Wirtschaft

Öl-Multis ziehen Daumenschrauben an: Afrikanischer Staat muss Lebensgrundlage verkaufen

Der Staat Angola steckt in Schwierigkeiten. Seine Schulden gegenüber den weltweiten Ölfeldbetreibern steigen drastisch an.
07.07.2021 10:45
Lesezeit: 1 min

Angola schuldet ausländischen Ölfeldbetreibern rund eine Milliarde US-Dollar, berichtet der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen und fügte hinzu, dass diese Verschuldung das Land gezwungen habe, Anteile an mehreren Offshore-Öl- und Gasblöcken zum Verkauf anzubieten. Der staatliche Öl-Riese "Sonangol" kündigte die Ausschreibung für die Anteile Mitte Juni 2021 an und viele sahen darin einen Lackmustest für die Ölindustrie, die angesichts des wachsenden Drucks von Regierungen und Aktionären, umweltbewusster zu werden, mit ihren Investitionen viel vorsichtiger geworden sind.

„Sonangol war in einigen der Blöcke, die am dringendsten Investitionen benötigen, nicht in der Lage, seinen Finanzbedarf zu decken“, sagte eine Quelle aus der Bankenbranche.

Das staatliche Unternehmen verkaufte Anfang dieses Monats seine Anteile an acht Offshore-Blöcken und teilte mit, dass der Vorstoß Teil einer Neubewertung seines Portfolios sei. Er zielt auch darauf ab, sicherzustellen, dass Sonangol seine Explorations- und Produktionsziele erreichen kann, sagte der Vorsitzende des vorgelagerten Exekutivausschusses des Unternehmens damals.

Sonangol hat nach Angaben von Exekutivdirektor Joaquim de Sousa Fernandes bis 2027 einen Finanzbedarf in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar. Dieser bezieht sich auf die Feldentwicklung, die Wartung der Ausrüstung und die Schuldenzahlungen an Banken sowie auf Barabrufe.

Die Schulden gegenüber ausländischen Feldbetreibern haben sich in den letzten Jahren angesammelt, die geprägt waren von unzureichenden Investitionen in die Pflege der produzierenden Felder seitens Sonangol. Dann verschlimmerte die Pandemie im letzten Jahr eine ohnehin schon schlimme Situation und machte es Sonangol noch schwerer, seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ausländischen Feldbetreibern nachzukommen, zu denen die Supermajors Eni, BP, Exxon und Chevron gehören.

„Die internationalen Unternehmen waren sehr tolerant (…) die Erklärung eines Zahlungsausfalls würde Sonangol in eine nicht stimmberechtigte Position innerhalb der Konzession bringen“, so die anonyme Bankenquelle.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...