Finanzen

Erzeugerpreise markieren stärksten Anstieg seit vier Jahrzehnten

Die Erzeugerpreise in Deutschland sind im Juni stark gestiegen - ein vorlaufender Indikator für die Entwicklung der Preise im Einzelhandel.
20.07.2021 09:10
Aktualisiert: 20.07.2021 09:10
Lesezeit: 2 min
Erzeugerpreise markieren stärksten Anstieg seit vier Jahrzehnten
Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch" 5. (Foto: dpa) Foto: Guo Cheng

Die deutschen Produzenten haben ihre Preise im Juni so stark angehoben wie seit annähernd vier Jahrzehnten nicht mehr. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte stiegen um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ein größeres Plus gab es zuletzt im Januar 1982, als die Preise wegen der zweiten Ölkrise stark gestiegen waren. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 8,4 Prozent gerechnet, nachdem die Steigerungsrate im Mai noch bei 7,2 Prozent gelegen hatte. Neben Energie verteuerten sich vor allem Vorprodukte wie Holz und Stahl, hier sorgen weltweite Engpässe für einen kräftigen Preisschub.

Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabrik geführt - also in der Regel bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben. Commerzbank-Experte Ralph Solveen geht davon aus, dass die starke Inflation auf Erzeugerebene bei den Konsumenten in Deutschland ankommen wird. "Zunehmend schlägt dies auf die Preise der Endprodukte durch, was sich in den kommenden Monaten auch auf der Verbraucherebene bemerkbar machen dürfte", sagte Solveen. Die Verbraucherpreise waren im Juni um 2,3 Prozent gestiegen, im Mai mit 2,5 Prozent sogar so kräftig wie seit annähernd zehn Jahren nicht mehr. Die Preise für Konsumgüter dürften in den kommenden Monaten "weiter spürbar zulegen", erwartet der Experte.

Hauptverantwortlich für den Anstieg der Erzeugerpreise waren im vergangenen Monat deutlich höhere Kosten für Energie und Vorleistungsgüter. Energie verteuerte sich im Durchschnitt um 16,9 Prozent. Grund dafür sei vor allem ein "Basiseffekt aufgrund der im Frühjahr 2020 im Zuge der Pandemie stark gefallenen Preise", so die Statistiker. Auch die seit Januar teilweise zusätzlich anfallende deutsche CO2-Sondersteuer auf Brennstoffe wie Mineralölerzeugnisse und Erdgas hatte einen Einfluss.

Vorleistungsgüter wurden 12,7 Prozent teurer, wobei die Stahl- und Holzpreise wegen der hohen Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen besonders stark anzogen. Bei Stahl kamen noch kräftige Preissteigerungen für Eisenerzimporte hinzu. Besonders stark waren die Anstiege bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+69,9 Prozent), aber auch bei gesägtem und gehobeltem Holz (+38,4 Prozent) und Metallen (+23,1 Prozent). Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen kosteten 33,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Finanzen
Finanzen Prediction Markets: Der Machtkampf um ein neues Finanzsystem eskaliert
28.03.2026

Ein digitaler Milliardenmarkt wächst rasant und entzieht sich klassischen Regeln. Prediction Markets verbinden Wetten und Finanzgeschäfte...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnimmobilienmarkt: Wo Investoren jetzt und in Zukunft Rendite finden
28.03.2026

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt stabilisiert sich spürbar. Preise steigen wieder, Transaktionen nehmen zu und Kapital kehrt zurück. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Neuer Skoda Epiq im Check: City-SUV mit cleveren Details kommt im Herbst
28.03.2026

Der Skoda Epiq will ab Herbst den Markt der günstigen Elektro-SUVs aufmischen. Mit viel Platz, cleveren Details und moderner Technik...

DWN
Politik
Politik Krieg im Iran: Rückenwind oder Risiko für Netanjahu?
28.03.2026

Israel steht erneut im Krieg mit dem Iran, während im Inland politische Spannungen wachsen. Viele Bürger unterstützen die Angriffe, doch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU Inc.: Neue EU-Unternehmensform soll Binnenmarkt stärken
28.03.2026

Europas Start-up-Branche wird von unterschiedlichen Rechtsvorschriften der einzelnen Mitgliedsstaaten ausgebremst. Jetzt hat die...

DWN
Politik
Politik Grüne EU-Industrie: Von der Leyen plant Milliarden-Investitionen – Streit um ETS-Zertifikate
28.03.2026

Mit einem milliardenschweren Programm will Brüssel die grüne EU-Industrie stärken und Investitionen ankurbeln. Doch Uneinigkeit über...