Politik

„Referent Null“: Lebensnotwendige Operationen wurden wegen Corona-Maßnahmen abgesagt

Der Referent des Innenministeriums, der massive Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung übt, sagt: "Im März und April wurden 90% aller notwendiger OPs verschoben bzw. nicht durchgeführt. Das heißt 2,5 Mio Menschen wurden in Folge der Regierungsmaßnahmen nicht versorgt". Zahlreiche OP-Patienten werden deshalb sterben oder sind bereits gestorben.
12.05.2020 10:56
Lesezeit: 1 min
„Referent Null“: Lebensnotwendige Operationen wurden wegen Corona-Maßnahmen abgesagt
Ein Ärzteteam bei einer Operation. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) veröffentlichte ein 83-seitiges Dokument (plus Anlagen) unter Verwendung des BMI-Briefkopfes und der dienstlichen Kommunikationskanäle, in dem er die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung als "Fehlalarm" kritisiert. Anschließend verhängte das BMI ein Arbeitsverbot gegen den Referenten

Besonders brisant ist der Vorwurf des Referenten, wonach die Corona-Maßnahmen dazu geführt hätten, dass im März und April nahezu alle notwendigen OPs nicht durchgeführt wurden. Der Referent wörtlich: "Aufgrund Einschränkungen der Klinikverfügbarkeiten (und Behandlungsmöglichkeiten) verschobene oder abgesagte Operationen: Über alles betrachtethatten wir im Jahr 2018 insgesamt ca. 17 Mio vollstationärer Patienten mit OPs. Das sind im Schnitt 1,4 Mio Patienten pro Monat. Im März und April wurden 90% aller notwendiger OPs verschoben bzw. nicht durchgeführt. Das heißt 2,5 Mio Menschen wurden in Folge der Regierungsmaßnahmen nicht versorgt. Also 2,5 Mio Patienten wurden in März und April 2020 nicht operiert, obwohl dies nötig gewesen wäre. Die voraussichtliche Sterberate lässt sich nicht seriös einzuschätzen; Vermutungen von Experten gehen von Zahlen zwischen unter 5.000 und bis zu 125.000 Patienten aus, die aufgrund der verschobenen OPs versterben werden/schon verstarben."

In Deutschland sind bis Dienstagvormittag über 170.400 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden (Vortag Stand 10.15 Uhr: mehr als 169.800 Infektionen). Mindestens 7.510 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben (Vortag Stand 10.15 Uhr: 7.444). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt.

Die Reproduktionszahl lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montag bei 1,07. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Mittel etwas mehr als eine weitere Person ansteckt.

Nach RKI-Schätzungen haben in Deutschland rund 147.200 Menschen die Infektion überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten aber auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Besonders hohe Zahlen registrierter Infektionen haben den Statistiken der Bundesländer zufolge Bayern mit mehr als 44 700 nachgewiesenen Fällen und mindestens 2170 Toten, Nordrhein-Westfalen mit mehr als 35 100 Fällen und mindestens 1436 Toten sowie Baden-Württemberg mit mehr als 33 300 bestätigten Fällen und mindestens 1570 Toten. Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert von Bundesland zu Bundesland.

Gerechnet auf 100 000 Einwohner verzeichnet Bayern laut der dpa-Erhebung mit einem Wert von 341,9 die meisten Infektionen. Im Bundesschnitt waren es 205,0. Allerdings ist die Anzahl der erfolgten Tests pro 100 000 Einwohner in den Bundesländern unterschiedlich hoch.

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