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Amazon: "Wir machen der Deutschen Post bestimmt keine Konkurrenz"

Ein Akteur, der stark von der Pandemie profitiert, ist Amazon. Wie der Konzern mit den Großpaketdiensten zusammenarbeitet, welche Künstliche Intelligenz er einsetzt und andere wichtige Fragen beantwortet Sprecherin Nadiya Lubnina im Gespräch mit den DWN.
17.01.2021 12:33
Lesezeit: 3 min
Amazon: "Wir machen der Deutschen Post bestimmt keine Konkurrenz"
Ein E-Fahrzeug von Amazon. (Foto: dpa)

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Ein Frankfurter Aktienanalyst glaubt, dass Sie zunehmend ein eigenes Netzwerk für den Versand aufbauen und damit der Deutschen Post – einem wichtigen Partner von Ihnen – direkte Konkurrenz machen. Dazu gehören insbesondere Packstationen. Stimmt das?

Nadiya Lubnina: Nein. Das trifft nicht zu. Die Deutsche Post und andere Großpaketdienste sind unsere Partner. Die logistische Infrastruktur, die wir für uns selbst ausbauen, machen wir komplementär – also ergänzend. Der Grund: Die Nachfrage der Kunden nach immer neuen Angeboten steigt, so dass wir diese zusätzlichen Kapazitäten einfach brauchen.

Beispielsweise verlangen unsere Kunden verstärkt Lieferungen, die bereits am darauffolgenden Tag an ihr Ziel gelangen. Es geht grundsätzlich nicht darum, die Deutsche Post und unsere bestehenden Partner zu ersetzen. Wir wollen halt lediglich weiterhin unseren Kunden einen guten und schnellen Service garantieren.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie sieht Ihre Struktur in Deutschland aus, um die Kunden zu bedienen?

Nadiya Lubnina: Die erste Meile besteht aus den Logistikzentren, die über riesige Hallen mit teilweise mehr als 100.000 Quadratmeter verfügen. Dort befindet sich die Ware, die der Kunde bestellt, wenn er im Netz auf den Button mit „Kaufen“ klickt. Dann erhält eines dieser Zentren den Auftrag und schickt die Pakete auf den Weg. Wir betreiben unser Netzwerk europaweit.

Das kann bedeuten, dass die deutschen Kunden die Ware zwar hierzulande bestellen, diese dann aber aus einem Lager erhalten, das nicht in Deutschland liegt. Dann durchläuft das Paket ein Sortierzentrum, wo die Sendungen ganz grob in die einzelnen Richtungen Norden, Süden, Osten oder Westen weitergeleitet werden – die sogenannte mittlere Meile. Dann kommt der letzte Schritt, zu denen die Verteilzentren gehören. Sie befinden sich zwischen 40 und 60 Kilometer von der Haustür des Kunden entfernt. Dazu gehört eine Künstliche Intelligenz, die die Routen berechnet.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Beschäftigen Sie dort Roboter? Wie funktioniert diese Technologie?

Nadiya Lubnina: Wir haben keine Roboter in den Verteilzentren. Die wesentliche Arbeit wird immer noch manuell ausgeführt. Was die Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber wesentlich unterstützt, sind elektronische Scanner, mit deren Hilfe sich die Ware registrieren lässt. Dadurch kann man später verfolgen, wo sich die Sendung befindet, die man zur Tür des Kunden schickt. Darüber hinaus werden hier die Bestellungen für die Fahrer vorsortiert, die die Ware schließlich ausliefern. Wenn der Fahrer bei uns ankommt, muss er nichts mehr machen. Er muss sich nur die Bestellung und die Route abzuholen, die wir berechnet haben.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie funktioniert denn die Künstliche Intelligenz?

Nadiya Lubnina: Wenn Sie in unsere Verteilzentren kommen, dann werden Sie die Technologie nicht sehen. Die Künstliche Intelligenz funktioniert ohne den manuellen Einsatz der Mitarbeiter nicht. Deswegen wird die menschliche Arbeitskraft auch immer wichtig bleiben. Dabei entwickeln wir uns ständig. Seitdem ich in der Firma beschäftigt bin, gibt es auch immer wieder neue Anwendungen. Dazu zählt beispielsweise die die sogenannte Stow-by-Light-Technologie, die Mitarbeiter anwenden, die nachts die Pakete für die Fahrer vorbereiten. Wenn die Angestellten die Sendungen scannen, dann leuchtet die entsprechende Tasche auf, in die sie das Paket stecken müssen. Wir achten sehr auf Sicherheit bei der Arbeit.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie achten Sie auf Sicherheit bei der Arbeit?

Nadiya Lubnina: Wir setzen niedrigere Gitterwagen als früher ein, um das Unfallsrisiko zu mindern. Bei höheren Wagen besteht die Gefahr, dass sich die Füße verletzen. Deswegen arbeiten alle unsere Mitarbeiter mit besonderen Sicherheitsschuhen. Wir entwickeln in enger Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder neue Lösungen. Wir nehmen ständig ihre Vorschläge an, wie wir etwas verbessern können.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie ist das Deutschland-Geschäft innerhalb des Amazon-Konzerns aufgestellt?

Nadiya Lubnina: In sämtlichen Logistikgebäuden arbeiten in Deutschland 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigen wir in Deutschland 23.000 festangestellte Mitarbeiter, europaweit: 135.000. Weltweit liegen die Zahlen bei etwa einer Million.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Der Konzern hat sich weltweit vorgenommen, bis zum Jahr 2040 kein Kohlendioxid mehr ausstoßen und klimaneutral sein Wie sieht es in Deutschland aus, wenn es um die Ausstattung der Fahrzeuge mit Antrieben geht, die weniger die Umwelt belasten?

Nadiya Lubnina: Wir sind in diesem Bereich in Deutschland gut unterwegs. Wir rüsten unsere bestehenden Verteilzentren mit entsprechender Lade-Infrastruktur nach. Beispielsweise wird in Essen bereits die Hälfte der Sendungen mit elektrischen Fahrzeugen ausgeliefert. Vor Kürzerem haben wir über 200 Elektrolieferfahrzeuge in unseren nördlichen Verteilzentren in Betrieb genommen, weitere in Bayreuth, Magdeburg, Emsbüren, um nur einige Standorte zu nennen, da dies deutschlandweit geschieht. Grundsätzlich prüfen und planen wir immer die Umsetzung von Elektromobilität für neue Standorte.

Nadiya Lubnina: Frau Lubnina, herzlichen Dank für das Gespräch.

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