Wirtschaft

Corona macht Gebrauchtwagen teuer - vor allem Diesel

In der Corona-Krise sind die Autos knapp geworden. Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.
24.06.2021 10:59
Lesezeit: 2 min

Gebrauchtwagen sind derzeit teuer. Insbesondere Diesel kosteten im Mai mehr als vor einem Jahr, wie aktuelle Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) zeigen. Und auch der Autohandel berichtet von höheren Preisen. Der Grund ist - über Umwege - die Corona-Krise, die für Nachholbedarf bei den Käufern und ein geringeres Angebot im Handel gesorgt hat.

"Die Autos werden teurer, weil es eine Verknappung gibt", sagt Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter der Wellergruppe, die jedes Jahr auch mehrere Zehntausend Gebrauchte verkauft. Auf fünf bis sieben Prozent schätzt er den Anstieg. "Unsere Bestände waren noch nie so niedrig" und es sei noch nie so schnell gegangen, die Autos zu verkaufen.

Auch eine Umfrage der DAT zeigt einen klaren Mangel bei Gebrauchten. 65 Prozent der mehr als 400 befragten Händler sagten dabei, dass gerade jüngere Fahrzeuge knapp seien. 77 Prozent der Händler berichteten, dass es derzeit schwierig sei, Gebrauchtwagen anzukaufen.

Normalerweise kommen viele der relativ jungen Gebrauchten, die in den markengebundenen Autohäusern verkauft werden, aus Dienstwagen- und Vermieterflotten. Doch die Vermieter, die die Autos meist nur wenige Monate halten, hatten ihre Flotten in der Corona-Krise stark eingedampft und bauen sie erst seit kurzem wieder aus. Zudem kamen Dienstwagen teils noch nicht zum Händler zurück, weil sie weniger gefahren wurden, wie sowohl Weller als auch Thomas Peckruhn, Eigentümer der Autohaus Liebe Gruppe und stellvertretender Präsident des Zentralverbands des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK), erzählen.

"Die waren ja alle im Homeoffice und sind nur wenig gefahren", sagt Peckruhn. Außerdem habe es in der Zeit des Lockdowns auch weniger Tageszulassungen gegeben. "Gebrauchte sind momentan ein knappes Gut" sagt der ZDK-Vize. Daher müsse man sie auch nicht billig machen, um sie zu verkaufen. Das gelte aber vor allem für begehrte Modelle, die teilweise 10 Prozent teurer sein könnten, sagt er. Bei anderen hätten sich die Preise dagegen nicht geändert.

Und es sind nicht nur die jungen Gebrauchten, die angezogen haben. Das setze sich bis zu den älteren Modellen fort, sagt Weller. Auch Ansgar Klein, Chef des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK) sieht entsprechende Effekte. "Wenn das jüngere Auto nicht im Markt ist, greift man zum Auto, das ein Jahr älter ist. So drückt das bis nach unten durch", sagt er.

In den normierten Zahlen der DAT sind die Effekte etwas geringer. Drei Jahre alte Diesel waren demnach im Mai rund drei Prozent teurer als vor Jahresfrist. Bei Benzinern zeigt sich kein großer Unterschied. Doch auch die Marktbeobachter sehen den Mangel an jungen Gebrauchten.

Eine schnelle Entspannung der Preise ist kaum zu erwarten, da sind sich die Händler einig. Dazu trägt auch der Chipmangel bei, der derzeit die Neuwagenproduktion bremst, wie Peckruhn sagt. Und Weller schätzt: "Ich würde glauben, es dauert bis Anfang 2022, bis sich das normalisiert."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Eskalation im Nahen Osten belastet Rentenmarkt: Deutsche Staatsanleihen unter Verkaufsdruck
09.03.2026

Die Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten spiegelt sich am Montag deutlich in den Kursen deutscher Bundesanleihen wider, die...

DWN
Politik
Politik Machtpoker im Ländle: Özdemir erteilt rotierender Staatskanzlei eine Absage
09.03.2026

Nach der Zitterpartie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verhärten sich die Fronten zwischen den potenziellen Koalitionspartnern....

DWN
Politik
Politik Geheime Unterstützung: Russland liefert Iran Zieldaten gegen amerikanische Streitkräfte
09.03.2026

Ein Bericht der Washington Post sorgt für Aufsehen. Demnach liefert Russland Iran geheimdienstliche Informationen über US-Streitkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie enttäuscht: Auftragseinbruch um 11,1 Prozent nach Großauftrags-Boom
09.03.2026

Die deutsche Industrie ist mit einer deutlichen Enttäuschung in das Jahr 2026 gestartet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sanken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise aktuell: Preiszuwachs an Tankstellen verlangsamt sich
09.03.2026

Autofahrer können vorerst leicht aufatmen, da der steile Aufwärtstrend bei den Kraftstoffpreisen an deutschen Tankstellen an Schwung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiswende im Kühlregal: Butter wird für Verbraucher wieder teurer
09.03.2026

Nach einer Phase sinkender Preise müssen Kunden in Deutschland für Butter wieder tiefer in die Tasche greifen. Führende Discounter und...

DWN
Politik
Politik Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU
09.03.2026

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine...

DWN
Politik
Politik Neue EU-Strategie: Brüssels Plan für die Zukunft von Häfen und Werften
09.03.2026

Europas Lebensadern auf dem Prüfstand: Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission ihre neue maritime Strategie enthüllt. In zwei...