Politik

Trump droht mit Anwälten: Hat der Präsident die Wahlen bereits verloren gegeben?

Donald Trump will "Rechtsanwälte losschicken". Dabei weiß er noch gar nicht, wie die Wahlen ausgehen
03.11.2020 17:07
Lesezeit: 2 min

Glaubt Donald Trump nicht mehr an einen regulären Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl? Eine von ihm gegenüber Reportern am Wochenende getätigte Aussage legt dies nahe. Der Präsident sagte: „Sowie diese Wahl vorüber ist, werden wir unsere Rechtsanwälte losschicken.“

Trumps Aussage, er werde seine Rechtsanwälte bemühen, steht im Einklang damit, dass die Republikaner in mehreren Fällen Rechtsmittel gegen die Stimmenzählung eingelegt haben. Bei Versuchen, Auszählungsbeobachtern mehr Rechte zu verschaffen, waren sie teilweise erfolgreich. Forderungen, Briefwahlstimmen für nichtig zu erklären sowie die – in den USA übliche – Auszählung lange nach Ende der Wahl zu verhindern, wurden von den Gerichten jedoch größtenteils abgewiesen.

Trump kann nicht auf den Supreme Court zählen

In diesem Zusammenhang muss auf einen wichtigen Umstand hingewiesen werden: Anders als – gerade und vor allem auch in Deutschland – immer wieder von links(liberaler) Seite behauptet, kann Trump nicht darauf hoffen, dass der Supreme Court (das oberste Gericht der USA), sich automatisch auf seine Seite schlägt. Das Gericht ist zwar mehrheitlich konservativ besetzt (das Verhältnis konservativer zu liberaler Richter beträgt sechs zu drei), was aber nicht bedeutet, die Richter würden konservative Politik machen – stattdessen erfüllen sie die ihnen obliegende Aufgabe, nämlich die Verfassung zu interpretieren. Darauf hatten die DWN in einer langen Analyse bereits hingewiesen. Im konkreten Fall hatten die Republikaner im hart umkämpften Bundesstaat Pennsylvania dagegen geklagt, dass Stimmen, die – ihrer Interpretation nach – zu spät eintreffen, mitgezählt werden (überdurchschnittlich viele Demokraten wählen per Brief, republikanische Wähler bevorzugen das Wahllokal). Das oberste Gericht des Bundesstaates hatte die Klage abgewiesen; als die Republikaner den Supreme Court anriefen, ließ dieser die Revision nicht zu.

Biden benötigt noch einen Staat

Hintergrund: Der Mehrheit der Umfragen zufolge führt Biden. Der Vorsprung des 77-jährigen ist in den letzten Tagen zwar leicht geschrumpft, aber immer noch deutlich. Prinzipiell lassen sich die 50 Bundesstaaten in fünf Kategorien einteilen:

  1. Diejenigen, bei denen sicher davon ausgegangen werden kann, dass Trump gewinnt.
  2. Diejenigen, bei denen es wahrscheinlich ist, dass Trump gewinnt.
  3. Diejenigen, bei denen sicher davon ausgegangen werden kann, dass Biden gewinnt.
  4. Diejenigen, bei denen es wahrscheinlich ist, dass Biden gewinnt.
  5. Diejenigen, die umkämpft sind.

Es gibt nicht die eine Umfrage, die Anspruch erheben kann, genauer zu sein als alle anderen. Der Durchschnittswert aller seriösen Umfragen zeigt allerdings, dass es Biden reichen würde, alle diejenigen Staaten zu gewinnen, in denen er favorisiert ist, plus einen der umkämpften Staaten. In Wahlmännerstimmen ausgedrückt (es sind 538 Stimmen zu verteilen; für den Gesamt-Sieg benötigt ein Kandidat also 270 Stimmen): Trump liegt derzeit bei 125 (Nummer 1. und 2. der obigen Listung), Biden bei 258 (Nummer 3. und 4.). Umkämpft sind 155 (auf acht Staaten verteilt). Derzeit führt Biden in vier dieser Staaten, Trump in drei, in einem steht es Unentschieden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
USA
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...