Deutschland

Mittelständler stemmen sich gemeinsam gegen die Krise

Die Krise hat bereits ihre Spuren hinterlassen: Jetzt machen die Unternehmen ihren Kunden zunehmend Angebote, um die negativen Folgen der Pandemie abzufedern.
22.04.2020 15:24
Aktualisiert: 22.04.2020 15:24
Lesezeit: 2 min
Mittelständler stemmen sich gemeinsam gegen die Krise
Manche Finanzdienstleister stunden jetzt ihren Kunden die Kreditzahlungen. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Die Krise ist für alle eine enorme Herausforderung – und somit auch für den deutschen Mittelstand. Dabei versuchen alle an einem Strang zu ziehen, um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern. Viele Firmen machen für ihre Kunden besondere Angebote, um zu zeigen, dass man diese außergewöhnliche Situation nur gemeinsam bewältigen kann. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) haben die Aktionen der Unternehmen gesammelt, ohne dass die Auflistung eine Hierarchie darstellt:

Die Mitarbeiter des Textilherstellers Trigema aus der baden-württembergischen Stadt Burladingen stellen verstärkt Mundschutzmasken anstelle von Poloshirts her. „Wir haben zahlreiche Anfragen von Kliniken, Händlern und Institutionen bekommen“, sagte Trigema-Chef Wolfgang Grupp dem SWR. Zunächst sollen Mundschutzmasken 10.000 Mundschutzmasken für ein Klinikum geliefert werden. Dann werden die Kapazitäten auf 100.000 Stück pro Woche hochgefahren.

Zusätzlich hat der Hemdenhersteller Eterna aus dem niederbayerischen Passau mit der Produktion von Gesichtsmasken begonnen. Das Unternehmen hat in seinem Werk in der Slowakei die Herstellung umgestellt. Dort werden den Planungen zufolge 25.000 Masken pro Tag gefertigt. Der Auftraggeber ist die slowakische Regierung.

Bayerischer Auto-Zulieferer stellt Produktion auf Atemschutzmasken um

Darüber hinaus produziert der bayerische Zulieferer Zettl Automotive im Auftrag der bayerischen Landesregierung Atemschutzmasken. Die Firma stellt eigentlich Sitzbezüge her. Für die Masken wird Zettl von dem Vlies-Hersteller Sandler mit Material für eine Million Schutzmasken beliefert. Das berichtet das bayerische Wirtschaftsministerium. Die fertigen Masken werden an Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen verteilt.

Zusätzlich hat der Spirituosen-Hersteller Mast Jägermeister 50.000 Liter Alkohol dem Klinikum Braunschweig geliefert. Das erklärte das Krankenhaus auf seiner Website. Es wird selbst den Alkohol zum Desinfektionsmittel verarbeiten. Die Feuerwehr Braunschweig soll den Transport der Flüssigkeit übernehmen.

Die Gruppe MBG und ihr Tochterunternehmen MBG-Foodservice stellt einen Teil ihrer Produktion auf die Herstellung von Hände-Desinfektionsmittel um. „Als erfahrener Hersteller und Vermarkter von diversen Spirituosen haben wir gemeinsam mit unseren medizinischen Ratgebern die Produktion teilweise umgestellt. Das neue Produkt wird die Standards der Weltgesundheitsorganisation erfüllen“, sagt der Geschäftsführer von MBG, Andreas Herb.

Auch die Finanzdienstleister werden in der Krise verstärkt aktiv. Der Spezial-Software-Anbieter CrowdDesk bietet das Produkt ONE Starter ab sofort kostenfrei an. Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, über eine eigene Crowdinvesting-Kampagne Geldmittel zu erhalten, ohne Bankkredite aufnehmen zu müssen. Bis zu 100.000 Euro können auf diese Weise pro Funding eingesammelt werden.

Der digitale Bankdienstleister für den Mittelstand, die Kapilendo AG, stundet seinen Kunden die laufenden Kreditfinanzierungen um drei Monate, sofern nach individueller Prüfung eine wirtschaftliche Betroffenheit aufgrund der Corona-Krise vorliegt. Die Stundung gilt für alle Zins- und Tilgungszahlungen im Zeitraum April bis Juni 2020. Der Tilgungsplan wird entsprechend angepasst und verlängert sich um drei Monate. Diese außergewöhnliche Maßnahme erfolgt mit großer Zustimmung der institutionellen und privaten Kreditgeber.

Auch die kommunalen Entsorgungsunternehmen kämpfen verstärkt mit Problemen – beispielsweise mit dem Mangel an Fahrern. Das Softwareunternehmen Couplink stellt seinen Kunden die Telematik-Software couplinkyourfleet ENTSORGER bis zum Jahresende kostenlos zur Verfügung. Gerade in der Hausmüllentsorgung wissen eigentlich immer nur die Fahrer genau, wo die jeweiligen Behälter stehen und wie sie diese am besten einsammeln. Fallen sie jedoch aus, stehen Disponenten und letztendlich auch die Bürger vor einem Problem. Mithilfe der Telematik-Software können Touren der Müllabfuhr während des Abfahrens per Smartphone oder Tablet digital aufgezeichnet und zentral abgelegt werden. Dann kann auch ein Ersatzfahrer die Tonnen leicht finden.

Die BKK Mobil Oil verringert die Beiträge für Selbstständige, die aufgrund der Corona-Krise in Not geraten sind. Nach Aussagen der Kasse muss der selbstständig Versicherte glaubhaft erklären, dass seine Umsatzeinbußen durch die Krise verursacht worden sind. Dann werden die Beiträge unbürokratisch reduziert. Anders als bisher wirkt die Beitragsanpassung bereits für den Monat, in dem der Antrag eingeht. Dieses Angebot gilt seit dem 13. März. Die BKK Mobil Oil ist mit fast 1,1 Millionen Versicherten die größte Betriebskrankenkasse Deutschlands.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 04: Die wichtigsten Analysen der Woche
25.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 04 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie im Fokus: Roboter von Elon Musk verschlingen Millionen Tonnen Kupfer
25.01.2026

Tesla wird an der Börse nicht für heutige Verkaufszahlen bezahlt, sondern für eine Zukunft aus Robotaxis und humanoiden Robotern. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BDI besorgt: Wirtschaftsstandort Deutschland im freien Fall – droht der große Kollaps?
25.01.2026

Die industrielle Basis Deutschlands erodiert – langsam, aber unübersehbar. Der BDI warnt in ungewöhnlich scharfen Worten vor einem...

DWN
Politik
Politik Cybersicherheit in Europa: EU baut mit GCVE eigene Sicherheitsdatenbank auf
25.01.2026

Die Europäische Union baut mit GCVE ihre digitale Sicherheitsarchitektur gezielt aus und setzt verstärkt auf eigene technische...

DWN
Finanzen
Finanzen Bürotemperatur: Wie kalt darf es bei der Arbeit sein?
25.01.2026

Kalte Hände, steife Schultern und die Konzentration sinkt: Wenn die Bürotemperatur zu niedrig ist, wird Arbeit schnell zur Belastung....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetzausbau unter Druck: Netzengpässe gefährden die Energiewende
25.01.2026

Europas Energiewende stößt zunehmend auf infrastrukturelle und regulatorische Grenzen. Entwickelt sich daraus ein Engpass, der...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk: KI nächstes Jahr smarter als Menschen – Strommangel größtes Problem
25.01.2026

Künstliche Intelligenz könnte bereits in diesem Jahr intelligenter sein als der Mensch. Das sagt Tesla-Chef Elon Musk. Gleichzeitig warnt...

DWN
Panorama
Panorama Warren Buffet plant den Nachlass: Warum er 99 Prozent seines Vermögens nicht vererbt
25.01.2026

Warren Buffett setzt bei seinem Nachlass bewusst auf Verantwortung statt Vermögenssicherung. Was sagt dieses Verständnis von Reichtum...