Finanzen

Großbank ABN Amro zwingt Kunden, ihr Gold billig zu verkaufen

Der Goldmarkt gerät aus allen Fugen. ABN Amro zwingt nun sogar die eigenen Kunden, ihr bei der Großbank eingelagertes Gold innerhalb weniger Tage zu verkaufen - zu viel zu niedrigen Preisen.
27.03.2020 14:00
Aktualisiert: 27.03.2020 14:07
Lesezeit: 2 min
Großbank ABN Amro zwingt Kunden, ihr Gold billig zu verkaufen
Die Rückseite einer Krügerrand-Goldmünze vor 100-Gramm-Goldbarren. (Foto: dpa) Foto: Armin Weigel

Vor sieben Jahren änderte die niederländische Großbank ABN Amro ihre Bestimmungen für die Verwahrung von Edelmetallen. Dabei wurde den Bankkunden die Lieferung ihres bei der Bank gelagerten physischen Goldes erheblich erschwert, wie damals ein Sprecher der Bank gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten einräumte.

Statt des physischen Goldes, Silbers, Platins oder Palladiums konnten sich die Kunden seit dem 1. April 2013 in der Regel nur noch den aktuellen Marktwert ihres Goldes auszahlen lassen, nicht jedoch Barren und Münzen, wie es zuvor der Fall gewesen war. Hintergrund der Änderung war, dass ABN Amro in der Folge mit UBS einen externen Anbieter für die Goldlagerung nutzte.

Nun hat ABN Amro erneut eine schlechte Nachricht für seine Kunden, die nun künftig überhaupt nicht mehr in der Lage sein werden, ihr Geld bei der niederländischen Großbank in physisches Gold, Silber oder Platin zu investieren. Die entsprechende Dienstleistung wird am kommenden Freitag, den 1. April eingestellt.

Aus diesem Grund müssen nun die Bankkunden ihre Positionen noch vor dem 1. April verkaufen. Sollten die Kunden den Verkauf nicht selbst ausführen, wird ABN Amro dies für sie "zum geltenden Preis" tun. Der Grund für diese Entscheidung ist offenbar eine neue EU-Regulierung, wie Trouw.nl berichtet.

Demnach führt die Tatsache, dass eine physische Lieferung von Edelmetallen bei ABN Amro nicht möglich ist, dazu, dass das bei der Großbank gekaufte Edelmetall nicht mehr als "Direktinvestition" gilt. Da es sich um ein komplexes Produkt handelt, muss ABN Amro zusätzliche Regulierungen für die europäischen Finanzmärkte einhalten, welche zuletzt wurden verschärft.

Die Kunden, die nun ihre Edelmetalle "zum geltenden Preis" verkaufen müssen, drohen dabei allerdings über den Tisch gezogen zu werden. Denn infolge der extremen Marktturbulenzen der letzten Tage und Wochen ist der globale Goldmarkt vollkommen aus den Fugen geraten. Derzeit ist der Gold-Spotpreis deutlich niedriger als die Terminpreise an den Rohstoffbörsen.

Und noch schlimmer ist, dass Goldmünzen und Goldbarren für Kleinanleger wenn überhaupt nur noch zu massiven Aufpreisen verfügbar sind. Das heißt, wenn die Kunden von ABN Amro ihre bei der Bank gelagerten Edelmetalle verkaufen, können sie ihr Gold, Silber, Platin und Palladium in der Folge wenn überhaupt nur zu deutlich höheren Preisen wieder nachkaufen.

Zudem dürften sich die Lieferengpässe in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter verschlimmern. Denn nicht nur haben drei großen Schweizer Goldraffinerien die Produktion ausgesetzt, da die dortigen Behörden die Schließung nicht wichtiger Industriezweige angeordnet hatten, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Hinzu kommt, dass Südafrika ab Donnerstag mit Ausnahme einiger Kohlebergwerke den gesamten Minensektor geschlossen hat - also auch die wichtigen Goldminen des Landes, wie Bloomberg berichtet. Betroffen sind wichtige Produzenten wie Harmony Gold Mining, Sibanye Stillwater und Anglo American.

Die Lieferengpässe auf dem deutschen Markt halten unterdessen an. Zwar haben einige Goldhändler noch Ware auf Lager, allerdings ist das Angebot begrenzt und die Preise sind mit starken Aufschlägen versehen. So kostet etwa eine Krügerrand-Goldunze am Freitagnachmittag beim günstigsten Anbieter 1.670 Euro und somit deutlich mehr als der Spotpreis von nur 1.474 Euro.

Wer bereit ist, diese massiven Aufpreise zu zahlen, der muss zudem lange Wartezeiten hinnehmen, bis er das Gold tatsächlich in Empfang nehmen kann. Vielen Kunden bleibt derzeit nichts anderes übrig, als ihr gekauftes Gold und Silber beim Händler einzulagern. Dieser Service wird von den meisten Goldhändler derzeit kostenlos angeboten.

Der Händler Pro Aurum musste am Freitagvormittag erneut dicht machen. Dort heißt es: "Wir werden künftig lediglich 500 Orders pro Tag in unserem Online-Shop zulassen. Diese Anzahl wurde am [Freitag] 27. März um 11.40 Uhr erreicht, deswegen wurde anschließend der Shop geschlossen. Er öffnet wieder am [Montag] 30. März um 8 Uhr. Wir bitten unsere Kunden um Verständnis für diese Maßnahme."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 04: Die wichtigsten Analysen der Woche
25.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 04 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie im Fokus: Roboter von Elon Musk verschlingen Millionen Tonnen Kupfer
25.01.2026

Tesla wird an der Börse nicht für heutige Verkaufszahlen bezahlt, sondern für eine Zukunft aus Robotaxis und humanoiden Robotern. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BDI besorgt: Wirtschaftsstandort Deutschland im freien Fall – droht der große Kollaps?
25.01.2026

Die industrielle Basis Deutschlands erodiert – langsam, aber unübersehbar. Der BDI warnt in ungewöhnlich scharfen Worten vor einem...

DWN
Politik
Politik Cybersicherheit in Europa: EU baut mit GCVE eigene Sicherheitsdatenbank auf
25.01.2026

Die Europäische Union baut mit GCVE ihre digitale Sicherheitsarchitektur gezielt aus und setzt verstärkt auf eigene technische...

DWN
Finanzen
Finanzen Bürotemperatur: Wie kalt darf es bei der Arbeit sein?
25.01.2026

Kalte Hände, steife Schultern und die Konzentration sinkt: Wenn die Bürotemperatur zu niedrig ist, wird Arbeit schnell zur Belastung....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetzausbau unter Druck: Netzengpässe gefährden die Energiewende
25.01.2026

Europas Energiewende stößt zunehmend auf infrastrukturelle und regulatorische Grenzen. Entwickelt sich daraus ein Engpass, der...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk: KI nächstes Jahr smarter als Menschen – Strommangel größtes Problem
25.01.2026

Künstliche Intelligenz könnte bereits in diesem Jahr intelligenter sein als der Mensch. Das sagt Tesla-Chef Elon Musk. Gleichzeitig warnt...

DWN
Panorama
Panorama Warren Buffet plant den Nachlass: Warum er 99 Prozent seines Vermögens nicht vererbt
25.01.2026

Warren Buffett setzt bei seinem Nachlass bewusst auf Verantwortung statt Vermögenssicherung. Was sagt dieses Verständnis von Reichtum...