Technologie

Marokko bricht Beziehungen zu Berlin ab: Mehrere Energiewende-Projekte gefährdet

Die marokkanische Regierung hat die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland im Mai abgebrochen. Das Schicksal mehrerer Projekte für die deutsche Energiewende ist zunehmend ungewiss.
08.09.2021 10:00
Aktualisiert: 08.09.2021 10:51
Lesezeit: 2 min
Marokko bricht Beziehungen zu Berlin ab: Mehrere Energiewende-Projekte gefährdet
Nasser Bourita, Außenminister von Marokko. (Foto: dpa) Foto: Mosa'ab Elshamy

Marokko hatte Anfang Mai aus Verärgerung über die deutsche Außenpolitik seine Botschafterin in Berlin zurückrufen. Hintergrund ist unter anderem der Streit um die Westsahara, die Marokko für sich beansprucht. „Die Bundesrepublik Deutschland hat wiederholt feindselig gegen die höheren Interessen des Königreichs Marokko gehandelt“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur MAP aus einer Stellungnahme des Außenministeriums, in der die Behörde den Schritt begründet hatte.

Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte überrascht auf den Schritt. Man sei nicht vorab darüber informiert worden und die Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar, hieß es aus dem Ministerium. „Wir sind umso mehr überrascht von dieser Maßnahme, als dass wir uns mit der marokkanischen Seite in konstruktiver Weise um die Beilegung der Krise bemühen“, hieß es weiter. Man habe um eine Erklärung gebeten.

Der Gebietsanspruch Marokkos auf die südlich der Landesgrenze gelegene Westsahara wird international nicht anerkannt. Allerdings bestätigte der damals bereits abgewählte, aber noch amtierende US-Präsident Donald Trump im Dezember Marokkos Souveränität über die dünn besiedelte Region. Im Gegenzug sollte Marokko Israel diplomatisch anerkennen - was es dann auch tat. Deutschland kritisierte diese Entscheidung und berief eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats dazu ein.

Das nordafrikanische Land ist dem MAP-Bericht zufolge außerdem verstimmt, weil es nicht zur Berliner Libyen-Konferenz im Januar 2020 eingeladen wurde. Es sei unangemessen, Marokko von derlei Treffen auszuschließen, hieß es. Das Land monierte demnach einen „Kampf gegen die regionale Rolle Marokkos“ insbesondere im Libyen-Konflikt.

Marokkos Verärgerung ist nicht neu: Bereits im März hatte das Königreich ohne Vorwarnung die Beziehungen zur deutschen Botschaft und den mit ihr verbundenen Organisationen ausgesetzt. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte damals mit, Deutschland sehe „keinen Grund für eine Beeinträchtigung der guten diplomatischen Beziehungen zu Marokko“.

Wichtige Energiewende-Projekte gefährdet

Die diplomatische Eiszeit zwischen Rabat und Berlin gefährdet mehrere in dem nordafrikanischen Land geplante Projekte, die vor dem Hintergrund der deutschen Energiewende von Bedeutung sind. So soll in Marokko beispielsweise Strom mithilfe der Solarkraft generiert und auch zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden, schreibt der Blog German Foreign Policy:

„Die Erfolge beim Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zu China und zu Afrika südlich der Sahara ermöglichen es Rabat bisher, mit seiner diplomatischen Blockade gegenüber Berlin hart zu bleiben. Der Streit hat längst auch die wirtschaftliche Ebene erreicht. Die Bundesregierung plant, zur Realisierung der Energiewende im großen Stil ‚grünen‘, mit Solar- und Windenergie erzeugten Wasserstoff zu nutzen; als einer der zentralen Standorte für dessen Erzeugung gilt Marokko. Unter anderem ist der Bau einer Großanlage zur Wasserstofferzeugung geplant; die Finanzierung des 325 Millionen Euro teuren Projekts soll überwiegend von der deutschen KfW geleistet werden. Ob das Vorhaben unter den Bedingungen der diplomatischen Blockade noch Chancen auf Erfolg hat, gilt als ungewiss - dies umso mehr, als von der Blockade zunehmend auch die Tätigkeit der bundeseigenen Entwicklungsagentur GIZ in Marokko betroffen ist, die dort zu Jahresbeginn noch 322 Mitarbeiter beschäftigte, nicht zuletzt bei Projekten im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien. Dass Rabat bisher nicht einlenkt, obwohl ein etwaiger Abbruch des Projekts wirtschaftliche Schäden auch für Marokko brächte, ruft in Berlin Erstaunen hervor“, schreibt das Portal.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der wachsende Trend zu digitalen Zusatzeinkommen im deutschen Mittelstand

Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Lebenshaltungskosten verändern das Verhältnis vieler Beschäftigter und Selbstständiger zu...

DWN
Politik
Politik Wird Montenegro das nächste EU-Mitglied? Brüssel zählt die Tage, Zagreb stellt Bedingungen
09.07.2026

Nach Jahren der Erweiterungsmüdigkeit zählt Brüssel wieder herunter: Montenegro soll bis 2028 EU-Mitglied werden. Doch vor dem Beitritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliarden-Zukauf: Deutz möchte Rüstungsfirma FFG kaufen
09.07.2026

Der Motorenbauer Deutz setzt seinen Expansionskurs fort und hat zuletzt eine Akquisition nach der anderen verkündet. Nun plant das...

DWN
Finanzen
Finanzen Europas Fußball-Markt: Erneut Umsatzrekord, doch Stagnation droht
09.07.2026

Europas Fußball-Markt hat laut einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft seinen Rekordkurs fortgesetzt. Auch die Bundesliga trägt dazu bei....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Künstliche Intelligenz in der Autoindustrie: Warum Ford wieder Menschen braucht
09.07.2026

Ford wollte mit künstlicher Intelligenz Qualität sichern, Kosten senken und die Produktion effizienter machen. Doch ausgerechnet dort, wo...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rohstoffe für Russland? Irlands Regierung weicht Verstaatlichung aus
08.07.2026

Das irische Alumina-Werk Aughinish steht wegen russischer Eigentümerstrukturen und Exporten nach Russland unter Druck. Trotz Sorgen über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Unternehmen: Immer mehr Firmen vorm endgültigen Aus
08.07.2026

Steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten, drohende Lieferkettenstörungen: Die Rettung zahlungsunfähiger Firmen in Deutschland wird...

DWN
Politik
Politik Energiewende: EnBW-Chef fordert Korrektur bei Windkraft-Ausbauzielen
08.07.2026

Die EnBW hat den Ausbau der Offshore-Windkraft als wichtigen Eckpfeiler der Energiewende in Europa vorangetrieben. Jetzt fordert der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom öffentlichen in den privaten Sektor: Habeck wird Berater bei Investmentgesellschaft
08.07.2026

Ex-Vizekanzler Habeck wechselt in die Privatwirtschaft: Ab August nimmt der frühere Wirtschaftsminister einen lukrativen Beraterjob bei...