Wirtschaft

Arbeitsmarkt ohne Erholung im Juni: Warten auf den Aufschwung

Die erhoffte Belebung des Arbeitsmarkts bleibt auch im Sommer aus: Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nur minimal um 5.000 gesunken – auf insgesamt 2,914 Millionen. Das sind 188.000 mehr als im Vorjahresmonat, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Arbeitslosenquote stagniert bei 6,2 Prozent.
01.07.2025 11:40
Lesezeit: 2 min

Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur lehnt sich mit einer Prognose aus dem Fenster, die nur wenige freuen dürfte: „Ich rechne nicht vor Sommer nächsten Jahres, eher Herbst, damit“, sagte Andrea Nahles in Nürnberg bei der Vorstellung der ernüchternden Juni-Statistik für den deutschen Arbeitsmarkt.

Verbesserung mit Verzögerung

Selbst wenn ein Wirtschaftsaufschwung früher komme, würden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt erst mit einiger Verzögerung spürbar werden. Dass es zu einer Verbesserung kommt, das glaubt die frühere Bundesarbeitsministerin sehr wohl. Die Maßnahmen der Bundesregierung, von Steuerentlastungen bis zur Stützung der Strompreise, dürften Wirkung zeigen, sagt sie. Voraussetzung sei aber, dass die internationalen Spannungen nicht zu einer Sperrung der Straße von Hormus führen, was zu Druck auf die Weltwirtschaft führen würde.

Im Juni zeigte sich der Arbeitsmarkt nicht in guter Verfassung. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nur leicht um 5.000 auf 2,914 Millionen Menschen gesunken. Das sind 188.000 mehr als im Juni 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum Mai unverändert bei 6,2 Prozent. Im Vergleich zum Juni 2024 ist sie um 0,4 Prozentpunkte höher. Die Bundesagentur hat für die Juni-Statistik Datenmaterial herangezogen, die bis zum 12. Juni vorlag.

Drei Millionen im Sommer

Arbeitsmarktforscher gehen davon aus, dass in diesem Sommer die Marke von drei Millionen Arbeitslosen überschritten wird. Normalerweise sinkt die Zahl im Juni saisonbedingt deutlich, bevor es in der Sommerpause zu steigenden Arbeitslosenzahlen kommt. Die Bundesagentur müsse sich nun auf ihre Kernaufgabe konzentrieren, forderte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger: „Vermitteln, vermitteln, vermitteln.“ Dies würde zu weniger Arbeitslosengeld und so auch zu stabilen Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung beitragen.

„Am Arbeitsmarkt zeigen sich weiter die Spuren der konjunkturellen Schwäche. Die Arbeitslosigkeit entwickelt sich weiter ungünstig“, sagte BA-Chefin Nahles. „Und die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen bleibt gering“, fügte sie hinzu. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wachse praktisch nicht mehr.

Das Jobportal „Indeed“ meldete, die Zahl der offenen Stellen sei auf den Stand von vor vier Jahren zurückgegangen. Das bedeutet im Juni ein Minus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Mai. Die Stimmung in der Wirtschaft bessere sich langsam, doch lasse sich dies am Stellenmarkt noch nicht ablesen.

Weniger offene Stellen

Bei der Bundesagentur waren im Juni 632.000 offene Stellen gemeldet. Das sind 69.000 weniger als noch vor einem Jahr und eine Viertelmillion weniger als noch 2022. Es sei derzeit für arbeitslose Menschen sehr schwer, einen neuen Job zu finden. „So gering waren ihre Chancen auf einen neuen Job nicht einmal während der Corona-Pandemie“, sagte Nahles.

Dennoch bleibt auch das seit Jahren bekannte Paradoxon des Arbeitsmarktes bestehen: Fachkräfte sind in vielen Berufen weiterhin rar. Nahles sieht vor allem bei Frauen in Teilzeit noch Möglichkeiten. „Wir sind der Meinung, dass hier ein großes Potenzial schlummert“, sagte sie. Die deutschen Frauen seien bei der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Europa auf dem vorletzten Rang - nur die Niederlande schnitten noch ungünstiger ab.

Weniger Lehrstellen

Der Lehrstellenmarkt für das neue Ausbildungsjahr ist weiterhin stark in Bewegung. Seit Oktober 2024 hätten sich bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern 396.000 Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet, 13.000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Dem stehen 455.000 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, 25.000 weniger als im Vorjahr. „Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass möglichst alle jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, einen solchen bekommen“, sagte die Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Leonie Gebers.

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