Finanzen

Leichter Anstieg der Schuldnerberatung im Corona-Jahr

Etwa 588.000 Verbraucher haben 2020 die Schuldnerberatung in Anspruch genommen. Hauptauslöser für die private Überschuldung war wie schon in den Jahren zuvor die Arbeitslosigkeit.
27.05.2021 11:45
Lesezeit: 1 min

Die Zahl der Menschen, die wegen finanzieller Schieflage die Hilfe von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Anspruch genommen haben, ist im Corona-Jahr 2020 leicht gestiegen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag wandten sich etwa 588.000 Privatpersonen an die Beratungsstellen. Das waren knapp 6000 mehr als ein Jahr zuvor. Ob der Gesamtanstieg durch die Corona-Pandemie bedingt sei, könne anhand der Daten nicht ermittelt werden, erklärte die Wiesbadener Behörde.

Als häufigsten Grund für Überschuldung nannten Betroffene auch 2020 Arbeitslosigkeit (19,7 Prozent), gefolgt von Erkrankung, Sucht oder Unfall (16,5 Prozent). Die Mehrheit der Überschuldeten, die sich an Beratungsstellen wandten, war den Angaben zufolge arbeitslos (43,4 Prozent). Die anderen Hilfesuchenden waren erwerbstätig (35,3), selbstständig (1,1) oder anderweitig nicht erwerbstätig, beispielsweise Rentner (20,3).

Der deutsche Arbeitsmarkt war dank Kurzarbeit und milliardenschwerer staatlicher Hilfsprogramme vergleichsweise glimpflich durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Im Jahresschnitt lag die Arbeitslosigkeit nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 2,695 Millionen Menschen, 429.000 mehr als 2019.

Überschuldete hatten 2020 im Schnitt Verbindlichkeiten von 29.230 Euro. Grundsätzlich stotterten Verbraucher ihre Ratenkredite in der Corona-Krise nach jüngsten Daten der Wirtschaftsauskunftei Schufa aber zuverlässig weiter ab. Wie in den beiden Vorjahren wurden demnach 97,9 Prozent der Kredite vertragsgemäß zurückgezahlt.

Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel sank die Zahl der Privatpleiten im vergangenen Jahr um 35,1 Prozent auf 56.324 Fälle. Es war der niedrigste Stand seit 2004. Kurzarbeit und auch Ersparnisse hätten die finanzielle Schieflage der Menschen teilweise abgemildert. Verbraucher hätten sich auch mit Anschaffungen zurückgehalten. Zudem hätten viele Überschuldete auf einen Gang zur Schuldnerberatung verzichtet oder diesen verschoben.

Betroffene warteten dabei auch die Gesetzesreform ab, nach der Verbraucher künftig einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden können. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Für Privatpersonen gilt keine unmittelbare Insolvenzantragspflicht.

Crifbürgel erwartet, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise erst in diesem und im kommenden Jahr durchschlagen. Für dieses Jahr ging die Auskunftei zuletzt von bis zu 90.000 Privatpleiten aus. 2022 könnten es 100.000 Fälle sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...

DWN
Immobilien
Immobilien Hitzeschutz: So bewahren Sie auch ohne Klimaanlage einen kühlen Kopf 
03.10.2026

Deutschland hat einen der heißesten Sommer hinter sich - und es wird nicht der letzte gewesen sein. Um sich in Gegenwart und Zukunft gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
03.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI und Arbeitsmarkt: Der Effizienzboom könnte den Fachkräftemangel verschärfen
03.10.2026

Künstliche Intelligenz macht Unternehmen schneller und produktiver. Doch ausgerechnet junge Berufseinsteiger könnten dafür einen hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wann lag die Inflation im Euroraum zuletzt bei vier Prozent?
03.10.2026

Zehn Wendepunkte zeigen, wie schnell eine Krise die Inflation nach oben treiben kann und wie langsam sich die Preise anschließend wieder...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Schock trifft Europa: Millionen Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
03.10.2026

In der kommenden Woche reisen führende EU-Vertreter nach Peking, um von der chinesischen Führung zu verlangen, das enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleiherenditen setzen Aktien weiterhin unter Druck
02.10.2026

Zinsängste und Arbeitsmarktdaten bewegen die Börsen – was Anleger jetzt wissen müssen.