Politik

Russlands Top-Spion: USA finanzieren Proteste in Weißrussland mit 20 Millionen Dollar

Der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR erklärte, Washington habe etwa 20 Millionen US-Dollar für die Durchführung regierungsfeindlicher Demonstrationen in Weißrussland bereitgestellt. Auf die Frage der Fox News-Moderatorin Laura Ingraham, ob sich die USA in die Wahlen anderer Länder einmischen, hatte der ehemalige CIA-Chef James Woolsey zuvor gesagt: “Nun, nur aus einem sehr guten Grund - im Interesse der Demokratie."
17.09.2020 11:05
Aktualisiert: 17.09.2020 11:05
Lesezeit: 2 min
Russlands Top-Spion: USA finanzieren Proteste in Weißrussland mit 20 Millionen Dollar
23.08.2020, Belarus, Minsk: Menschen fotografieren von einem Dach aus, wie belarussische Oppositionsanhänger mit einer riesigen alten belarussischen Nationalflagge zum Unabhängigkeitsplatz marschieren. (Foto: dpa) Foto: Evgeniy Maloletka

Kurz nachdem Moskau am Dienstag angekündigt hatte, dass russische Reserveeinheiten von der litauischen Grenze abgezogen werden sollen, hat der Direktor des russischen Geheimdienstes SVR, Sergey Naryshkin, Aussagen getroffen, die das Verhältnis zwischen den USA und Russland stören könnten.

Der mächtige Geheimdienstchef beschuldigte die USA, die Unruhen in Weißrussland „inszeniert“ zu haben, die seit der Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko am 9. August versucht haben, ihn zu stürzen, so Veja.com.

Er sagte, dass US-Geheimdienste und NGOs die Proteste mit mehreren zehn Millionen Dollar finanziert hätten. Allein in den Straßen von Minsk sind die Proteste an den vergangenen Wochenenden nach den meisten Schätzungen auf 100.000 Menschen angewachsen. „Obwohl Washington öffentlich versucht, sich im Hintergrund zu halten, haben die Amerikaner nach Beginn der massiven Straßendemonstrationen die Finanzierung der weißrussischen regierungsfeindlichen Kräfte in zweistelliger Millionenhöhe erhöht“, so Naryshkin.

Die Demonstrationen seien von Anfang an gut organisiert gewesen und wurden aus dem Ausland koordiniert. Er meint: „Es ist bemerkenswert, dass der Westen lange vor den Wahlen die Grundlagen für die Proteste geschaffen hat. Die Vereinigten Staaten haben 2019 und Anfang 2020 verschiedene NGOs eingesetzt, um etwa 20 Millionen US-Dollar für die Durchführung von Demonstrationen gegen die Regierung bereitzustellen.“

Die Kampagne sei unter dem Deckmantel „angeblich unabhängige Blogger“ befeuert worden. Der SVR-Direktor beschrieb ein klassisches Szenario der „Farbrevolution“ und hob die Beteiligung von US- und EU-NGOs hervor, die Schulungen in osteuropäischen Ländern und Grenzstaaten zu Russland anboten.

„Einige von ihnen wurden in Polen, Litauen und der Ukraine ausgebildet, wo erfahrene US-Ausbilder sie trainierten, um ,gewaltfreie Proteste‘ zu veranstalten“, so Naryshkin.

Auf die Frage der Fox News-Moderatorin Laura Ingraham, ob sich die USA in die Wahlen anderer Länder einmischen, sagte der ehemalige CIA-Chef James Woolsey: “Nun, nur aus einem sehr guten Grund - im Interesse der Demokratie."

Woolsey und Regime-Change

Woolsey diente als CIA-Direktor unter dem ehemaligen Präsidenten Clinton. Woolsey ist nach wie vor an Projekten beteiligt, die Einfluss auf das politische Geschehen in anderen Staaten nehmen sollen. Beispielsweise soll das Open Society Institute des US-Investors George Soros in Zusammenarbeit mit den US-NGOs United States Agency for International Development (USAID), National Endowment for Democracy (NED), Project for the New American Century (PNAC) die mazedonischen Massenproteste gegen die Regierung in Skopje organisiert haben. Für den Vorstoß sollen Soros und die NGOs das Zentrum für angewandte gewaltlose Aktion und Strategien (Canvas) eingesetzt haben. Aus Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass Canvas unter anderem von den US-Organisationen Freedom House, the International Republican Institute, NED, Open Society Institute, United States Institute of Peace und USAID finanziert wird. Das französische Institut Centre français de recherche sur le renseignement (CF2R) berichtet, dass der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey für die Ausbildung von Canvas-Aktivisten zuständig ist.

Der pensionierte US-Oberst Robert Helvey und Mitarbeiter der Defense Intelligence Agency (DIA) und weitere ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter agieren als „Trainer“ von Demonstranten und Aktivisten, berichtet George N. Katsiaficas in seinem Buch „Asia's Unknown Uprisings“.

Canvas gilt als operatives Zentrum der US-Organisationen, die Regime-Changes durchführen.

Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August kommt es täglich zu Demonstrationen gegen Lukaschenko. Er hatte sich 80,1 Prozent der Stimmen zusprechen lassen, um nach 26 Jahren weiter an der Macht zu bleiben. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Sie ist ins EU-Land Litauen geflohen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Luxusyachten im Stau: Liegeplätze werden zum Milliardenmarkt
05.11.2026

Luxus auf hoher See, Parkplatznot im Hafen: Immer mehr Millionäre kaufen sich eine Yacht, doch die Zahl der Liegeplätze wächst kaum. Im...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: „Blaue Welle“ lässt Aktienmärkte steigen – Ölpreise auf Talfahrt
04.11.2026

Erfahren Sie, wie die neuesten politischen Entwicklungen in den USA die Finanzmärkte bewegen und welche Branchen jetzt im Fokus stehen.

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031 geplant: Stromverbraucher sollen neue Gaskraftwerke finanzieren
04.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...