Politik

US-Geopolitiker fragt: "Ist das Gemetzel, das 1914 in Europa begann, vorbei?“

Lesezeit: 2 min
23.05.2021 12:54
Das „Gemetzel“, das im Jahr 1914 in Europa begann, sei noch lange nicht vorbei, behauptet ein umstrittener US-Geopolitiker. Es erinnere "nur allzu sehr an die 1930er Jahre und an Deutschland, als ein kleiner Mann mit einem Schnurrbart auftauchte".
US-Geopolitiker fragt:
Eine weiße Lilie liegt am 27.06.2014 auf einem Kriegerdenkmal des Garnisonsfriedhofes in Berlin und erinnert an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs. (Foto: dpa)
Foto: Wolfgang Kumm

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Nach einer Aussage des umstrittenen US-Geopolitiker George Friedman, die er im Rahmen einer Rede vor dem Think Tank „Chicago Council on Global Affairs" tätigte, stellen Frieden und Wohlstand in Europa nicht die Regel, sondern eindeutig die historische Ausnahme dar.

Das "Chicago Council on Global Affairs" berichtet: „Die Probleme in Europa mögen größtenteils wirtschaftlicher Natur sein und sich primär um die Zukunft des Euro drehen. Aber George Friedman sagte, dass tief versteckt historische und kulturelle Dämonen lauern, die die Europäische Union und Europa selbst destabilisieren könnten. Im letzten Jahrhundert habe Europa von 1914 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 31 Jahre lang Kriege mit 100 Millionen Toten in Schlachten, Völkermorden, Hungersnöten und im Holocaust geführt. Unter dem amerikanischen Druck, sich zu vereinen, habe der Kontinent 1992 die Europäische Union mit ihrem Versprechen auf postnationalen Frieden und Wohlstand gebildet. ,Aber ist es in Europa wirklich vorbei?', fragt Friedman. ,Ist das Gemetzel, das 1914 begann, vorbei? Hat sich etwas geändert? Wird die EU überleben? Und wenn nicht, was kommt als nächstes?'“

Die EU überdecke die alten Feinseligkeiten zwischen den europäischen Völkern nur, die gegenseitige Verachtung sei aber nach wie vor lebendig. Darüber hinaus würden die Europäer sich selbst belügen, wenn sie den Jugoslawien-Krieg und auch den aktuellen Ukraine-Konflikt als blutige Konflikte ansehen, die sich nicht wirklich in Europa abspielen. Doch diese Annahme ist falsch.

Friedman sieht eine Parallele zwischen dem heutigen Europa und dem der 1930er Jahre. In Spanien, Rumänien und anderen Ländern würden sezessionistische Bewegungen aufsteigen, die zu Bürgerkriegen führen könnten. Es gebe eine „massive Delegitimierung von Mainstream-Parteien“. Dies sei verbunden mit einem „Anstieg des Hasses“. Die vergangenen islamistischen Anschläge hätten die nationalistischen Bestrebungen in Europa verstärkt. In einem weiteren Artikel führt er aus, dass Europa und „der Islam“ dazu verdammt seien, sich in blutige Konflikte zu verwickeln. Dieser Krieg zwischen „zwei Welten“ sei ein regelrechtes Naturgesetz. Doch für die USA und „den Islam“ gelte das nicht.

Zudem gebe es unter den Europäern Menschen, die verbittert seien, weil sie trotz ihrer guten Voraussetzungen Arbeitslosigkeit und Verarmung beobachten und spüren. Doch diese Menschen, die hauptsächlich der Mittelschicht angehören, würden auch erkennen, dass dies kein vorübergehender Zustand sei, sondern die fortdauernde Realität ihres Lebens.

„Und das ist der gefährliche Punkt. Es erinnert nur allzu sehr an die 1930er Jahre und an Deutschland, als ein kleiner Mann mit einem Schnurrbart auftauchte“, so Friedman.

Nachtrag: Bei George Friedman und einigen anderen US-Geopolitikern gewinnt der Beobachter immer wieder den Eindruck, dass es sich bei ihren Prognosen um Wunschvorstellungen handelt. Viele dieser amerikanischen außenpolitischen Denker sind eingefleischte Anti-Europäer, wobei diese Haltung bei Friedman besonders stark ausgeprägt ist. Es wird immer wieder deutlich, dass es in den USA Kreise gibt, die nichts gegen ethnische, religiöse und politische Konflikte in Europa einzuwenden haben, und es erhebt sich die Frage, inwiefern sie diese sogar aktiv provozieren wollen. Dass Menschen aller Völker und Religionen auf dem "alten" Kontinent - der eine Kultur hervorbrachte, wie sie in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist - friedlich zusammenleben, ist ganz offensichtlich nicht das Ziel dieser Bellizisten.


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