Wirtschaft

Lieferketten droht Zusammenbruch: Deutschland befindet sich in akuter Gefahr

Mehreren chinesischen Häfen droht eine Überlastung. Die Lieferketten nach Europa sind in Gefahr. Vor allem Deutschland würde einen Zusammenbruch der Lieferketten deutlich spüren.
17.08.2021 15:08
Aktualisiert: 17.08.2021 15:08
Lesezeit: 2 min
Lieferketten droht Zusammenbruch: Deutschland befindet sich in akuter Gefahr
Die «MSC Gülsün» der Schweizer Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC). (Foto: dpa) Foto: -

Mehreren chinesischen Häfen droht eine Überlastung. Grund ist der Stau vor dem zweitgrößtem Hafen Ningbo, wo am Dienstag nach Angaben des Datenanbieters Refinitiv mehr als 50 Containerschiffe auf ihre Abfertigung warteten. Dort war am 10. August der Corona-Fall eines Hafenmitarbeiters bekanntgeworden, woraufhin der Betrieb zeitweise eingestellt wurde. Führende internationale Reedereien warnen ihre Kunden vor Verspätungen und Routenanpassungen. Mindestens 14 vom französisches Schifffahrts- und Logistikunternehmen CMA CGM betriebene Schiffe, fünf von Maersk und vier Hapag-Lloyd-Schiffe wollen Ningbo vorerst nicht mehr anlaufen. Dutzende weitere Schiffe änderten ihre Fahrpläne, wie die Reedereien mitteilten.

Da die Warteschlangen vor den großen chinesischen Häfen immer größer werden, wächst weltweit die Angst vor zunehmenden Lieferengpässen. Das chinesische Verkehrsministerium hat für alle Häfen angeordnet, spezielle Teams für ausländische Schiffe einzusetzen. Von deren Besatzungen wird verlangt, dass sie Gesundheitszeugnisse oder negative Tests vorlegen, bevor die Fracht gelöscht oder die Schiffe beladen werden können.

„Chinas Null-Toleranz-Politik ist gut gegen die Pandemie, aber schlecht für die Lieferketten“, sagte Dawn Tiura, Chef der Sourcing Industry Group, einem in den USA ansässigen Verband für die Beschaffungsindustrie. „Dieses Timing ist sehr schwierig, wenn man bedenkt, dass neben der bevorstehenden Weihnachtseinkaufssaison auch die Einkäufe zu Schulbeginn zunehmen.“

Der Hafenanbieter Ningbo Zhoushan erklärte, dass das tägliche Umschlagvolumen inzwischen wieder etwa 90 Prozent seines durchschnittlichen Juli-Wertes erreiche, so Reuters. Schiffe, die das Terminal anlaufen sollen, werden dennoch zu nahegelegenen Häfen umgeleitet. Shanghai Port etwa zählte dadurch 34 wartende Schiffe, vor dem Hafen Xiamen warten 18 weitere. „China ist ein wichtiger Bestandteil der globalen Lieferketten“, sagte Richard Lebovitz, Chef des US-Beratungsunternehmens von LeanDNA. „Jegliche Stilllegungen oder Verzögerungen aus China haben das Potenzial, Fertigwaren um zwei oder drei Ebenen hinauszuzögern.“

Die Corona-bedingte zeitweise Schließung des chinesischen Handelshafens Yantian im Mai und Juni hat der deutschen Wirtschaft zufolge gravierendere Folgen für globalen Lieferketten und Warenströme als zuvor die Schiffshavarie im Suezkanal. Vor allem für die Technik- und Elektronikbranche stellten die zwischenzeitlich bei der Container-Verladung eingetreten Verzögerungen ein Problem dar, wie der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in einer Mitgliederbefragung herausfand. Die Störung der Lieferketten ist ein ernstes Problem für die Handelsnation Deutschland. Fast 64 Prozent der Industriebetriebe klagten in der Juli-Umfrage des Ifo-Instituts über Engpässe bei Vorprodukten wie Chips.

Branchenverbände hatten bereits im April 2021 vor einem Kollaps der Lieferketten gewarnt. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß davon, dass Klopapier knapp wird. Auch der Lebensmittelbereich, die Chemieindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau werden davon deutlich betroffen sein“, so ein Branchenvertreter (Mehr HIER). Trotz massiver Probleme mit den Lieferketten wollen einer Ifo-Studie zufolge nur wenige Unternehmen in Deutschland die globale Beschaffung ersetzen (Mehr HIER).

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CO2-Preis steigt: Auswirkungen auf Tank und Heizung
02.01.2026

Zum Jahreswechsel ist der CO2-Preis erneut gestiegen – spürbar vor allem beim Tanken und bei den Heizkosten. Die Maßnahme soll zum...

DWN
Politik
Politik Wehrdienst in Deutschland: Bundeswehr-Chef ruft zu Engagement auf
02.01.2026

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf den neuen Wehrdienst eingestimmt. In seinem...

DWN
Politik
Politik Gewalt bei Demonstrationen im Iran – US-Präsident warnt Führung
02.01.2026

Im Iran dauern die Proteste seit Sonntag an, mehrere Demonstrierende wurden bereits getötet. US-Präsident Donald Trump hat sich in die...

DWN
Politik
Politik Russland übergibt USA Material zu angeblichem Drohnenangriff auf Putin-Residenz
02.01.2026

Moskau hat nach eigenen Angaben Navigationsdaten einer ukrainischen Drohne entschlüsselt, die einen geplanten Angriff auf eine Residenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Privatvermögen erreicht Rekordhöhe: Über 10 Billionen Euro in Deutschland
02.01.2026

Die Deutschen verfügen über so viel Geldvermögen wie nie zuvor. Erstmals summieren sich die finanziellen Rücklagen der Privathaushalte...

DWN
Finanzen
Finanzen Erfolgreiche Aktienauswahl: Wie erfahrene Anleger die besten Chancen und Risiken erkennen
02.01.2026

Die Auswahl der richtigen Aktie zum richtigen Zeitpunkt ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zwei erfahrene Investoren erklären, welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rückschritt in den Chefetagen: Weniger Frauen in Vorständen
02.01.2026

Die Gleichstellung in den Führungsetagen der deutschen Börsenkonzerne gerät ins Stocken. Entgegen dem bisherigen Trend ist der...

DWN
Finanzen
Finanzen Biotech-Aktien im Höhenflug: Diese Unternehmen könnten 2026 überraschen
02.01.2026

Zwei Biotech-Aktien stehen plötzlich im Zentrum professioneller Anlegerstrategien. Klinische Daten, Produktstarts und Milliardenpotenzial...