Lesezeit: 2 min

Vor genau einer Woche, am Montag, den 13. Januar, trafen sich der libysche Söldner-General Khalifa Haftar und der libysche Premierminister Fayez al-Sarraj auf Einladung von Wladimir Putin in Moskau, um ein Friedensabkommen zu unterzeichnen. Die Konferenz schlug jedoch fehl, es kam zu keiner Einigung.

Mitte der Woche dann reiste Außenminister Heiko Maas (SPD) zu einem Blitzbesuch nach Libyen, wo er sich in Bengasi im Norden des Landes mit General Haftar traf. Kurz danach verkündete Maas, die Gespräche seien von Erfolg gekrönt gewesen. Und tatsächlich: Der von Russland und Frankreich unterstütze Haftar, der die libysche Hauptstadt Tripolis einnehmen und damit die international anerkannte nationale Regierung unter der Führung von Fayez al-Sarraj beseitigen möchte, nahm am gestrigen Sonntag an der Berliner Libyen-Konferenz teil. Genauso wie al-Sarraj, der auf Einladung der Bundesregierung ebenfalls in die deutsche Hauptstadt gekommen war. Die Gespräche waren von Erfolg gekrönt: Es wurde ein Waffenstillstand, ein Friedensplan (kein Friedensvertrag) ausgearbeitet, den beide Seite unterzeichneten.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Krieg in Libyen beendet ist. Es gibt mehrere Faktoren, die zum Scheitern des Friedensplans führen könnten.

  • Tatsache ist, dass Haftar von Russland in hohem Maß abhängig ist. Und dass ein anderer Akteur – in diesem Falle Deutschland – Einfluss auf die Ereignisse in Libyen gewinnt, will Moskau selbstverständlich verhindern.Die Erfahrung zeigt, dass Wladimir Putin auf keinen Fall mit Akteuren wie Deutschland, Frankreich, der EU und der Türkei zusammenarbeiten will, um die Kriege in Libyen, Syrien und der Ukraine zu beenden. Der russische Präsident verstößt dabei gegen jede Vereinbarung zwischen seinem Land und den eben genannten Akteuren. Es ist daher sehr gut möglich, dass Putin Druck auf Haftar ausüben wird, damit dieser die Kämpfe wieder aufflammen lässt.
  • Sowohl Abu Dhabi in Person des Kronprinzen Mohammed bin Zayed Al Nahyan als auch der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi üben Druck auf Haftar aus, wollen einen Waffenstillstand auf jeden Fall verhindern. Der Grund: Die derzeitige Regierung in Tripolis ist ein Produkt des „Arabischen Frühlings“. Bin Zayed und al-Sisi sind jedoch erklärte Gegner dieser Protest-Bewegung, fürchten um das Fortbestehen ihrer autokratischen Herrschaft beziehungsweise Militärregierung. Sie wollen daher unbedingt, dass Haftar seinen Widersacher al-Sarraj von der Macht verdrängt.
  • Die Frage ist, wie Griechenland sich positioniert. Athen lehnt das Gasabkommen zwischen der Türkei und der libyschen Regierung vehement ab, weil es die Vorkommen im Mittelmeer selbst ausbeuten will. Es ist daher absolut vorstellbar, dass die Griechen schon bald damit beginnen werden, Haftar massiv zu unterstützen – was der General zum Anlass nehmen könnte, vom Friedensvertrag zurückzutreten und die Kämpfe wieder aufzunehmen.

Fazit: Papier ist geduldig – ob der Waffenstillstand lange hält, steht noch lange nicht fest.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Persischer Golf unter Spannung: Waffenruhe gerät zunehmend ins Wanken
28.05.2026

Trotz laufender Gespräche über ein mögliches Kriegsende zwischen den USA und dem Iran wächst nach neuen Angriffen am Persischen Golf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Geld für den Aufsichtsrat: Deutsche Bank verteidigt Gehaltserhöhungen
28.05.2026

Bei der ersten Präsenz-Hauptversammlung seit 2019 sieht sich die Deutsche Bank mit Protesten und scharfer Kritik von Aktionärsvertretern...

DWN
Politik
Politik EU stoppt Debatte um Russland-Gesandten – Frieden bleibt vorerst außer Reichweite
28.05.2026

Die Europäische Union will vorerst keinen Sondergesandten für mögliche Gespräche mit Russland benennen. Bei einem informellen Treffen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verhängt 200-Millionen-Strafe gegen Onlinehändler Temu
28.05.2026

Temu lockt Millionen Kunden mit Billigpreisen - nun greift die EU hart durch. Brüssel wirft der China-Plattform schwere Verstöße gegen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise als Standortkiller: Droht Europa die Deindustrialisierung?
28.05.2026

Die Energiekrise spitzt sich weiter zu – angetrieben durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, die einen erheblichen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Reallöhne: Etwas mehr Kaufkraft trotz Krisenangst
28.05.2026

Die Inflation verliert an Schrecken, Millionen Beschäftigte haben wieder mehr Geld im Portemonnaie. Kriege und Krisen könnten den...

DWN
Politik
Politik Drohnenkrieg: "Plötzlich fühlt sich Moskau wie Kiew an!"
28.05.2026

Der Drohnenkrieg erreicht Moskau und trifft Russland an einem politisch heiklen Punkt. Die Ukraine demonstriert, dass selbst die am besten...

DWN
Technologie
Technologie Elektro-Auto-Boom überrascht Deutschland
28.05.2026

Benzinpreise steigen, Förderungen greifen: Immer mehr Deutsche wechseln plötzlich zum E-Auto. Besonders junge Fahrer treiben den...