Wirtschaft

China treibt Seidenstraße voran: Immer mehr Züge rollen durch Asien nach Deutschland

Der Frachtverkehr auf der Schiene zwischen China und Deutschland nimmt zu. Die Zahlen reflektieren erste Erfolge der „Neuen Seidenstraße“.
23.08.2020 13:40
Aktualisiert: 23.08.2020 13:40
Lesezeit: 2 min
China treibt Seidenstraße voran: Immer mehr Züge rollen durch Asien nach Deutschland
China, Shanghai: Ein Güterzug wird verabschiedet. (Foto:dpa) Foto: Fang Zhe

Im Rahmen des chinesischen Projektes „Neue Seidenstraße“ (One Belt, One Road) nimmt der Bahntransport von chinesischen Waren nach Europa deutlich zu.

Im Juli wurden insgesamt 1.232 Frachtzüge von China nach Europa geschickt, ein Rekordwert und 68 Prozent mehr als noch im Vorjahresmonat. Überhaupt wurden dieses Jahr eine Reihe neuer Rekordzahlen aufgestellt. So stieg die Anzahl der Aufträge – nach Angaben der chinesischen Staatsbahn China State Railway Group – um 41 Prozent auf 6.354, und das Gesamtvolumen stieg um 73 Prozent auf 113.000 Standardcontainer.

Chinas Exporte konnten im Juli wieder zulegen und stiegen um 7,2 Prozent. Experten machten dafür vor allem medizinische Güter und technische Ausrüstung verantwortlich, die teilweise mit der Eisenbahn transportiert werden.

Fraglich ist allerdings, ob der Frachtzugverkehr auf den eurasischen Strecken im Durchschnitt überhaupt profitabel ist. Chinesische Subventionen sind auch im Kontext des Handelskrieges mit den USA ein Dauerthema, außerdem sollte man bei Zahlen von Staatsfirmen aus China grundsätzlich vorsichtig sein. Darüber hinaus machen Frachtzüge immer noch einen sehr geringen Teil der Logistik Chinas aus, die Schätzungen bewegen sich bei um die ein Prozent.

Wichtig: Die neue Seidenstraße ist kein reines wirtschaftliches Entwicklungsprojekt, sondern hat auch eine starke machtpolitische Dimension. China möchte seinen Einfluss in der Region vergrößern und die Transitländer in ökonomische und politische Abhängigkeit versetzen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass eine grenzüberschreitende Eisenbahninfrastruktur eine größere Einflusssphäre abdeckt als der Seehandel. Möglicherweise ist das der Grund für die Bestrebungen Chinas, den Eisenbahnverkehr weiter auszubauen.

Investitionen in die eurasische Infrastruktur

Für Zugstrecken zwischen China nach Europa gibt es zwei Hauptwege. Die südliche Route über Kasachstan und Südrussland sowie die nördliche Route durch Sibirien. Aktuell sind in diesem Zusammenhang zahlreiche Projekte in Entwicklung. In Kasachstan, einem der wichtigsten Umschlagsländer, finden derzeit zahlreiche Modernisierungen (Bahnhöfe, Gleise, grenzüberschreitende Terminals) und Bauvorhaben (Umgehungstrassen) statt. Im Iran werden Bahnstrecken massiv ausgebaut und modernisiert. Und in Montenegro befindet sich eine umfassende Erneuerung der Bahnverbindung nach Albanien in der Planungsphase.

Nach Informationen der Logistikfirma DSV sind die meisten Zugexporte aus China für Deutschland bestimmt. In Hamburg und Duisburg sind hierzulande die wichtigsten Terminals für Zugfracht.

Der Frachtzugverkehr könnte in Zukunft auch abseits der neuen Seidenstraße zunehmen, denn es gibt einige Vorteile gegenüber den klassischen Logistikwegen. Zugfracht ist deutlich schneller als Seefracht und kostengünstiger als Flugfracht. Es gilt allerdings noch zu beweisen, dass auch höhere Handelsvolumina effizient bewältigt werden können.

Perspektivisch gibt es außerdem ein Problem: Züge könnten theoretisch leichter manipuliert und damit auch die beförderte Fracht leichter gestohlen werden. Ein Gleis umzulegen und einen Sicherheitsmann auszuschalten verursacht wohl weitaus weniger Aufwand und Verhaftungsrisiko als ein riesiges Frachtschiff zu kapern oder einen Flughafen mit schwerer Beute zu verlassen.

Lars Bostelmann, Manager beim deutschen Logistikunternehmen Dachser, hat aber bislang keine Erfahrungen mit Frachtverlusten durch illegale Operationen gemacht: Dank einer Verplombung der Container und einer ausführlichen Kontrolle an den Terminals sei Diebstahl „kein Thema, mit dem wir uns bislang auseinandersetzten mussten“, äußerte er sich in einem Interview auf dem Portal trans.info.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...

DWN
Politik
Politik Brüssel hat ein neues Rezept, um öffentliche Aufträge noch komplizierter und teurer zu machen
09.09.2026

Je stärker die EU öffentliche Aufträge reformiert, desto weiter entfernen wir uns durch die Einhaltung der Regeln davon, das beste...