Politik

Anti-Corona-Protest in Italien: Papst-Gegner Erzbischof Carlo Maria Viganò spielt wichtige Rolle

Am Wochenende demonstrierten zahlreiche Italiener gegen die Corona-Maßnahmen und gegen die Maskenpflicht. Eine bedeutende Rolle bei der Mobilisierung der Corona-Gegner spielt der Papst-Gegner und Trump-Unterstützer Erzbischof Carlo Maria Viganò.
07.09.2020 10:59
Aktualisiert: 07.09.2020 10:59
Lesezeit: 3 min
Anti-Corona-Protest in Italien: Papst-Gegner Erzbischof Carlo Maria Viganò spielt wichtige Rolle
Ein Gläubiger hält am 20. November 2016 ein Bild von Jungfrau Maria und Jesus Christus. (Foto: dpa) Foto: Giuseppe Lami

Etwa 1.500 Menschen demonstrierten am 5. September 2020 im Zentrum Roms gegen Italiens Corona-Vorschriften. Unter den weniger als 2.000 erwarteten Demonstranten befanden sich Anhänger der rechten Partei Forza Nuova (FN), Anti-Impfstoff-Aktivisten und der Popolo delle Mamme-Bewegung sowie Parteilose.

„Warum bin ich auf der Piazza? Ich bin Vater von drei Kindern und weil ich Arbeiter bin. Weil Sperren und abscheuliche Richtlinien uns an den Rand des Hungers gebracht haben. Schande über euch alle, Betrüger. Ich bin ein freier Mann wie jeder hier heute. Ich trage keine Maske“ sagte FN-Chef Giuliano Castellino von der Bühne.

Die Demonstranten auf der Piazza Bocca della Verità schimpften gegen die Regierungspolitik, insbesondere gegen die sogenannte „Gesundheitsdiktatur“ und die „Impfpflicht“ sowie gegen die Verpflichtung, Masken zu tragen.

Einige der Plakate bezeichneten die Regierung als „Verbrecher und Mörder“, während ein Demonstrant ein Foto von Papst Franziskus mit dem Wort „Satan“ und der Nummer 666 in den Händen trug. Es gab auch ein Bild von Bill Gates mit der Aufschrift „Antichrist“.

Demonstranten skandierten „Keine Maske“, „Hände weg von den Kindern“ und „Wahrheit“. Die Kundgebung wurde von der Bürgermeisterin von Rom, Virginia Raggi, dem Gouverneur von Latium, Nicola Zingaretti, und dem italienischen Gesundheitsminister Roberto Speranza verurteilt.

Viganòs Ansichten zur Corona-Krise

Erzbischof Carlo Maria Viganò, der in Gegnerschaft zum aktuellen Papst und zur finanziellen Misswirtschaft des Vatikans steht, hatte die Kundgebung unterstützt. „Die Pharmaunternehmen wollen mit dem Verkauf von Medikamenten und Impfstoffen Geld verdienen. Wenn die Beseitigung von Krankheiten und die Herstellung wirksamer Medikamente zu einer Verringerung der Anzahl der Patienten und damit des Gewinns führt, ist es zumindest logisch zu erwarten, dass Medikamente unwirksam sind und dass Impfstoffe ein Instrument sind, um die Krankheiten zu verbreiten, anstatt sie auszurotten. Und genau das passiert tatsächlich. Wie können wir denken, dass die Suche nach Heilmitteln und Therapien gefördert wird, wenn diejenigen, die sie finanzieren, überproportional von der Persistenz der Pathologien profitieren?“, so Viganò.

Der Erzbischof hatte im Juni 2020 einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er meinte, dass die Anti-Rassismus-Proteste in den USA lediglich dem Zweck dienen, US-Präsident Donald Trump zu stürzen. „Es ist ziemlich klar, dass der Einsatz von Straßenprotesten für diejenigen von entscheidender Bedeutung ist, die sich wünschen, dass bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen jemand gewählt wird, der die Ziele des tiefen Staates verkörpert (…) Es wird nicht überraschen, wenn wir in einigen Monaten wieder erfahren, dass hinter diesen Akten des Vandalismus und der Gewalt diejenigen verborgen sind, die hoffen, von der Auflösung der sozialen Ordnung zu profitieren, um eine Welt ohne Freiheit aufzubauen“, so Viganò. US-Präsident Trump teilte daraufhin über Twitter mit, dass er sich durch die Worte des Erzbischofs geehrt fühle.

Diese und weitere Aussagen des Erzbischofs führten dazu, dass er international als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet wurde. Im Mai 2020 gehörte er zu den Mitunterzeichnern eines Corona-Manifests, in dem große Zweifel an der Corona-Krise geäußert wurden. Viganò meint zudem, dass die Corona-Krise gezielt genutzt wird, um eine „Weltregierung zu schaffen“.

Auf katholisch.de erschien ein kritischer Artikel unter dem Titel „Erzbischof Viganò: Vom Nuntius zum Verschwörungstheoretiker.“

Der orthodoxe Rabbiner Jehoschua Ahrens hatte nach der Veröffentlichung des Manifests in einem Interview mit der „Jüdischen Allgemeine“ gesagt: „Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass es Menschen auch innerhalb der Kirchen gibt, die solchen Theorien anhängen. Aber jetzt trauen sie sich, diese Meinungen noch offener zu äußern“.

Viganò reagierte auf Ahrens. Katholisch.de wörtlich: „Er hätte niemals gedacht, so Viganò weiter, dass sein Aufruf Ahrens' beleidigen könne. ,Zudem: Aus welchem Grund sollte sich ein Rabbiner kritisiert fühlen, wenn von einer neuen Weltordnung die Rede ist?‘, schreibt der ehemalige Apostolische Nuntius.“

Allerdings müsste Viganò hier klar gewesen sein, dass seine Ausführungen eben auch Antisemiten bestärken.

Rom verlängert Corona-Maßnahmen

Die italienische Regierung verlängert laut Medienberichten die zentralen Coronaschutz-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln. Viele bisherige Vorschriften galten offiziell nur bis Montag. Wie die Zeitung „Corriere della Sera“ am Sonntag schrieb, verlängert Ministerpräsident Giuseppe Conte die Vorschriften zur Bekämpfung der Virus-Pandemie in einem neuen Dekret bis 30. September.

Demnach gilt in Italien in öffentlichen Gebäuden und Transportmitteln die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Busse dürfen künftig bis zu 80 Prozent besetzt sein. Menschen sollen überall einen Abstand von mindestens einem Meter halten. Größere Ansammlungen sind weiter verboten.

Nach Angaben der „La Repubblica“ bleiben auch die Beschränkungen für Einreisende aus Kroatien, Griechenland, Spanien und Malta in Kraft. Sie müssen einen negativen Corona-Test vorweisen. Außerdem werde das Verbot von Tanzveranstaltungen und Konzerten aufrecht erhalten. Auf Plätzen und an anderen Orten, wo sich abends oft viele Italiener draußen treffen, muss von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr ebenfalls ein Atemschutz getragen werden. Fußballspiele mit Fans bleiben verboten. Es wurde erwartet, dass das Dekret in Kürze publiziert wird.

In Italien war die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus am Freitag mit über 1.700 Fällen auf den bis dahin höchsten Wert seit Anfang Mai gestiegen. Am Samstag verzeichneten die Behörden dann 1.695 Fälle in 24 Stunden und 16 neue Todesfälle. Experten betonen weiter, dass die Pandemie unter Kontrolle sei. Insgesamt haben sich in Italien gut 276.000 Menschen nach offiziellen Angaben mit dem Coronavirus infiziert. Es gab mehr als 35.500 Corona-Tote.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...