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Nebenwirkungen der Digitalisierung: Volkswagen muss zehntausende Golf 8 zurückrufen

Lesezeit: 2 min
12.01.2021 11:26  Aktualisiert: 12.01.2021 11:26
Volkswagen muss zehntausende Fahrzeuge seiner neuesten Golf-Generation in die Werkstätten zurückholen. Die fortschreitende Digitalisierung der Autos führt zu einer gestiegenen Anfälligkeit für Störungen.
Nebenwirkungen der Digitalisierung: Volkswagen muss zehntausende Golf 8 zurückrufen
Präsentation des Golf 8. (Foto: dpa)

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Volkswagen hat auch nach dem Verkaufsstart des neuen Golf 8 mit Softwareproblemen zu kämpfen und muss Zehntausende Wagen seines Bestsellers in die Werkstätten rufen. Betroffen seien europaweit 56.000 Fahrzeuge der ersten Charge des Modells, die bis Juli vom Band gelaufen seien, sagte ein Sprecher am Dienstag. An den Wagen müsse ein Software-Update aufgespielt werden. Grund seien Ausfälle des Infotainment-Systems und der Rückfahrkamera bei einem Teil der Wagen. VW betonte, dass es sich nicht um einen vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückruf, sondern um eine "freiwillige Servicemaßnahme" handele.

Die Probleme wirkten sich auch auf den Aktienkurs von VW aus, das Papier verlor zeitweise 1,9 Prozent. Den Kunden will VW den Rückruf durch eine um ein Jahr verlängerte Garantie, einen kostenlosen Leihwagen für die Zeit des Werkstattaufenthalts und einen Servicegutschein schmackhaft machen. Zu den Kosten machten die Wolfsburger keine Angaben.

Nebenwirkungen der Digitalisierung

Die Software-Probleme beim Golf 8 sind nicht neu. VW hatte den Start des in Europa meistverkauften Modells bereits im vergangenen Jahr wegen Problemen verschieben müssen. Dies hatte den Betriebsrat aufgebracht und mit zu der Kritik an Konzernchef Herbert Diess beigetragen - unter anderem wurde ein öffentlicher Brandbrief verschickt.

Am Beispiel des Golf 8 aber auch des Elektroautos ID.3 werden die Tücken einer zunehmend Digitalisierung der Fahrzeuge deutlich. Die Autos bieten dadurch zwar zahlreiche über die reine Fahrleistung hinausgehende Funktionen (beispielsweise das oben erwähnte "Infotainment-System" oder die Rückfahrkamera), sind aber auch komplexer und deutlich anfälliger für Störungen als Autos, die nicht über solche Systeme verfügen.

So schrieb die Nachrichtenagentur dpa vor einigen Monaten in einem Bericht über den Golf 8 und den ID.3:

Wenn nichts anderes mehr geht, hilft manchmal nur noch der Griff zur Ratsche. Mit dem höchst analogen Drehwerkzeug soll so mancher VW-Mitarbeiter in Wolfsburg derzeit versuchen, den als digitales Meisterstück gepriesenen Golf 8 auf den letzten Metern flott zu bekommen. Ein Abklemmen der Batterie als Kaltstart, wie das Drücken der Reset-Taste am Computer - in der Hoffnung, dass die Software dann ohne Fehler frisch hochfährt. Die tieferen Ursachen im komplexen neuen IT-System zu finden, ist aber eine ganz andere Sache.

Einzelne sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer zunehmend gefährlichen Lage. Was passiert, falls Volkswagen die Schwierigkeiten bei seinem Kernprodukt nicht abstellen kann? Die Führungsetage wolle zu viel Neues auf einmal - und reiche große Teile der Verantwortung einfach nach unten durch. Betriebsratschef Bernd Osterloh schäumte schon im März im Rückblick auf die ehrgeizigen Ziele: "Die Folgen dieser unrealistischen Planungen sind ein völlig überzogener Druck auf die Kolleginnen und Kollegen an den Montagelinien." 2019 wurden nicht mal zehn Prozent der zuerst angepeilten 100 000 Golf 8 gebaut.

Vorstandschef Herbert Diess müsse bei der Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag nun dezidiert auf die anhaltenden Probleme eingehen, heißt es aus Kreisen der Kontrolleure. Dass die Software in vielen Exemplaren des Autos eine Art Sollbruchstelle ist, ist bereits länger deutlich. Öffentlich schwärmte Diess, der VW in die digitale Zukunft führen will, von einem der besten Anläufe, die es je gegeben habe. Manch ein Kollege an der Linie empfindet das als beinahe zynisch.


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