Finanzen

Chinas Notenbank senkt den Referenzzins für Kredite

Die chinesische Notenbank PBOC senkte am Montag den Referenzzins für Kredite mit einjähriger Laufzeit (LPR) auf 3,85 von 4,05 Prozent.
20.04.2020 12:30
Aktualisiert: 20.04.2020 12:30
Lesezeit: 2 min
Chinas Notenbank senkt den Referenzzins für Kredite
Chinesische Yuan-Scheine, auf denen das Porträt des ehemaligen Parteiführers der kommunistischen Partei Chinas Mao Tse-tung abgebildet ist. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

China kappt im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie die Zinsen erneut und fasst weitergehende Schritte zur Bekämpfung der Krise ins Auge. Die Notenbank PBOC senkte am Montag den Referenzzins für Kredite mit einjähriger Laufzeit (LPR) auf 3,85 von 4,05 Prozent. Es war bereits der zweite Schritt nach unten in diesem Jahr. Damit sollen die Kreditkosten für Firmen gedrückt und so die Konjunktur insgesamt angeschoben werden. Wegen der Corona-Krise ist die Wirtschaft zu Jahresbeginn eingebrochen.

Ihr droht in diesem Jahr das schwächste Wachstum seit Mitte der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für das Schwellenland mit seiner Milliardenbevölkerung ein nur mageres Plus von 1,2 Prozent voraus. Die Regierung in Peking will laut dem staatlichen Wirtschaftsplaner Yan Pengcheng nun "alles tun, was sie kann", um etwa Firmen in der schwierigen Lage über Wasser zu halten. Zudem will sich das Reich der Mitte stärker für ausländische Investoren öffnen, meldet Reuters.

Wirtschaftslenker Yan, der in der für die Planung zuständigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) sitzt, sieht noch genügend Spielraum für den Staat, um die von Januar bis März um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum eingebrochene Wirtschaftsleistung wieder zu stabilisieren: Zu etwaigen Notmaßnahmen gehörten etwa die Erhöhung des Haushaltsdefizits, die Ausgabe spezieller Anleihen, Mehrausgaben für Schlüsselprojekte und weitere Zinssenkungen.

Ökonomin Iris Pang von der Bank ING geht allerdings davon aus, dass die Notenbank in den nächsten Monaten den Zins eher nicht antasten wird. Stattdessen werde sie sich wohl auf andere Schritte zur Kreditankurbelung verlegen, damit der LPR nicht zu früh auf ein "ultra-tiefes Niveau" sinke. Das Mittel der Wahl sei dabei eine weitere gezielte Senkung der Mindestreserveanforderungen (RRR) für Banken.

Die chinesische Zentralbank hatte vorige Woche den Zinssatz für mittelfristige Darlehen an Finanzinstitute (MLF) auf ein Rekordtief gesenkt. Der nun gekappte LPR ist an den MLF gekoppelt und wird am 20. jeden Monats festgelegt. China hatte im August 2019 eine weitreichende Zinsreform verkündet. Damit will die Zentralbank unter anderem erreichen, dass die Finanzinstitute ihren Kunden den LPR gewähren, der tendenziell etwas niedriger ist als der klassische Leitzins, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank leihen können.

NEGATIVLISTE WIRD AUSGEDÜNNT

Als Teil des Instrumentenkastens des Staates im Kampf gegen die Krise gelten auch Steuererleichterungen, die laut NDRC auch ausländischen Unternehmen in stärkerem Maße im Rahmen eines "Förderkatalogs" zugute kommen könnten. Dazu soll in einem ersten Schritt eine sogenannte Negativliste ausgedünnt werden. Mit dieser Liste werden ausländische Investitionen beispielsweise im Autobau verboten oder beschränkt. Diese gilt auch für andere Schlüsselindustrien - etwa den Abbau Seltener Erden. China ist der weltgrößte Veredler dieser 17 chemischen Elemente, die für zahlreiche Technologieprodukte wie Smartphones aber auch in der Rüstungsindustrie unverzichtbar sind.

Eine Überprüfung der Negativliste soll laut NDRC dafür sorgen, dass sich der Öffnungsgrad für ausländische Investitionen in Bereichen wie dem Dienstleistungssektor, der Industrie und der Landwirtschaft weiter erhöht. China will sich Insidern zufolge auch stärker für ausländische Lebensversicherer öffnen und diesen Zusammenschlüsse mit lokalen Akteuren erleichtern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Das müssen Sie unbedingt wissen
19.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern wählt einen neuen Landtag – und diesmal könnte sich das politische Kräfteverhältnis grundlegend verschieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrigwasser am Rhein: Wenn der deutschen Wirtschaft das Wasser fehlt
19.09.2026

Der Rheinpegel in Kaub ist der wichtigste Pegel für die Schifffahrt zwischen Rotterdam und Basel. Dort fiel der Wasserstand im August 2026...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
19.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...