Politik

Syrien: Die Waffenruhe in Idlib ist offen für Provokationen

Die Waffenruhe in der syrischen Provinz, die zwischen der Türkei und Russland vereinbart wurde, hält. Allerdings ist sie einem türkischen General zufolge nur unter bestimmten Bedingungen erfolgversprechend.
11.03.2020 14:00
Lesezeit: 2 min
Syrien: Die Waffenruhe in Idlib ist offen für Provokationen
Entlang der Autobahn M4 sollen türkisch-russische Patrouillen stattfinden. (Grafik: Syria Live Map/DWN)

Der türkische General a.D. Engin Alan hat sich zur Lage in der syrischen Provinz geäußert. Alan zufolge gibt es eine Reihe von “Fallen” in der Region, die von internen und externen Akteuren ausgespielt werden können. Dabei gibt zwei Szenarien.

Dem ersten Szenario zufolge könnten die pro-iranischen Milizen und weitere bewaffnete Verbände die türkischen Beobachterposten, die sich im Gebiet von Assads Syrischer Arabischen Armee (SAA) befinden, durch Attacken provozieren.

Das zweite Szenario: Die türkischen Streitkräfte (TSK) und die Syrische Nationale Armee (SNA) der Assad-Gegner seien zwar bereit, sich an die am 5. März 2020 vereinbarte Waffenruhe zu halten, doch die extremistische Söldner-Truppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS) und ihre Verbündeten könnten provokative Attacken auf die türkisch-russischen Patrouillen oder pro-syrische Milizen durchführen. Gemäß der türkisch-russischen Vereinbarung vom 5. März 2020 soll auf beiden Seiten der Autobahn M4 ein Sicherheitskorridor von jeweils sechs Kilometer entstehen. In diesem Korridor sollen die Patrouillen stattfinden. Die Patrouillen sollen am 15. März 2020 beginnen.

Sollte eines der beiden Szenarien auftreten, würde dies einen Rückschlag für die Waffenruhe nach sich ziehen. Denn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe in Moskau deutlich gesagt, dass jeder Angriff auf die TSK in Idlib beantwortet werden wird. Auf der anderen Seite werden die Russen auf jeden Angriff auf ihre Verbände reagieren. In beiden Fällen könnte die Region in eine Phase eintreten, die militärisch beispiellose Folgen hätte. Davon könnte Alan zufolge vor allem die PKK/YPG östlich des Euphrats profitieren. “Was aus unserer Sicht noch schlechter wäre, wäre der Beginn einer neuen Flüchtlings-Welle. Wenn wir uns die Heuchelei der Europäer in dieser Frage vergegenwärtigen, müsste die Türkei die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten alleine tragen (...) Die Garantiemächte der Waffenruhe sind die Türkei und Russland. Der Erfolg der Waffenruhe hängt direkt von der Kommunikation, Zusammenarbeit und Koordination zwischen diesen beiden Ländern ab”, so Alan.

Aus diesem Grund müssen, so Alan, zwei militärische Zentren errichtet werden, wo sich russische und türkische Diplomaten, Nachrichtendienst-Mitarbeiter und Militärs befinden, die die Lage vor Ort genau beobachten und sich austauschen. “Diese Zentren müssen sich 24 Stunden im Austausch befinden”, zitiert die Zeitung Sözcü den General.

Wenn die Waffenruhe gebrochen werden sollte, müssen beide Zentren sofort in Kontakt treten, um die Waffenruhe zu garantieren. Ankara und Moskau seien sofort über die Lage zu informieren.

Allerdings hänge die Einhaltung der Waffenruhe in Idlib nicht nur von Russland und der Türkei, sondern vor allem auch vom “guten Willen” externer und interner Akteure ab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

DWN
Politik
Politik Ausreisegenehmigungen für Männer im wehrfähigen Alter rechtswidrig? Verteidigungsministerium räumt Fehler ein
01.06.2026

Erst wird sie übersehen, dann eilig wieder ausgesetzt: Eine Regel zu Ausreisegenehmigungen für Männer im wehrfähigen Alter. Minister...

DWN
Politik
Politik EU-Schulden werden zur Kostenfalle für Deutschland
01.06.2026

Europa will mehr Rüstung, sichere Energie, starke Industrie und stabile Renten. Doch der IWF warnt, dass diese Rechnung kaum aufgeht,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Flugkraftstoff gerettet, Urlaub nicht. Europas Airlines sparen weiter
01.06.2026

Erst drohten Flugausfälle, leere Tanks und ein chaotischer Sommer über Europas Flughäfen. Nun scheint der akute Mangel an Flugkraftstoff...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
01.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Automobilchef: Mehrere europäische Automarken werden aussterben
01.06.2026

Jahrzehntelang lernten chinesische Hersteller von deutschen Autobauern. Nun reisen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW nach China, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
01.06.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Politik
Politik Vorteil für Migranten bei Behördenjobs: Ist das Partizipationsgesetz verfassungswidrig?
01.06.2026

In Berlin ist die öffentliche Verwaltung bunt: Vielfalt, Teilhabe, Chancengleichheit für Menschen mit Migrationsgeschichte. Diese Praxis...

DWN
Politik
Politik Rentenversicherung: 20 Prozent Rentenbeitrag im Jahr 2029?
01.06.2026

Die Beiträge für die Rente sollen steigen - nach neuen Prognosen sogar noch etwas stärker als bisher gedacht. Doch es könnte auch alles...