Finanzen

Dax-Anleger lassen nach turbulenter Woche Vorsicht walten

Der Dax steht am Freitag knapp im Plus. Die am Vormittag veröffentlichte europäische Einkaufsmanager-Indizes zeigte eine unerwartete Stärke.
21.05.2021 13:52
Aktualisiert: 21.05.2021 13:52
Lesezeit: 3 min
Dax-Anleger lassen nach turbulenter Woche Vorsicht walten
Die Anleger bleiben vor dem langen Wochenende zuversichtlich. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Die Anleger an den europäischen Aktienmärkten haben zum Wochenschluss keine großen Sprünge gewagt. Dax und EuroStoxx50 rückten am Freitag jeweils um 0,2 Prozent auf 15.405 beziehungsweise 4008 Zähler vor. "An der Wall Street halten sich Inflations- und Zinssorgen hartnäckig, während die Investoren in Europa an den Seitenlinien bleiben und abwarten wollen, wie die vollständige Wiedereröffnung der EU-Wirtschaft ablaufen wird," fasst Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi die Stimmung an den Märkten zusammen.

Die vergangenen Tage an den Börsen waren zum Teil von einem heftigen Auf und Ab geprägt. Händler rechneten damit, dass dies erst einmal so bleiben dürfte. Eine Reihe von Währungshütern denkt laut dem jüngsten Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed über das Abschmelzen der aktuellen Konjunkturhilfen nach, sollte die wirtschaftliche Erholung weiter rasche Fortschritte machen. "Die Geldschleusen fangen langsam an, sich zu schließen", sagt Cutkovic. Derzeit unterstützt die Fed die von der Corona-Krise getroffene Wirtschaft mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar.

EURO-WIRTSCHAFT IM AUFSCHWUNG

Wie es um die Konjunktur in der Euro-Zone bestellt ist, zeigten am Vormittag die Einkaufsmanagerindizes. Das Barometer - Industrie und Dienstleister zusammengefasst - stieg im Mai unerwartet deutlich um 3,1 auf 56,9 Punkte. Zunehmende Lockerungen vom Corona-Lockdown haben der Wirtschaft der Euro-Zone zum kräftigsten Wachstum seit mehr als drei Jahren verholfen. Am Nachmittag folgt der Index für die Kauflaune der europäischen Verbraucher. Analysten sagen hier einen Anstieg auf minus 6,8 Punkte von minus 8,1 Zählern voraus. Der Euro, der seit Anfang April rund vier Prozent zugelegt hat, notierte leicht schwächer bei 1,2219 Dollar.

Unter den Einzelwerten ragten im Dax BMW heraus. In Erwartung einer geringeren Kartellstrafe der EU kletterten die Aktien in der Spitze um 1,9 Prozent auf 86,29 Euro. Der Autobauer löste den Konzernangaben zufolge seine Rückstellungen teilweise auf, dies führe im zweiten Quartal zu einem positiven Ergebniseffekt in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

TEILAUSSTIEG VON GROSSAKTIONÄR BELASTET LUFTHANSA

Federn lassen mussten dagegen die Aktien der Lufthansa. Die Erben des verstorbenen Münchner Milliardärs Heinz Hermann Thiele haben sich von gut der Hälfte ihres Lufthansa-Aktienpakets getrennt. Die Familiengesellschaft KB Holding erlöste mit dem Verkauf von 33 Millionen Lufthansa-Aktien am Donnerstagabend 323 Millionen Euro. Der Preis lag mit 9,80 Euro um zehn Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs von 10,87 Euro - ein ungewöhnlich großer Abschlag. Die im MDax notierten Titel verloren in der Spitze 6,7 Prozent auf 10,14 Euro.

An der Börse in Zürich verhalfen besser als erwartet ausgefallene Geschäftszahlen Richemont zu einem Rekordhoch. Die Aktien des Luxusgüter-Anbieters stiegen um 6,4 Prozent auf 100,65 Franken.

Einen guten Tag erwischten auch Fastned: Angesichts der geplanten Zusammenarbeit mit dem Elektroautobauer Tesla kletterten die Aktien des niederländischen Ladestationen-Anbieters in Amsterdam um fast sieben Prozent. Die beiden Unternehmen wollen in Zusammenarbeit mit der Ökostrom-Tochter des französischen Versorgers EDF Schnell-Ladestationen für E-Autos im britischen Oxford errichten.

INFLATION BLEIBT WICHTIGES THEMA

Wegen immer wieder aufflammender Inflationsängste müssen sich Investoren Experten zufolge auch nach dem verlängerten Pfingst-Wochenende auf Turbulenzen und Rücksetzer an den Börsen einstellen. Das aktuelle Kursniveau spiegele eine Menge Konjunkturoptimismus wider, sagt Anlage-Experte James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. "Und das trotz der immensen makroökonomischen Unsicherheit, die nach wie vor besteht." Die Euphorie der Anleger stehe in krassem Gegensatz zu den mittelfristigen Wachstumsaussichten.

In der alten Woche stieg der Dax zwar auf ein Rekordhoch von 15.538,01 Punkten, verlor unter dem Strich aber ein knappes halbes Prozent. Er beurteile die Aussichten der Aktienmärkte optimistisch, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Gerade die gebeutelten Technologiewerte könnten in den nächsten Wochen wieder einen zweiten Blick wert sein."

NEUE REKORDHOCHS VORAUS?

Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg weist auf eine wachsende Kluft in der Stimmung ausländischer und heimischer Profi-Investoren hin. Während Erstere für den hiesigen Markt unverändert optimistisch seien, würden Letztere pessimistischer. Er halte daher einen "Short Squeeze" für möglich. Dabei müssen Investoren bei steigenden Kursen ihre Wetten auf einen Preisverfall auflösen und beschleunigen dadurch die Aufwärtsbewegung.

Die Inflationsängste seien ohnehin überzogen, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock. "Es spricht wenig dafür, dass der Covid-bedingte Inflationsschub sich in eine Lohn-Preis-Spirale übersetzt und damit dauerhaft wird." Denn in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung sei die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwach.

US-KONSUMAUSGABEN UND IFO-INDEX IM BLICK

Bei den US-Konjunkturdaten richten Investoren ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Einkommen und Konsumausgaben für April am Freitag. Bei den Einkommen erwarten Experten einen Rückgang um 14,5 Prozent nach einem Plus von 21,1 Prozent im Vormonat. Bei den Konsumausgaben habe sich der Zuwachs auf 0,6 von 4,2 Prozent abgeschwächt.

Parallel dazu wird der sogenannte PCE-Preisdeflator veröffentlicht, der für die US-Geldpolitik wichtig ist. Im Vergleich zum Vorjahr rechnet Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz beim PCE-Index mit einem Plus von 3,5 Prozent. Das wäre ein in etwa ebenso starker Anstieg wie bei den Verbraucherpreisen, der die Börsen Mitte Mai in Unruhe versetzt hatte.

In Deutschland steht nach dem verlängerten Pfingstwochenende der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, auf dem Terminplan. Experte Balz prognostiziert einen Anstieg auf 98,0 Punkte von 96,8 Zählern. Vorreiter sei diesmal aber nicht die Industrie, sondern der Dienstleistungssektor. "Denn hier nähren wahrscheinlich die fallenden Infektionsraten die Hoffnungen auf weitgehende Lockerungen der aktuellen Beschränkungen."

Zwei Tage nach dem Ifo- folgt der GfK-Index, der Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher gibt. Hier sagen Experten einen Anstieg auf minus 5,5 Punkten von minus 8,8 Zählern voraus. Am Freitag werden vergleichbare Stimmungsbarometer für die Euro-Zone veröffentlicht.

Firmenbilanzen stehen in der neuen Woche nur noch vereinzelt auf dem Programm. Unter anderem öffnet der amerikanische Chip-Hersteller NVidia seine Bücher.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Technologie
Technologie Silicon Valley im Umbruch: 3 besorgniserregende Dinge, über die jetzt alle sprechen
21.04.2026

Im Silicon Valley verdichten sich die Signale für einen tiefgreifenden Wandel, der die Arbeitswelt unter dem Druck der KI neu ordnen...

DWN
Politik
Politik Wirtschaft Russlands in der Krise: Haushaltsdefizit wächst - auch der Druck auf Putin?
21.04.2026

Hohe Energiepreise und gelockerte Sanktionen verschaffen der russischen Wirtschaft kurzfristig Luft. Doch gleichzeitig mehren sich Hinweise...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple-Aktie reagiert auf Führungswechsel: Apple-Chef Cook geht - Hardware-Chef Ternus übernimmt
21.04.2026

Bei Apple steht ein historischer Führungswechsel bevor, der auch die Apple-Aktie bewegt: Nach 15 Jahren übergibt Apple-Chef Tim Cook das...

DWN
Finanzen
Finanzen MSCI World ETF-Vergleich: Die besten ETF Fonds auf den MSCI World-Index im Test
21.04.2026

Mit einem MSCI World-ETF investieren Anleger in die weltweit wichtigsten Unternehmen der Industriestaaten. Wer vor 10 Jahren MSCI...

DWN
Unternehmen
Unternehmen QVC-Insolvenz: Teleshopping-Sender steht vor dem Aus - was das für Kunden heißt
21.04.2026

Die QVC-Insolvenz erschüttert die Teleshopping-Branche und stellt ein jahrzehntelang erfolgreiches Geschäftsmodell infrage. Während der...

DWN
Politik
Politik Heliumknappheit: Chipindustrie vor strukturellen Herausforderungen
21.04.2026

Ein oft übersehener Rohstoff rückt in den Mittelpunkt der globalen Wirtschaft, während geopolitische Spannungen zentrale Lieferketten...

DWN
Finanzen
Finanzen Vor dem SpaceX-IPO: Wie Anleger in SpaceX-Aktien investieren können
21.04.2026

Das SpaceX-IPO rückt näher und lenkt den Blick auf die Frage, wie Anleger schon vor dem Börsengang Zugang zu einem der begehrtesten...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Warum Investoren den Krieg ausblenden und auf Wachstum setzen
21.04.2026

Trotz geopolitischer Spannungen zeigen sich die US-Börsen überraschend robust. Anleger richten ihren Blick zunehmend auf...