Wirtschaft

Angst vor zweiter Corona-Welle belastet Ölpreise, Ausverkauf an Finanzmärkten beginnt

Es gibt weltweite Anzeichen für eine zweite Corona-Welle. Ein Crash auf dem Ölmarkt wird erwartet. Der Ausverkauf an den Finanzmärkten ist ein weiterer Hinweis für eine zweite Welle. Ein US-amerikanischer Fachmann meint jedenfalls: „Die zweite Welle hat begonnen“.
16.06.2020 13:00
Lesezeit: 2 min

Es besteht weltweit die Gefahr einer zweiten Corona-Welle. Der neue Ausbruch in China in Kombination mit den steigenden Infektionszahlen in den USA und Russland könnten die Beschleuniger einer zweiten Welle sein.

Anders als im März und April, als das Epizentrum der Pandemie New York war, konzentrieren sich die neuen Ansteckungen jedoch stärker auf den Süden der USA. Am Samstag meldeten die USA fast 26.000 neue Fälle, die höchste Anzahl seit fast einem Monat.

„Die zweite Welle hat begonnen“, sagte William Schaffner von der Vanderbilt University School of Medicine dem US-Sender CNBC. Das Wiederaufleben von Infektionen in den letzten Tagen führte jedoch zu einem Ausverkauf an den Finanzmärkten.

Die Ölpreise gingen am Montag weiter zurück, wobei die Preise in weniger als einer Woche um mehr als zehn Prozent fielen. „Bedenken, dass wir den Beginn einer zweiten Welle der Pandemie sehen könnten, dominieren heute Morgen die Handelsflächen auf der ganzen Welt, von Peking bis Florida. Die Märkte bewegen sich in Wellen der Angst und Gier, und nachdem die Gier eine lange Freude genossen hatte, hat die Angst wieder zu sprießen begonnen“, sagte Björnar Tonhaugen, Leiter der Ölmärkte bei Rystad Energy, in einer Erklärung.

Der IWF könnte seine Prognose senken

Der IWF wird voraussichtlich seine globale Wirtschaftsprognose senken, wenn er am 24. Juni 2020 neue Zahlen veröffentlicht. Er gab im April bekannt, dass das globale BIP in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen könnte, so Oilprice.com. „Diese Pandemie ist vergleichbar mit fallenden Dominosteinen“, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva am vergangenen Samstag und wies auf die anhaltende Verbreitung des Virus auf der ganzen Welt hin. Georgieva: „Und wir alle wissen, dass es nicht vorbei ist, bis es überall vorbei ist.“

Der Präsident der Dallas Fed, Robert Kaplan, sagte, dass die Gesundheit der Wirtschaft nicht nur von föderalen Anreizen und der Wiedereröffnung von Unternehmen abhängt, sondern auch von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, einschließlich des weit verbreiteten Tragens von Masken und anderer Maßnahmen zur Eindämmung. „Inwieweit wir das gut machen, wird bestimmen, wie schnell wir uns erholen. Wir werden schneller wachsen, wenn wir diese Dinge gut machen. Und im Moment ist es relativ ungleichmäßig“, sagte Kaplan auf CBS.

Währenddessen steigen weltweit die Ölvorräte. Laut IHS Markit soll allein in China in den ersten sechs Monaten des aktuellen Jahres 440 Millionen Barrel mehr gelagert worden sein. Dies ist der größte Anstieg, den ein Land jemals verzeichnet hat. Dieser Aufbau in China hat die Ölpreise tatsächlich angekurbelt und in den Tiefen des Abschwungs eine Nachfragequelle geboten. Es ist jedoch nicht klar, ob die Lagerungen fortgesetzt werden können, zumal sie von der jeweiligen Speicherkapazität abhängen.

Der Commerzbank zufolge hatten die Ölmärkte in den vergangenen Wochen ausschließlich auf die positiven Nachrichten konzentriert. Dabei ging es um den Rückgang bei der US-Schieferölproduktion und die Produktionskürzungen der Opec. Negative Nachrichten im Verlauf der Pandemie wurden ignoriert. „Die Aussichten für den Ölmarkt dürften aufgrund der schwächeren Wirtschaftsdaten und der Besorgnis über eine zweite Welle der Covid-19-Pandemie wieder düsterer werden. Die Nachfrage außerhalb Chinas bleibt schwach, weshalb wir kurzfristig einen weiteren Preisrückgang erwarten“, so die Commerzbank.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

DWN
Technologie
Technologie Cybersicherheit braucht weniger Angst und mehr Wissen
05.07.2026

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Cybersicherheit als Weltuntergang zu verkaufen. Wir sollten sie stattdessen als Teil der...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhung: Steuer auf Spirituosen soll Anfang 2027 steigen
05.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. Welche Mehreinnahmen im Zuge der Steuererhöhung...

DWN
Immobilien
Immobilien Deutscher Mietmarkt: Warum sich das Vermieten für Private nicht mehr lohnt
05.07.2026

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich. Doch während in Talkshows meist über rücksichtslose Immobilienkonzerne debattiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niob: Brasiliens Monopol über den nächsten Batterie-Rohstoff
05.07.2026

Der historische SpaceX-Börsengang hat auch den Rohstoff Niob ins Rampenlicht der Märkte gerückt. In Brasilien lagern knapp 90 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elon Musks ehemaliger Mitbewohner: „Wir wussten, dass der Mars das Ziel war“
04.07.2026

Vor 25 Jahren hat er Elon Musk davon abgeraten, ein Raketenunternehmen zu gründen. Heute bezeichnet er den SpaceX-Gründer als den...

DWN
Politik
Politik Vor den US-Kongresswahlen ist Trump so unbeliebt wie nie zuvor – doch er hat einen Trumpf im Ärmel
04.07.2026

Donald Trump geht mit schlechten Umfragewerten in die US-Kongresswahl, mittlerweile ist er unbeliebter als Vorgänger Joe Biden. Doch kurz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...