Finanzen

Westfalen-Sparkassen verzeichnen Kredit- und Einlagenrekord

In der Corona-Krise haben die Kunden den Sparkassen in Westfalen-Lippe die Türen eingerannt und Rekordwerte bei Krediten und Einlagen beschert.
16.02.2021 11:51
Lesezeit: 1 min

In der Corona-Krise haben die Kunden den Sparkassen in Westfalen-Lippe die Türen eingerannt und Rekordwerte bei Krediten und Einlagen beschert. „Die wirtschaftliche Schockstarre in der Corona-Krise hat Unsicherheit ausgelöst und viele Firmen, Einzelunternehmer, aber auch Haushalte in Bedrängnis gebracht“, sagte die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL), Liane Buchholz, am Dienstag bei der Online-Jahrespressekonferenz. Vor den Filialen hätten sich im Lockdown im Frühjahr lange Schlangen gebildet. „Kunden in Notlagen brauchten dringend Geld, wollten sich absichern oder hatten Unmengen an Fragen zu den Hilfsprogrammen und Förderkrediten.“

Da die Auszahlung der staatlichen Unterstützung meist viele Wochen gedauert habe, hätten die Sparkassen diese vorfinanziert und Kreditlinien ausgeweitet. Vor diesem Hintergrund und wegen des anhaltenden Trends zur Immobilienfinanzierung stieg der Bestand an Kundenkrediten bei den 57 Instituten im SVWL 2020 um gut fünf Prozent auf den Höchststand von 102,4 Milliarden Euro.

Die Furcht vor faulen Krediten hält sich beim SVWL in Grenzen: „Wir sind sehr optimistisch, dass unsere Kunden weiter gut durch die Krise kommen und rechnen nicht mit weitreichenden Kreditausfällen in diesem Jahr“, sagte Vizepräsident Jürgen Wannhoff laut Redetext. Die Insolvenzquoten würden sicher steigen, aber sie kämen von einem sehr niedrigen Niveau. Allerdings verzögere die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht die Schieflage von Unternehmen, so dass die Lage schwer einschätzbar sei.

Weil sich die Kunden in der Corona-Krise mit dem Konsum zurückhielten, legten die Sparkassen-Kunden auch mehr auf die hohe Kante. Ein „ausgeprägtes Vorsichtssparen“ trug laut Wannhoff mit dazu bei, dass die Kundeneinlagen bei den SVWL-Instituten mit 113 Milliarden Euro (plus neun Prozent) einen Höchststand erreichten. Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank dagegen um 1,1 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Der SVWL verwies auf einen weiter rückläufigen Zinsüberschuss. Dieser verringerte sich um 2,6 Prozent auf rund 2,28 Milliarden Euro. Verbandspräsidentin Buchholz bekräftigte ihre Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Konkret forderte Buchholz eine Erhöhung der Freibeträge, die die EZB Geldhäusern einräumt, bevor Strafzinsen fällig werden.

Die Sparkassen müssten sich selbst unabhängiger vom Zinsgeschäft machen, wie durch eine kontinuierliche Steigerung des Provisionsgeschäfts, so Wannhoff. Er rechne in den nächsten Monaten auch mit Preissteigerungen bei Girokonten. Und bei großen neuen Anlagebeträgen sei auch bei den Sparkassen mit der Einführung von „Verwahrentgelten“ zu rechnen. Auch strukturell müsse es nach der Fusion der Sparkassen-Versicherer Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland weitere Anpassungen geben, so SVWL-Chefin Buchholz. „Sicher war das in Sachen Konsolidierung noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Aufhebungsvertrag wegen Personalabbau: Die wichtigsten Fakten
30.06.2026

Personalabbau ist auf Grund der schlechten wirtschaftliche Lage derzeit für viele Unternehmen ein Thema. Maßnahmen sind häufig...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
30.06.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kaum Frühjahrsschwung am Arbeitsmarkt
30.06.2026

Seit April wartet der deutsche Arbeitsmarkt darauf, dass die Frühjahrsbelebung einsetzt. Doch auch am Ende des Frühlings bleibt sie fast...

DWN
Finanzen
Finanzen Technologieaktien werden nicht mehr gekauft – richten Sie Ihren Blick auf die Pharma- und Konsumsektoren
30.06.2026

Sollte die Euphorie um künstliche Intelligenz abflauen, könnten defensive Aktien wieder an Fahrt gewinnen.

DWN
Politik
Politik Ab Juli: Schluss mit dem "Bürgergeld"
30.06.2026

Ab Juli gilt eine deutlich strengere Grundsicherung: Wer Termine versäumt oder Jobangebote ablehnt, muss mit harten Kürzungen bis hin zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (07/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
30.06.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Kiew trifft Russland dort, wo es wehtut
30.06.2026

Russland wirkt militärisch weiter entschlossen, doch die Ukraine verschiebt den Krieg zunehmend auf ein Feld, das Putin gefährlich werden...

DWN
Finanzen
Finanzen Ifo-Berechnungen: Tankrabatt wurde bei Diesel zu wenig weitergegeben
30.06.2026

Die Diskrepanz, die die Wirtschaftsforscher errechnet haben, ist deutlich. Und wie geht es weiter, nachdem der Tankrabatt nun bald...