Politik

London will EU-Diplomaten nicht als Vertreter von Nationalstaaten behandeln – Brüssel ist erbost

Die britische Regierung will der EU-Vertretung in London nicht den üblichen diplomatischen Status gewähren. Denn dadurch müssten die Briten EU-Delegationen wie die Vertretungen von Nationalstaaten behandeln.
21.01.2021 13:13
Lesezeit: 1 min
London will EU-Diplomaten nicht als Vertreter von Nationalstaaten behandeln – Brüssel ist erbost
Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, spricht bei einer Debatte im Unterhaus über die zukünftige Beziehung zur Europäischen Union. (Foto: dpa) Foto: Uk Parliament/Jessica Taylor

Die britische Regierung will der EU-Vertretung in London nicht den üblichen diplomatischen Status gewähren. Wie der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag aus dem Auswärtigen Dienst der EU bestätigt wurde, sollen die Entsandten aus Brüssel wie Mitarbeiter einer internationalen Organisation behandelt werden. Damit hätten sie im Gegensatz zu den internationalen Gepflogenheiten nicht den Status von Vertretern eines souveränen Staates.

Relevant ist dies, weil der diplomatische Rang eines Botschafters zum Beispiel ausschlaggebend dafür ist, zu welchen Ereignissen er eingeladen oder wo er dort platziert wird. In der Diplomatie haben solche protokollarische Fragen große Bedeutung. So kann die Einstufung als Zeichen der Geringschätzung gewertet werden.

Im Auswärtigen Dienst wird dementsprechend mit Unverständnis auf das britische Vorgehen reagiert. Als das Vereinigte Königreich noch Mitglied der EU gewesen sei, habe es unterstützt, dass die EU-Delegationen wie die Vertretungen von Nationalstaaten behandelt werden, sagte ein Sprecher. Die Europäische Union sei keine «typische» internationale Organisation. Alle der derzeit 143 EU-Vertretungen hätten den Status diplomatischer Vertretungen von Staaten.

Die BBC zitierte am Donnerstag aus einem Schreiben des Hohen Vertreters der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, an den britischen Außenminister Dominic Raab. Er äußert darin «schwere Besorgnis» über die Entscheidung in London. Der Vorschlag für den Status der EU-Vertretung sehe nicht die «üblichen Privilegien und Immunitäten für die Delegation und ihre Mitarbeiter» vor. Weder der besondere Charakter der EU, noch das künftige Verhältnis zwischen London und Brüssel würden darin ausreichend gewürdigt, so Borrell dem Bericht zufolge. Es handle sich nicht um eine vernünftige Basis, um eine Einigung zu erreichen.

Großbritannien hat die EU am 31. Januar 2020 verlassen. Zum Jahreswechsel vollzog das Land auch den Austritt aus der Zollunion und dem Binnenmarkt.

Zuletzt hatte vor rund zwei Jahren die US-Regierung den diplomatischen Status der EU-Vertretung in Washington zeitweise herabgestuft. Nach scharfen Protesten aus Brüssel nahm sie die Entscheidung allerdings wieder zurück.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Umweltschutz: Sachverständigenrat übt scharfe Kritik an Reformkurs der Bundesregierung
17.02.2026

Die Bundesregierung will Planungsverfahren beschleunigen und den Staat modernisieren. Doch ein hochrangiges Umweltgremium schlägt Alarm:...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie und andere Rüstungswerte schwach – Friedensgespräche belasten
17.02.2026

Die Rheinmetall-Aktie und weitere Rüstungsaktien stehen am Dienstag unter Druck. Geopolitische Verhandlungen geben Hoffnung und schüren...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Rückeroberung: 201 Quadratkilometer in vier Tagen – welche Rolle die Starlink-Sperre dabei spielt
17.02.2026

Die Ukraine-Rückeroberung nimmt überraschend Fahrt auf: Binnen weniger Tage gewinnt Kiew Hunderte Quadratkilometer zurück. Eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ZEW-Konjunkturerwartungen fallen im Februar unerwartet: Trendwende rückt in weite Ferne
17.02.2026

Die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen sorgen für Stirnrunzeln an den Märkten. Trotz zuletzt wachsender Hoffnungen auf eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIHK-Konjunkturprognose: Zaghafter Aufschwung für deutsche Wirtschaft bleibt fragil
17.02.2026

Die deutsche Wirtschaft kommt nur langsam wieder in Bewegung. Zwar zeigen Umfragen erste Hoffnungsschimmer, doch viele Unternehmen bleiben...

DWN
Finanzen
Finanzen Ottobock-Aktie: Schwache Kursreaktion beim SDAX-Wert trotz guter Zahlen
17.02.2026

Die Ottobock-Aktie sorgt nach Vorlage starker Geschäftszahlen für Gesprächsstoff. Umsatz und Gewinn steigen deutlich, die Margen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflationsrate steigt erneut an: Lebensmittel für Verbraucher deutlich teurer
17.02.2026

Die Inflationsrate in Deutschland zieht zu Beginn des Jahres 2026 wieder an. Vor allem Lebensmittel und Dienstleistungen werden spürbar...

DWN
Finanzen
Finanzen Aumovio-Aktie von KI-Sorgen belastet: Bernstein warnt vor Verwerfungen am Automarkt
17.02.2026

Die Aumovio-Aktie fällt im frühen Dienstagshandel deutlich, ebenso die Teamviewer-Aktie. Analysten schlagen Alarm und verweisen auf...