Deutschland

Inflationsangst: Deutsche suchen Rettung in Aktien, Gold und Bitcoin

Wegen der starken Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind viele Deutsche verunsichert - oder sie wittern eine Chance, zu niedrigen Preisen in verschiedene Geldanlagen einzusteigen.
24.03.2020 10:00
Lesezeit: 2 min
Inflationsangst: Deutsche suchen Rettung in Aktien, Gold und Bitcoin
Das Interesse deutscher Kleinanleger am Aktienkauf ist in der letzten Woche extrem angestiegen. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Auf den globalen Finanzmärkten zeigten sich in der letzten Woche extreme Turbulenzen. So verzeichnete etwa der US-Aktienindex Dow Jones mit einem Minus von über 17 Prozent seine schlimmste Woche seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. Zugleich kaufte die US-Notenbank in der vergangenen Woche Wertpapiere im Umfang von mehr als 300 Milliarden Dollar - deutlich mehr als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Und nun wird sie sogar Unternehmensanleihen kaufen.

Im Januar hatte der Umgang Chinas mit dem Coronavirus zunächst nur wirtschaftliche Einschnitte in dem Land selbst sowie wachsende Auswirkungen auf die globalen Lieferketten zur Folge. Doch inzwischen haben die meisten Staaten der Welt umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die zwar die Ausbreitung des Virus nicht verhindern konnten, die aber große Teile der Weltwirtschaft lahmgelegt haben und voraussichtlich eine globale Rezession auslösen werden.

Entsprechend groß sind auch die Sorgen der deutschen Kleinanleger. Denn nicht nur die Kurse der meisten Aktien haben in den letzten Wochen stark Verluste verzeichnet, sondern auch Geldanlagen wie Gold und noch viel stärker Bitcoin. Der Dax hat seit Jahresbeginn etwa ein Drittel eingebüßt. Der Goldpreis (in Euro) liegt zwar noch leicht höher als zu Jahresbeginn, hat aber im Februar bereits deutlich höher gelegen. Und der stark schwankende Bitcoin-Kurs hat seit Jahresbeginn rund 10 Prozent verloren.

Vor diesem Hintergrund zeigt Google Trends für die vergangene Woche in Deutschland einen überaus starken Anstieg der Suchanfragen nach "Aktien kaufen", "Gold kaufen" und "Bitcoin kaufen". Die Zahl der Menschen hierzulande, die nach "Aktien kaufen" suchten, lag in der vergangenen Woche etwa zehnmal so hoch, wie es im Verlauf der letzten zwölf Monate sonst der Fall gewesen war. Das Interesse an Gold und Bitcoin hat sich den Daten zufolge etwa verfünffacht.

Unklar ist, was wirklich hinter dem verstärkten Interesse der Deutschen an Aktien, Gold und Bitcoin steckt. Zum einen könnte es sein, dass die deutschen Kleinanleger zu niedrigen Preisen in diese drei Geldanlagen einsteigen wollen, weil die Kurse an den Börsen zuletzt so stark gefallen sind. Offensichtlich sind aber niedrige Preise allein kein ausreichender Grund für eine Investition. Denn die Preise könnten auch noch weiter fallen.

Zum anderen könnte es sein, dass die deutschen Kleinanleger wegen der extremen monetären und fiskalischen Eingriffe durch die Europäische Zentralbank beziehungsweise durch die Bundesregierung für die Zukunft eine starke Inflation erwarten. Und eine weitere Möglichkeit besteht auch darin, dass die Kleinanleger wegen der schwachen Kapitalisierungen der Banken auch hierzulande Kapitalkontrollen und Bail-ins befürchten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...