Politik

Deutscher Top-Ökonom: „Wir wollen einen Regimewandel in Russland“

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, ließ in einem Interview mit dem Deutschlandfunk interessante Einblicke zu.
19.02.2021 14:00
Aktualisiert: 19.02.2021 14:51
Lesezeit: 2 min
Deutscher Top-Ökonom: „Wir wollen einen Regimewandel in Russland“
Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, sitzt im Treppenhaus des Instituts. (Foto: dpa) Foto: Carsten Rehder

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, sagte im Rahmen eines Interviews mit dem Deutschlandfunk auf die Frage, welche Wirkungen weitere Sanktionen gegen Russland noch haben könnten: „Deswegen bin ich skeptisch, dass jetzt noch eine Schippe draufzulegen wirklich hilft. Die Ziele, die wir gegenüber Russland haben, sind ja sehr große. Wir wollen ja nicht weniger als einen Regimewandel in Russland, das ist sehr schwer zu erreichen mit wirtschaftlichem Druck.“

Felbermayrs Aussagen sind bemerkenswert, weil damit einer der wichtigsten Ökonomen des Landes öffentlich macht, dass man das quasi-offizielle Ziel eines Machtwechsels in einem anderen, bedeutenden Land verfolgt.

„Regime-Change“ in Russland – und wo noch?

Felbermayrs Aussagen werfen eine Reihe weiterer Fragen auf. Zunächst einmal stellt sich die Frage, wen der Ökonom meint, wenn er von „wir“ spricht („Wir wollen ja nicht weniger als einen Regimewechsel“). Wer will nichts weniger als einen Regimewechsel in Russland – die deutschen Wirtschaftswissenschaftler, die Bundesregierung, die EU-Kommission oder die Nato-Führung oder alle zusammen?

Überhaupt erscheint es bemerkenswert, dass ein Ökonom sich zur Möglichkeit eines politischen Umschwungs in einem anderen Land öffentlich bejahend äußert.

Darüber hinaus wird unweigerlich die Frage aufgeworfen, ob neben Russland noch andere Länder für einen „Regimewandel“ vorgesehen sind – und wenn nicht, warum nicht? Schließlich verletzen unzählige – und nicht zuletzt auch mit den USA oder der EU verbündete oder befreundete – Länder auf dieser Welt die Menschenrechte im eigenen Land oder im Zuge von Militärinterventionen oder verdeckten Aktionen unter falscher Flagge die Rechte anderer Staaten.

Russland-Sanktionen – deutsche Firmen gehören zu den Hauptleidtragenden

Am 22. Februar wird die Bundesregierung mit ihren europäischen Partnern über mögliche neue Sanktionen gegen Russland beziehungsweise gegen die russische Regierung beraten. Der Anlass diesmal ist der sonderbare Fall der Vergiftung des Putin-Kritikers Alexander Nawalny, welche aus westlicher Sicht auf das Konto der russischen Regierung geht.

Am Rande sei angemerkt: Nawalny fuhr nach der Vergiftung zur Rehabilitation in den Schwarzwald, wo er im Auftrage einer amerikanischen Produktionsfirma aus Los Angeles das Video über Putins angeblichen Palast produzierte.

Die deutsche Wirtschaft musste in den vergangenen Jahren den größten Teil der durch die Russland-Sanktionen entstandenen Schäden absorbieren – besonders Unternehmen aus den östlichen Bundesländern.

So schreibt das Ifo-Institut in einer im Oktober 2020 veröffentlichten Analyse: „Die Unternehmensbefragung zeigt ebenfalls, dass ostdeutsche Unternehmen in besonderem Maße durch die Sanktionen beeinträchtigt werden – so sehen sich beispielsweise in Sachsen 60% der Unternehmen beim Export nach Russland behindert. Probleme beim Export werden deutlich häufiger (von 28% der Unternehmen) angeführt als Schwierigkeiten bei Import (von 5%) oder Investitionen (von 7%). 9. Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, insbesondere im Maschinenbau sind relativ betrachtet am häufigsten beeinträchtigt. Auch die Sektoren Kfz, Chemie und Logistik sind weitflächig betroffen. Von der Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland würden 55% großer und 42% kleiner und mittlerer der befragten Unternehmen profitieren, besonders im Verarbeitenden Gewerbe.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW-Aktie unter Druck: Der 60-Milliarden-Plan gegen die Absatzkrise
16.02.2026

Es ist eine Summe, die die gesamte Branche aufhorchen lässt: Mit einem neuen 60-Milliarden-Euro-Sparprogramm will VW das Ruder...

DWN
Politik
Politik Europas nukleares Dilemma: Zwischen Paris und Washington
16.02.2026

Wirtschaftlich ist Europa ein Riese, militärisch jedoch – gerade im nuklearen Bereich – noch immer ein Juniorpartner der USA. Kanzler...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI als Jobkiller? Wo Unternehmen zukünftig wieder Personal einstellen
16.02.2026

Mit KI Kosten und Personal sparen scheint für viele Unternehmen die Sparmaßnahme Nummer Eins zu werden – vor allem im Bereich...

DWN
Politik
Politik Europäischer Atomschirm kann die NATO in Stücke sprengen
16.02.2026

In München treiben Frankreich, Großbritannien und Deutschland Gespräche über eine europäische Atomschirm voran, doch der dänische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Leitzins: Warum Moskau jetzt gegen den Markt handelt
16.02.2026

Die russische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer Zinssenkung, obwohl viele Ökonomen davor warnten. Sinkende Inflation trifft...

DWN
Panorama
Panorama Studie: Hunderttausende Jugendliche leiden unter Social-Media-Sucht
16.02.2026

Die digitale Abhängigkeit unter Heranwachsenden erreicht einen neuen Höchststand. Laut einer aktuellen Studie der DAK-Gesundheit, die der...

DWN
Panorama
Panorama Digitalisierung des Deutschlandtickets: Verkehrsverbände fordern einheitliche Standards
16.02.2026

Die Debatte um die Weiterentwicklung des Deutschlandtickets nimmt an Fahrt auf. Während die Politik zur Erhöhung der Sicherheit für das...

DWN
Politik
Politik Grenzkontrollen verlängert: Bundesinnenminister Dobrindt setzt auf Sicherheit bis September
16.02.2026

Die Bundesregierung hält an der Überwachung der deutschen Staatsgrenzen fest. Wie das Bundesinnenministerium bestätigte, werden die...