Politik

Eine Föderation zwischen Türkei und Griechenland ist die Lösung aller Probleme

Griechenland könnte als Stellvertreter internationaler Ölkonzerne in einen Krieg gegen die Türkei gedrängt werden. Dabei sollten Ankara und Athen eigentlich über die Bildung einer türkisch-griechischen Föderation nachdenken, um ihre Probleme zu lösen.
15.12.2020 15:00
Lesezeit: 2 min
Eine Föderation zwischen Türkei und Griechenland ist die Lösung aller Probleme
Ist die Idee einer türkisch-griechischen Föderation möglich? (Foto: cleanpng.com/Kellianne)

Griechenland und die Türkei befinden sich an der Schwelle zu einem bewaffneten Konflikt. Doch eine kriegerische Auseinandersetzung würde sich wirtschaftlich und politisch zum Nachteil beider Länder auswirken. Am Ende würden sich die internationalen großen Öl- und Gaskonzerne die Ressourcen im östlichen Mittelmeer aneignen, aber den Preis als Stellvertreter müssten Türken und Griechen zahlen.

Eine Lösung zwischen beiden Ländern ist möglich. Aber dafür müssen sich Ankara und Athen direkt in Verbindung setzen. Sollte die Idee einer türkisch-griechischen Föderation umgesetzt werden, wären alle Probleme zwischen beiden Ländern gelöst.

Die griechische Zeitung Eleftherotypia hatte 2011 im Verlauf der Griechenland-Krise einen Bericht über die Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland veröffentlicht. Das Blatt wollte erörtern, wie die Griechen auf die Bildung einer Föderation zwischen der Türkei und Griechenland schauen. Die Idee der Bildung einer Föderation geht zurück auf den griechisch-kanadischen Historiker Dimitri Kitsikis, der auch in der Türkei bekannt ist. Diese Idee wird auch oftmals als „Heleno-Turkismus“ umschrieben.

Der türkisch-griechische Journalist Stelio Berberakis hat die Befunde von Eleftherotypia zusammengefasst.

Der griechische Philosoph Stelios Ramfos meint: „Als in Griechenland die Krise losbrach, habe ich in meinem Bekanntenkreis nachgefragt, zu welchem Land sie politisch und wirtschaftlich Ausschau halten würden. Der Großteil sprach sich klar für die Türkei aus. Die Griechen und Türken sind Völker des Ostens. Der Ausspruch „una faccia, una razza“ gilt insbesondere für Türken und Griechen.“

Der Autor Christoforos Kasdaglis wörtlich: „Die Türkei ist für Griechenland eigentlich der ideale Nachbar. Obwohl die Türken uns in der Historie erobert haben, eine andere Religion haben, gewieft und bevölkerungsreicher sind, haben sie uns auch immer wieder geholfen. Wir befinden uns in der Ägäis in Bezug auf das Erdgas in Konkurrenz. Weil in der Türkei das Bevölkerungswachstum voranschreitet, erhalten in Griechenland Familien Kinderprämien.“

Der griechisch-türkische Historiker Vangelis Kechriotis, der mittlerweile verstorben ist, sagt: „Obwohl die Idee einer türkisch-griechischen Föderation den Anschein der Romantik erweckt, wäre dies die einzige Alternative, um eine Kraft im östlichen Mittelmeer und auf dem Balkan zu schaffen. Eine derartige Föderation würde die Probleme in der Ägäis und auf Zypern überflüssig machen.“

Der griechische Turkologe Yannis Mazis sagt, dass der griechische Offizier und Putschist von 1967, Georgios Papadopoulos, ein vehementer Unterstützer einer türkisch-griechischen Föderation gewesen ist. In einem Interview mit der Zeitung Milliyet vom 29. Mai 1971 sagte Papadopoulos, dass er ein Verfechter der Wiederbelebung der türkisch-griechischen Freundschaft sei. Das geht aus dem Buch „The New Ottoman Greece in History and Friction“ von Trine Stauning Willert hervor. Papadopoulos zufolge gebe es keine Alternative zur türkisch-griechischen Föderation.

Der griechische Autor Theodoros Grigoriades sagt, dass tendenziöse Romane und Erzählungen auf beiden Seiten zu Vorurteilen untereinander führen würden. Bei den Griechen habe dies ab dem Jahr 1930 angesetzt. „Die Griechen haben ihre Türkenangst nicht überwunden. Der Komplex, den wir gegenüber den Türken haben, ist weitaus größer als der Komplex, den die Türken haben.“

Zum aktuellen Zeitpunkt ist es ungewiss, ob die Türkei und Griechenland in die Falle tappen werden, um sich gegenseitig zu schwächen. Doch die Idee einer türkisch-griechischen Föderation hat auf beiden Seiten vehemente Unterstützer.

+++Dieser Konzept-Artikel wurde erstmals im August 2020 veröffentlicht+++

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: „Blaue Welle“ lässt Aktienmärkte steigen – Ölpreise auf Talfahrt
04.11.2026

Erfahren Sie, wie die neuesten politischen Entwicklungen in den USA die Finanzmärkte bewegen und welche Branchen jetzt im Fokus stehen.

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031 geplant: Stromverbraucher sollen neue Gaskraftwerke finanzieren
04.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...