Deutschland

Commerzbank streicht 2.300 Stellen, Betriebsrat stimmt zu

Die Commerzbank hat sich mit dem Betriebsrat auf einen massiven Stellenabbau geeinigt.
28.12.2020 12:59
Lesezeit: 2 min
Commerzbank streicht 2.300 Stellen, Betriebsrat stimmt zu
1.03.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Die Zentralen von Deutscher Bank (l) und Commerzbank (hinten rechts) stehen in der Innenstadt. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Die Commerzbank hat sich mit dem Betriebsrat auf einen Stellenabbau geeinigt.

Für den Abbau von 2300 Stellen fallen bis 2024 insgesamt Kosten von 610 Millionen Euro an, wie die Commerzbank am Montag mitteilte. Entsprechende Rückstellungen werde das Geldhaus in der Bilanz für das vierte Quartal 2020 verbuchen. Die Bank dürfte daher für das laufende Jahr einen deutlichen Verlust ausweisen.

Die Commerzbank hatte im Herbst 2019 im Rahmen ihrer Strategie 5.0 einen Stellenabbau angekündigt. Investoren gingen die Pläne jedoch nicht weit genug. Seit Monaten feilt der Konzern daher an zusätzlichen Sparplänen, dem Tausende zusätzliche Jobs zum Opfer fallen dürften.

Manfred Knof tritt kein leichtes Erbe an. Bei der Commerzbank steht nach roten Zahlen im Corona-Jahr 2020 eine Verschärfung des Sparkurses auf der Agenda. Aktionäre und Investoren erwarten rasche Entscheidungen von dem Ex-Deutsche-Bank-Manager, der zum 1. Januar den Vorstandsvorsitz bei der Commerzbank übernimmt.

„Es wird wichtig sein, eine ausgewogene Mischung aus Schnelligkeit, Präzision und qualitätsgesicherter Umsetzung bei der neuen Strategie zu finden», sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann. Er setze darauf, dass der neu zusammengesetzte Vorstand den künftigen Kurs mit den Arbeitnehmervertretern abstimmen werde und „dabei die Belange der Belegschaft immer fest im Blick hat“. Der Gewerkschaftsvertreter, der Mitglied des Commerzbank-Aufsichtsrates ist, betonte: „Personalabbau ohne vorherige tatsächliche Reduzierung der Tätigkeiten und Anforderungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht ist für uns nicht vorstellbar.“

Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter, der selbst erst seit Anfang August im Amt ist, hat bereits eine schonungslose Analyse vorgenommen: Bei dem seit der Finanzkrise 2009 teilverstaatlichten Institut gebe es „in Sachen Effizienz und Profitabilität (...) noch Luft nach oben“, befand der einstige Landesbanker kurz nach seinem Antritt bei der Commerzbank. „Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind.“

Während in der gesamten Branche seit Jahren in großem Stil Filialen geschlossen werden, hielt die Commerzbank lange an ihrem dichten Netz fest, feilte vor allem am Zuschnitt der jeweiligen Standorte. Inzwischen ist beschlossen, dass 200 Geschäftsstellen, die wegen der Corona-Pandemie zeitweise geschlossen waren, gar nicht wieder geöffnet werden. Damit macht die Commerzbank jede fünfte ihrer Filialen dicht - und das könnte erst der Anfang sein.

Erwartet werden angesichts fortschreitender Digitalisierung weitere drastische Einschnitte im Filialnetz der Commerzbank. Beantworten muss das Management dabei auch die Frage, welche Rolle die inzwischen komplett übernommene Online-Tochter Comdirect spielen soll. Im Sommer lagen Pläne auf dem Tisch, wonach von ursprünglich 1000 Commerzbank-Filialen gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Die Zahl der zuletzt knapp 40 000 Vollzeitstellen bei der Commerzbank könnte um bis zu ein Viertel zusammengestrichen werden.

Doch der Konzernumbau geriet ins Stocken, weil nach einem überraschenden Doppelrücktritt erst die Spitzen von Vorstand und Aufsichtsrat neu besetzt werden mussten. Konzernchef Martin Zielke schmiss nach harscher Kritik von Investoren hin und verlässt die Bank zum Jahresende 2020, der damalige Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ging bereits Anfang August.

Was die Lage nicht einfacher macht: Der Vorstand wurde auf weiteren Schlüsselpositionen neu besetzt. Das Privatkundengeschäft führt Personalchefin Sabine Schmittroth seit Oktober interimistisch, das Firmenkundengeschäft bekommt zum 1. Januar in Michael Kotzbauer einen neuen Vorstand.

Dass der im Herbst 2019 eingeschlagene Sparkurs verschärft wird, daran ließ das Management zuletzt keinen Zweifel. Von einer „Neuausrichtung der Bank“ sprach Finanzvorständin Bettina Orlopp Anfang November. „Für weitere Einsparungen haben wir die Voraussetzungen geschaffen.“ Orlopp zeigte sich zuversichtlich, „im ersten Quartal Ergebnisse präsentieren zu können“.

Zeit zur Umsetzung der Pläne bekommt der Jurist Knof, der unter beim Versicherungsriesen Allianz die Digitalisierung vorantrieb, bei der Commerzbank reichlich: Der Manager erhielt einen Fünf-Jahres-Vertrag. Absehbar ist: Das Jahr 2021 wird für die Commerzbank ein weiteres Jahr des Umbruchs. Analysten gehen davon aus, dass das Institut erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Run aufs weiße Gold: Warum Deutschland zum Lithium-Produzenten werden kann
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für die Zukunftstechnologie. Rohstoffknappheit und der anhaltende KI-Boom...

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...