Finanzen

BlackRock verwaltet deutsche Vermögen und wettet gleichzeitig gegen sie

Lesezeit: 3 min
30.03.2020 16:21  Aktualisiert: 30.03.2020 16:21
Der weltgrößte Vermögensverwalter sahnt gleich mehrfach ab. Aktien, die ihm zur Geldanlage anvertraut werden, verleiht er teilweise an sich selbst, um auf sinkende Kurse zu wetten. Darüber hinaus darf er die von der US-Zentralbank erschaffenen Billionen zur Rettung des Finanzsystems verwalten.
BlackRock verwaltet deutsche Vermögen und wettet gleichzeitig gegen sie
BlackRock-CEO Larry Fink. (Foto: dpa)
Foto: Laurent Gillieron

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der weltgrößte Vermögensverwaltungskonzern BlackRock macht mit den ihm in Deutschland anvertrauten Aktien offenbar gleich in mehrfacher Hinsicht gute Geschäfte. Während er seinen Kunden – in den meisten Fällen sind dies institutionelle Anleger wie Lebensversicherungen – Gebühren für die Anlage ihrer Aktien in Rechnung stellt, verleiht er diese Aktien im Zuge von Short-Wetten auch an Spekulanten und wettet teilweise sogar selbst auf einen Kursverfall der ihm zur Anlage anvertrauten Papiere.

Bei Short-Wetten beziehungsweise gedeckten Leerverkäufen leihen sich Spekulanten von Brokern Aktien unter der Bedingung, diese zu einem vorbestimmten Zeitraum in der Zukunft wieder zu verkaufen. Die erhaltenen Aktien werden sodann sofort verkauft und der Verkaufsgewinn eingestrichen. Nun hofft der Hedgefonds, dass der Kurs der Aktie bis zum Rückgabetermin sinkt, um diese irgendwann im Zeitraum vor Rückgabe günstiger am Markt einzukaufen. Die Differenz zwischen dem höheren Verkaufspreis und dem niedrigeren Kaufpreis kurz vor Rückgabe stellt den Gewinn eines Leerverkaufsgeschäfts dar.

Besonders pikant im Falle Blackrocks ist, dass der Konzern höchstwahrscheinlich sowohl als Verleiher als auch als Leerverkäufer bei den ihm anvertrauten Aktien auftritt, wie die Nachdenkseiten am Beispiel der Lufthansa-Aktie vor einigen Tagen berichteten. Dass Blockrock als Shortseller auftritt, geht aus den Daten des Bundesanzeigers deutlich hervor. Dass der Finanzkonzern auch Aktien verleiht, gilt angesichts seiner Marktmacht als beinahe sicher. Denn zusammen mit den anderen beiden Giganten Vanguard und StateStreet kontrolliert BlackRock den Handel von rund 80 Prozent aller großen börsennotierten Unternehmen der westlichen Welt und nur solch große Institutionen haben praktisch genügend Aktien unter Verwaltung, um einen signifikanten Teil davon zu verleihen.

Wie aus aktuellen Daten des Bundesanzeigers hervorgeht, wettet BlackRock derzeit gegen 20 an den deutschen Börsen gehandelten Aktiengesellschaften. Neben der Lufthansa sind dies der Baukonzern Bilfinger, Deutsche Euroshop, der Stahlkonzern Thyssenkrupp, der Düngemittelspezialist K+S; Grenke AG, freenet AG, ProSiebenSat.1 Media, Südzucker, CECONOMY, Dürr AG, RIB Software, SLM Solutions Group, ElringKlinger AG, zooplus, Software Aktiengesellschaft, GFT Technologies, STRATEC Biomedical, Brunel International und DAISY GROUP.

Die Nachdenkseiten schlussfolgern mit Blick auf die Verleihtätigkeit und die Shortwetten des Finanzgiganten: „Bezogen auf das zuvor genannte Beispiel ist BlackRock also nicht nur ein untreuer treuhänderischer Verwalter, der dem Einbrecher Ihr Werkzeug leiht, sondern zugleich auch noch der Einbrecher selbst. Und dieses Geschäft ist wirklich bombensicher – Krise hin, Krise her. Während Kleinsparer sich ihre Altersvorsorge nach dem Crash zum Teil abschminken müssen, verdient BlackRock prächtig, egal ob es an der Börse bergauf oder aber bergab geht. Dumm nur, dass Sie es sind, die letzten Endes die Rechnung dafür übernehmen müssen.“

Für die Investmentgesellschaft mit Sitz in New York – die Angaben der amerikanischen Securities and Exchange Commission zufolge Ende 2019 weltweit Wertpapiere im Gesamtumfang von etwa 7,43 Billionen Dollar verwaltete, läuft es derzeit ohnehin prächtig.

Wie die Financial Times berichtet, hat die US-Zentralbank Federal Reserve die Beratungsabteilung des Finanzgiganten am vergangenen Dienstag damit beauftragt, drei spezielle Finanzvehikel zu verwalten, die sie im Zuge ihrer Billionen-schweren Rettungsaktion zur Stützung des US-Finanzsystems geschaffen hatte. Diese Vehikel sollen demzufolge Schuldpapiere von Unternehmen am Sekundär- und Primärmarkt und darüber hinaus auch hypothekenbesicherte Spekulationspapiere aufkaufen.

Dem FT-Bericht zufolge wurde BlackRock gezielt von der Fed angesprochen, es gab keine Ausschreibung um das Spezial-Mandat. Doch die schiere Größe des von BlackRock verwalteten Finanzportfolios erzwinge geradezu Interessenkonflikte - etwa auf dem Markt für Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Dort möchte die Zentralbank Milliarden investieren, der größte börsengehandelte Fonds in diesem Segment jedoch wird von BlackRock kontrolliert.

Wie zentral BlackRocks Funktion für das Finanzsystem ist, zeigte sich bereits im Krisenjahr 2008, als die Federal Reserve dem Konzern drei Spezialfonds zur Verwaltung anvertraute, in denen die Wertpapiere der bankrotten Versicherung AIG und der gestrauchelten Bank Bear Stearns gelagert wurden.

Die damit zusammenhängenden Interessenkonflikte beschreibt die FT zwar, ihrer Einschätzung nach habe die Zentralbank aber keine andere Wahl, weil es sich derzeit um eine Krisensituation handelt: „Einige Rivalen von BlackRock weisen auf die Interessenkonflikte hin – und nichtamerikanische Aufsichtsbehörden erinnern daran, dass Fink (Larry Fink – der CEO von BlackRock – die Red.) seit 2008 die US-Finanzaufsicht von tiefgreifenden Reformen der Bestimmungen für Vermögensverwalter abgehalten habe. Fair enough. Aber das Problem der Fed besteht darin, dass sie nicht in Friedenszeiten operiert, sondern einen Kampf kämpft, um ein Einfrieren des Finanzsystems zu verhindern. Dankenswerterweise lässt das Weiße Haus die Fed-Beamten so flexibel experimentieren wie 2008 – entgegen der Befürchtungen von Veteranen wie dem früheren Finanzminister Hank Paulson, dass der Fed die Hände gebunden werden würden.“



DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Unter Selbstkostenpreis: Ölpreis wird bis Jahresende nicht mehr steigen

Zahlreiche Faktoren drücken zurzeit auf die Rohöl-Preise. Bis zum Jahreswechsel wird sich daran Prognosen zufolge nichts ändern. 2021...

DWN
Deutschland
Deutschland Zerstrittene CDU verschiebt Parteitag: Eskaliert der Streit Merz-Laschet?

Vor dem Superwahljahr 2021 bleiben bei der CDU zentrale Fragen offen. Wer wird Parteichef? Wer wird Kanzlerkandidat? Der interne Kampf...

DWN
Finanzen
Finanzen Unkritischer Umgang der Analysten mit SAP lässt die Börse einbrechen

Das größte deutsche Börsen-Schwergewicht hat am heutigen Montag die Analysten mit einer Gewinnwarnung überrascht. Eigentlich hätten...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Politik
Politik Lira pulverisiert: Erdogans Boykott-Aufruf gegen Frankreich geht nach hinten los

Erdogan hat europäischen Politikern am Montag in Ankara Islamfeindlichkeit vorgeworfen. «Ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Neuer 5-Jahres-Plan: Wird sich China von Deutschland abkoppeln?

Die Kommunistische Partei entwirft derzeit den neuen Fünf-Jahres-Plan. Demnach soll sich die chinesische Wirtschaft künftig stärker auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Der IWF plant die Einführung eines neuen Geldsystems

Der Internationale Währungsfonds bereitet die Einführung eines neuen Geldsystems vor - und niemand merkt es.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viel Nitrat: Deutsche Forscher verbessern mit künstlicher Intelligenz Grundwasser

In Deutschland ist das Grundwasser mitunter sehr stark von Nitrat belastet. Jetzt fördert das Bundesumweltministerium ein besonderes...

DWN
Deutschland
Deutschland Ifo-Index sinkt: Stimmung deutscher Firmen trübt sich ein

"Der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung ist wieder verschwunden", so Ifo-Präsident Clemens Fuest.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundestags-Vize Oppermann plötzlich und unerwartet gestorben

Mit Bestürzung haben die SPD und andere Parteien auf den Tod von Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann reagiert.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der grüne Eifer wird zum Bumerang: Wie die Begeisterung fürs Holz den Wald gefährdet

In seiner äußerst detaillierten und tiefschürfenden Analyse zeigt DWN-Kolumnist Ronald Barazon, warum deutscher und europäischer Wald...

DWN
Politik
Politik Russland will eine geopolitische Katastrophe entlang seiner Grenzen verhindern

Die westlichen und südlichen Grenzen Russlands weisen wegen des Konflikts um Berg-Karabach und der Unruhen in Weißrussland Anzeichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Aufstieg und Fall: Corona schafft an der Börse eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die aktuelle Krise schafft Gewinner und Verlierer, auch an der Börse. Welche Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen und wie man...