Finanzen

Federal Reserve kündigt neue Liquiditätsspritzen an - der Nachschub für das Finanzcasino ist gesichert, aber was passiert mit dem Dollar?

Das Schuldenrad dreht sich immer schneller. Kurz nach der umfangreichsten Flutung der Finanzmärkte mit Liquidität ihrer Geschichte kündigt die amerikanische Zentralbank neue „Konjunkturspritzen“ an.
02.09.2020 14:00
Lesezeit: 3 min
Federal Reserve kündigt neue Liquiditätsspritzen an - der Nachschub für das Finanzcasino ist gesichert, aber was passiert mit dem Dollar?
Spielautomaten in einem Casino. (Foto: dpa) Foto: Marcel Kusch

Nach ihrem jüngsten geldpolitischen Strategieschwenk – welcher im Kern eine deutlich über der bisherigen Höchstmarke von 2 Prozent liegenden Inflation über längere Zeit erlaubt – wird die US-Notenbank Federal Reserve System voraussichtlich noch dieses Jahr neue Konjunkturspritzen aufziehen.

Die als eine der Architekten der überarbeiteten Strategie geltende Direktorin Lael Brainard signalisierte am Dienstag, dass bereits in den "kommenden Monaten" dafür Bedarf bestehen dürfte: Da die wirtschaftliche Erholung wohl noch eine Zeit lang auf Gegenwind durch die Corona-Pandemie treffen werde, müsse die Fed von Stabilisierung auf einen stärker konjunkturstimulierenden Kurs umschwenken. Als Kompass solle ihre dabei die neue Strategie dienen.

Die vorige Woche vorgestellte überarbeitete Fassung bietet mehr Spielraum beim Ansteuern des Inflationsziels. Demnach könnte die Fed die Teuerungsrate für einen längeren Zeitraum über dem angepeilten Idealwert halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben ist – was in den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich der Fall war. Die Zentralbank sagt damit ganz offen, dass sie in Zukunft hohe Inflationsraten wünscht und diese zulassen wird. Profiteure dieser Entwicklung sind in erster Linie Schuldner und Schuldenstaaten, weil die reale "Last" der Schulden mit steigender Inflation abnimmt. Die großen Verlierer sind die Sparer und Bürger, weil die Kaufkraft ihrer Ersparnisse und Einkommen angesichts der steigenden Preise abschmilzt.

Laut Brainard ist es wichtig, dass die Fed die erforderlichen konjunkturstimulierende Maßnahmen einleitet, um die Ziele mit der Zeit auch zu erreichen. Auch wenn die US-Wirtschaft durch den Corona-Schock einen Aderlass von 13 Millionen Jobs gegenüber dem Vorkriseniveau zu verzeichnen habe, werde die Fed mit der neuen Strategie in eine bessere Lage versetzt, eine "vollständige und zügige Erholung" zu unterstützen.

Die Fed hat in der Coronakrise unter anderem zahlreiche Kreditprogramme aufgelegt und den Leitzins auf die Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gesenkt, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Brainards Zeitplan lässt darauf schließen, dass die Fed nach den am 3. November anstehenden Wahlen weitere Konjunkturhilfen auf den Weg bringen dürfte. Die Notenbank entscheidet am 16. September wieder über den Leitzins. Danach steht erst am 5. November wieder eine reguläre Sitzung an - und somit nach den Wahlen, bei denen sich US-Präsident Donald Trump zur Wiederwahl stellt.

Die US-Notenbank hatte das Ziel Vollbeschäftigung bereits erreicht, bevor die Corona-Krise Massenarbeitslosigkeit auslöste - allerdings nur den offiziellen Arbeitslosenstatistiken zufolge. In Wahrheit herrscht in den USA seit Jahren eine hohe verdeckte Arbeitslosigkeit, welche aus den Statistiken wegretuschiert wird und die sich nach Einschätzung des Ökonomen Michael Bernegger je nach Region des Landes und Branche auf bis zu einem Drittel belaufen könnte. Bei der Inflation hat die Fed das Ziel von zwei Prozent jedoch über weite Strecken nicht erreicht - wohl auch, weil der Trend zur Digitalisierung und zum Online-Geschäft dem Preisauftrieb entgegenwirkt.

Der Betrieb im Casino wird aufrechterhalten - aber was passiert mit Dollar und Staatsschulden?

Der Finanzdienstleister Solvecon kommentiert die Ankündigung vornehmlich mit Blick auf die Bedeutung für die Staatsschulden und den Dollar in seiner Stellung als Weltleitwährung:

Nach ihrem Strategieschwenk wird die Fed neue Konjunkturunterstützungen liefern. Diese Ansage überrascht nicht, denn der Strategieschwenk der US-Notenbank implizierte bereits die Erkenntnis in der US-Notenbank, dass die selbsttragenden Kräfte der US-Wirtschaft zu unausgeprägt waren und sind (Fed-Gouverneur Evans mag sich an unsere Gespräche in Stockholm und Frankfurt erinnern).

Um das zu untermauern, erlauben wir uns, die Neuverschuldungsdaten des öffentlichen Haushalts in diesem Kalenderjahr anzuführen. Wir bedienen uns der Daten der US-Treasury. Die Neuverschuldung liegt per 31. August bei 3.527 Mrd. USD oder circa 17,6% des BIP. Die Gesamtverschuldung der USA mit 26.728,8 Mrd. USD entspricht bezüglich der aktuellen BIP-Daten circa gut 130% des BIP. Keine andere größere Wirtschaftsnation hat eine derartige negative Verschuldungsdynamik in dieser Krise aufzuweisen. China schon gleich gar nicht.

Zurück zu der Fed-Direktorin und ihren Einlassungen: Die als eine der Architektinnen der neuen Strategie geltende Direktorin Lael Brainard signalisierte, dass in den kommenden Monaten Bedarf für weitere Unterstützung seitens der US-Notenbank bestehen dürfte. Die wirtschaftliche Erholung würde noch eine Zeit lang durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt werden. Entsprechend müsse die Notenbank einen stärker konjunkturstimulierenden Kurs forcieren. Nein, Frau Brainard, es liegt nicht nur an der Pandemie, es liegt maßgeblich an den Ökonomie-Strukturen und nicht vorgenommenen Reformen (Unterschied zu Eurozone)! Die überarbeitete Fassung hinsichtlich der Inflationsbewertung biete laut Brainard mehr Spielraum für diesen Politikansatz der US-Notenbank. Die Fed könne höhere Inflationsraten länger über dem Zielwert (circa 2%) halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben sind. Das Ziel der Vollbeschäftigung dominiert in der neuen Fed-Doktrin das Thema Geldwertstabilität. Am Devisenmarkt darf man sich fragen, ob dieser Politikansatz des reformfreien den Wert des USD stützt und die Rolle des USD auf internationalem Parkett tiefer verankert oder das Gegenteil bewirken wird.

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