Weltwirtschaft

IWF erwartet stärksten globalen Wirtschaftseinbruch seit der Großen Depression

Lesezeit: 2 min
24.06.2020 15:25  Aktualisiert: 24.06.2020 15:25
Der IWF erwartet, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr um 4,9 Prozent schrumpfen wird. Zugleich werde die Verschuldung rund um den Globus auf neue Rekordmarken ansteigen.
IWF erwartet stärksten globalen Wirtschaftseinbruch seit der Großen Depression
Das weltgrößte Containerschiff „HMM Algeciras“ Anfang Juni beim Einlauf in den Hamburger Hafen. (Foto: dpa)
Foto: Axel Heimken

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Weltwirtschaft wird dieses Jahr nach Einschätzung des IWF wegen der Coronavirus-Krise noch viel stärker schrumpfen als ohnehin schon befürchtet. Der Internationale Währungsfonds kürzte am Mittwoch seine Prognosen vor allem für Länder, die besonders von der Pandemie betroffen sind - darunter Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Brasilien und die USA. Deutschland wird eine gute Reaktion auf die Krise attestiert und für nächstes Jahr eine kräftigere Erholung zugetraut. Am besten sehen die Prognosen für China aus, wo die Pandemie begann.

Die Weltwirtschaft dürfte 2020 um 4,9 Prozent schrumpfen. Noch im April war der IWF von einem Minus von 3,0 Prozent ausgegangen, was bereits der schlimmsten Rezession seit der Großen Depression in den 1930er Jahren entsprach. Die negativen Folgen für die Wirtschaft seien gravierender und die Erholung vermutlich langsamer als gedacht, teilte der Fonds nun mit. Das sei vor allem am schwächeren Konsum und höheren Sparquoten ablesbar. 2021 erwartet der IWF ein Wachstum der Weltwirtschaft von 5,4 Prozent. Das sind 0,4 Punkte weniger als im April. Sollte es jedoch zu einer zweiten Infektionswelle kommen, könnten davon womöglich nur 0,5 Prozent übrig bleiben.

Die USA als weltgrößte Volkswirtschaft dürften 2020 um 8,0 Prozent einbrechen. Für Großbritannien wird ein Minus von 10,2 Prozent erwartet. In Europa sind zudem Frankreich, Italien und Spanien stark betroffen, hier werden jeweils Rückgänge von knapp 13 Prozent vorausgesagt. Deutliche Minus-Zeichen werden auch für Russland, Brasilien und Indien prognostiziert. China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, wo die Epidemie als erstes auftrat und früher eingegrenzt wurde, dürfte 2020 um 1,0 Prozent wachsen und nächstes Jahr dann um 8,2 Prozent.

Gutes Zeugnis für Bundesregierung

Der IWF teilte zudem mit, in Deutschland habe die Regierung schnell und mit großen Summen auf die Krise reagiert. Die sei zu begrüßen und eine sinnvolle Nutzung der finanzpolitischen Möglichkeiten. Die große Koalition hilft der Wirtschaft mit Krediten, Bürgschaften und teilweise wie im Fall Lufthansa auch mit Eigenkapital. Zudem wurde zuletzt ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket geschnürt, das unter anderem eine befristete Absenkung der Mehrwertsteuer vorsieht. Deutschland sagt der IWF dieses Jahr einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,8 Prozent voraus. 2021 dürfte es dann ein Wachstum von 5,4 Prozent geben, das sind 0,2 Punkte mehr als zuletzt erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft sieht Licht am Ende des Tunnels", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Denn nach dem historischen Tief hellt sich das Ifo-Geschäftsklima, das die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen misst, deutlich auf - im Juni kletterte der Index auf 86,2 Zähler von 79,7 Punkten im Mai. "Dies ist der stärkste jemals gemessene Anstieg." Die rund 9000 befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten und - erstmals seit Beginn der Corona-Krise - auch ihre Lage günstiger ein als zuletzt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier traf am Mittwoch Volkswirte sowie Vertreter von Verbänden und Gewerkschaften, um strukturelle Maßnahmen zu diskutieren, die Deutschland wettbewerbsfähiger machen können. Er verwies darauf, dass 50 Milliarden Euro aus dem Konjunkturpaket für Zukunftstechnologien reserviert seien.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, sagte, bis 2024 werde das Potenzialwachstum in Deutschland nur noch bei einem Prozent liegen, wenn nichts passiere. In einer 450 Seiten starken Analyse für Altmaier empfahl er, dass der Staat bei neuen Technologien Vorreiter in der Anwendung werden müsse und nicht nur Geld bereitstellen dürfe. Bei Lieferketten von Unternehmen müsse sich der Staat dagegen raushalten. Und der europäische Binnenmarkt müsse wieder gestärkt werden, indem Handelshemmnisse beseitigt würden.

Zum Thema: Der globale Warenaustausch ist der WTO zufolge im zweiten Quartal stark eingebrochen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Irreführung der Öffentlichkeit? Inzidenz-Karten der Tagesschau werfen einige Fragen auf

Die Tagesschau hat auf Grundlage der Daten des RKI ihre Corona-Inzidenz-Karten derart verändert, dass die aktuelle Corona-Karte...

DWN
Deutschland
Deutschland Heribert Prantl: „In der Geschichte der Bundesrepublik gab es noch nie so umfassende Eingriffe in die Grundrechte“

DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph hat mit Heribert Prantl gesprochen. Der prominente Journalist und Jurist warnt davor, dass der Staat die...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanz-Insider: Der Euro ist unrettbar verloren

Durch eine Reihe extremer Maßnahmen ist es EZB und Politik noch einmal gelungen, den Zerfall der Eurozone abzuwenden. Doch die sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Hoffnung auf Bitcoin-ETF treibt Kryptowährung Richtung Allzeithoch

Bitcoin hat am Wochenende einmal mehr Anlauf auf sein Rekordhoch genommen. Namhafte Investoren und die Hoffnung auf einen neuen...

DWN
Politik
Politik Eine neue Geldtheorie soll den sozialistischen Green New Deal durchsetzen

Mit der Umsetzung einer neuen Geldtheorie soll der internationale Green New Deal durchgesetzt werden. Dadurch werde Kritikern zufolge die...

DWN
Deutschland
Deutschland Knaller-Urteil in Weimar: Keine Masken und kein Mindestabstand mehr für Schüler – Kindeswohl gefährdet

Das Amtsgericht Weimar hat entschieden, dass die Maskenpflicht, Mindestabstände und Schnelltests in Schulen nicht zulässig sind. All...

DWN
Deutschland
Deutschland Arbeitsminister Heil lehnt höheren Hartz IV-Regelsatz für Lebensmittel ab

Das Bundesarbeitsministerium will die Hartz IV-Regelsätze für Lebensmittel nicht erhöhen. Dabei können sich bereits heute viele Hart...

DWN
Politik
Politik Österreich: Im Westen verankert, den Blick nach Osten

In der zwölften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie befasst sich Moritz Enders mit Österreich. Er analysiert die...