Corona stürzt den Kakao-Preis in einen Bärenmarkt

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
05.07.2020 14:38
Der abstürzende Kakaopreis spiegelt nicht nur Angebot und Nachfrage bei dem Rohstoff selbst wider, sondern ist auch ein nützlicher Indikator für die globale wirtschaftliche Aktivität.
Corona stürzt den Kakao-Preis in einen Bärenmarkt
Ein Gutes hat die Corona-Krise: Kakao dürfte billiger werden. (Foto: dpa)
Foto: Wolfgang Kumm

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der vierteljährliche Kakao-Terminkontrakt für September am Intercontinental Exchange (ICE) handelte am Mittwoch bei 2169 Dollar pro Tonne. Dies war der tiefste Stand seit August letzten Jahres und ein Minus um etwa ein Viertel seit Februar. Damit befindet sich der Kakao sozusagen in einem Bärenmarkt.

Der starke Preisrückgangs im Verlauf der letzten Monate lässt sich zum einen auf die geringe Nachfrage nach Kakao infolge der globalen Wirtschaftskrise zurückführen. Zum anderen scheint es dieses Jahr eine gute Ernte zu geben, sodass das Angebot an Kakaobohnen den Preis zusätzlich unter Druck setzt.

Elfenbeinküste erwartet gute Ernte

Die starken Regenfälle der letzten Woche in den meisten Kakaogebieten der Elfenbeinküste lassen auf eine gute Ernte im Oktober hoffen. Allerdings hat die hohe Luftfeuchtigkeit dazu geführt, dass auf einigen Bohnen der derzeit laufenden Zwischenernte Schimmelpilze wachsen, sagten die Bauern am Montag.

Die Elfenbeinküste ist weltweit führend bei der Produktion von Kakao. Das Land befindet sich gerade mitten in der Regenzeit. Wenn die starken Regenfälle im Juli anhalten, wird die Haupternte von Oktober bis März früh beginnen, sagen die Bauern. Zudem würden die Erträge dann bis Ende 2020 gut ausfallen.

"Fast überall im Busch blühen die Bäume gut. Das ist ein gutes Zeichen für die Haupternte", zitiert Reuters den Landwirt Mathias Assemian, der in der zentral-westlichen Region Daloa tätig ist, wo ein Viertel der Kakaobohnen der Elfenbeinküste produziert werden. Laut Daten von Reuters betrugen die Niederschläge in Daloa vergangene Woche 27 Millimeter und lagen damit 0,7 mm über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Auch in der westlichen Region Man und in der östlichen Region Abengourou lagen die Niederschläge über dem Durchschnitt. In der westlichen Region Soubre, der südlichen Region Divo und der zentralen Region Bongouanou waren die Niederschläge unterdurchschnittlich, aber die Landwirte sagen, dass der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens für die Ernte ausreiche.

In der südlichen Region Agboville, wo in der vergangenen Woche 111,2 mm Niederschlag verzeichnet wurden (59,7 mm über dem Durchschnitt) sagen die Bauern, es sei schwierig, die Bohnen wegen der nassen und wolkigen Bedingungen richtig zu trocknen. "Alle Käufer sagen, dass unsere Bohnen sehr feucht sind, und oft sprechen sie von Schimmel", sagte Landwirt Constant Ello in der Nähe von Agboville.

Kakaopreis als wirtschaftlicher Indikator

Die Schokoladenunternehmen verzeichnen längst einen starken Umsatzrückgang, da Restaurants, Ferienorte, Kinos, Konzerte und andere Formen der Unterhaltung geschlossen waren und vielerorts weiterhin geschlossen sind. Zudem sind die Einkommen auf der ganzen Welt von den Corona-Maßnahmen schwer beeinträchtigt, sodass Konsumenten deutlich weniger Geld ausgeben werden als im Vorjahr.

Und davon ist offensichtlich nicht nur der Kakaopreis betroffen. So wurde etwa der Kaffeepreis durch die Corona-Krise sogar auf ein 15-Jahres-Tief gedrückt. Offenbar erwarten Investoren für die absehbare Zukunft einen schwachen Konsum. Hoffnungen auf eine schnelle Erholung von den verheerenden Corona-Maßnahmen werden voraussichtlich schwer enttäuscht werden.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Maas und Lawrow weisen US-Druck gegen Nord Stream 2 zurück

Trotz zahlreicher Streitthemen waren sich Bundesaußenminister Maas und sein russischer Amtskollege Lawrow bei ihrem Treffen in Moskau...

DWN
Politik
Politik Eklat in Moskau: Lawrow wirft Bundesregierung Cyber-Angriffe auf Russland vor

Russlands Außenminister Lawrow hat bei seinem Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Maas in Moskau einen schweren Vorwurf geäußert....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Maschinenbauer klagen über zunehmende Verzerrung des Wettbewerbs

Deutschlands Maschinenbauer beklagen, dass die zunehmende Exportförderung in anderen Staaten den Wettbewerb verzerrt. Ihre Hoffnung setzen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung prüft weitere Staatsbeteiligungen an 14 Konzernen

Die Bundesregierung prüft nach dem Einstieg bei der Lufthansa weitere Beteiligungen an von der Corona-Krise getroffenen Konzernen....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wie Deutschlands Krankenkassen von Corona profitieren - Corona-Ticker

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) haben wegen der Corona-Krise einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet. Lesen Sie dies und mehr...

DWN
Politik
Politik Türkei eskaliert Gasstreit mit Griechenland, plant Probebohrungen

Die Regierung in Ankara kündigte am Dienstag weitere Erkundungen und Probebohrungen im östlichen Mittelmeer an. Der Streit mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum vergeben Japans Banken so viele Kredite wie nie zuvor?

Innerhalb eines Monats haben Japans Banken Kredite im Umfang von umgerechnet 4,6 Billionen Euro vergeben - so viel wie nie zuvor. Doch an...

DWN
Politik
Politik Belarussische Oppositionsführerin setzt sich ins Ausland ab

Die in Belarus unter Druck stehende Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat sich aus Sicherheitsgründen nach Litauen abgesetzt....

DWN
Technologie
Technologie Russland lässt weltweit ersten Corona-Impfstoff zu

Russland hat als weltweit erstes Land einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Das kündigte Präsident Wladimir Putin an und...

DWN
Politik
Politik Gesamte „Russland-Affäre“ als Fälschung entlarvt: Kronzeuge belastet Hillary Clinton schwer

Das sogenannte "Steele-Dossier", welches Trump Verwicklungen mit dem Kreml sowie eine russische Einmischung in die US-Wahlen 2016 beweisen...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Bedrohliche Trends am Automarkt: Kaufprämie erzeugt Stagflation bei E-Autos

Die Situation am Automarkt verdunkelt sich. Die Nachfrage ist weg, die Produktion liegt brach. Und am Markt für E-Autos herrscht dank der...

DWN
Deutschland
Deutschland Pflicht zum Insolvenzantrag soll weiter ausgesetzt werden

Die große Koalition will die Insolvenz-Anmeldepflicht länger aussetzen. Nur vereinzelte Politiker warnen, etwa vor der Zunahme von...

DWN
Deutschland
Deutschland Zahlungsmoral der deutschen Firmen hat sich verschlechtert

Die Corona-Krise belastet einer Studie zufolge zunehmend das Zahlungsverhalten von Firmen in Deutschland. In einigen Branchen hat die...

DWN
Finanzen
Finanzen Die neue Weltmacht: Der digital-finanzielle Komplex

Die Zeiten, in denen das Wirtschaftsleben des Westens vom militärisch-industriellen Komplex dominiert wurde, sind vorbei. Mit dem...

celtra_fin_Interscroller