Finanzen

Gelddrucken ohne Ende: EZB plant schon das nächste Programm

Die Europäische Zentralbank hat ihre derzeitigen Anleihekäufe im Rahmen des PEPP-Programms noch nicht einmal verlangsamt. Doch sie plant bereits ein weiteres Programm, um das extreme Gelddrucken am Laufen zu halten.
07.10.2021 14:00
Lesezeit: 2 min
Gelddrucken ohne Ende: EZB plant schon das nächste Programm
Christine Lagarde, damals Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, empfängt im Jahr 2016 den peruanischen Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski. (Foto: dpa) Foto: Ernesto Arias

Im März kommenden Jahres wird das PEPP-Programm (Pandemic Emergency Purchase Programme) auslaufen. Dies ist das Programm der Europäischen Zentralbank zum "pandemischen Notfall", in dessen Rahmen die Notenbank im Verlauf von zwei Jahren insgesamt 1,85 Billionen Euro druckt, um damit Anleihen zu kaufen. Daher prüft die EZB nun bereits ein neues Anleihekaufprogramm.

Das neue Programm würde zum einen das bestehende Kriseninstrument PEPP ersetzen und zum anderen das ältere, unbefristetes Asset Purchase Programme (APP) ergänzen, in dessen Rahmen derzeit Anleihen im Wert von nur 20 Milliarden Euro pro Monat aufgekauft werden. Noch sind aber keine konkreten Entscheidungen getroffen worden, sagten die Insider gegenüber Bloomberg.

Das neue Anleihekaufprogramm solle verhindern, dass das Auslaufen von PEPP einen Ausverkauf der Anleihen hoch verschuldeter Länder wie Italien auslöst, so die Insider. Ein Sprecher der EZB wollte sich dazu nicht äußern, wies aber darauf hin, dass die Mitarbeiter der Notenbank eine breite Palette von Ideen diskutieren, die dann aber nicht unbedingt dem EZB-Rat oder dem Direktorium vorgelegt werden.

Im Rahmen des Programms würden den Insidern zufolge selektive Anleihekäufe durchgeführt werden. Damit würde eine für die beiden bestehenden Programme geltende Regel umgangen, die zu Beginn der groß angelegten Ankäufe von Vermögenswerten im Jahr 2015 etabliert wurde. Demnach ist die Zentralbank verpflichtet, Anleihen im Verhältnis zur Größe der Wirtschaft des jeweiligen Landes zu kaufen.

Die Aufgabe dieser Regel, wonach die EZB im Rahmen ihre Anleihekäufe das frisch gedruckte Geld gleichmäßig über die gesamte Eurozone verteilen muss, würde alte Bedenken der Euro-Gegner befeuern, dass die Notenbank ausgewählte Staaten in der Peripherie der Eurozone bevorzugt finanziert, was ihr eigentlich vertraglich untersagt ist.

Im Verlauf der letzten zwei Wochen sind die Anleihen in Europa abverkauft worden, wobei die Renditen um rund 20 Basispunkte stiegen. Zugleich ist die Renditedifferenz zwischen italienischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen - ein vielbeachtetes Risikomaß für die Region - auf 107 Basispunkten gestiegen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihre Kollegen haben eine Aktualisierung der geldpolitischen Stimulierung für das nächste Jahr auf Dezember verschoben. Vizepräsident Luis de Guindos sagte am Montag, dass die EZB auf ihrer letzten Sitzung des Jahres entscheiden werde, welche Alternativen zu PEPP es gibt, "falls Alternativen erforderlich sind".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unser neues Magazin ist da: Mittelstand am Limit – Deutschlands Unternehmer schlagen Alarm
12.06.2026

Der deutsche Mittelstand war lange Garant für Stabilität und Wohlstand. Mittlerweile kämpfen viele kleine und mittlere Betriebe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftskrise: Zahl der Firmen- und Verbraucherpleiten steigt deutlich
12.06.2026

Die Welle der Insolvenzen in Deutschland hält unvermindert an. Im ersten Quartal des Jahres verzeichneten die Amtsgerichte einen...

DWN
Technologie
Technologie KI ersetzt Chef? Nicht nur Mitarbeiter sind ersetzbar
12.06.2026

Gute Algorithmen können auch teure Führungskräfte ersetzen. Wie viel Beschäftigte in Deutschland denken: Was der Chef kann, kann eine...

DWN
Politik
Politik Analyse: Putin ist verunsichert – er fürchtet das gleiche Schicksal wie Khamenei
12.06.2026

Nach der Ermordung von Ayatollah Khamenei in Teheran unterbrach Putins Sicherheitsdienst das persönliche Sicherheitssystem des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation sinkt leicht: Tankrabatt bremst Teuerung in Deutschland teilweise
12.06.2026

Der staatliche Tankrabatt zeigt Wirkung und hat den jüngsten Inflationsschub in Deutschland vorerst gestoppt. Im Mai stiegen die...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 29: Die Woche im Rückblick – KW 24
12.06.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Trump verkündet schon wieder bevorstehenden Iran-Deal – Teheran widerspricht umgehend
12.06.2026

Kurz nach der Ankündigung neuer US-Militärschläge folgt die überraschende politische Wende: US-Präsident Donald Trump sieht ein...

DWN
Politik
Politik Britischer Premier unter Druck: Verteidigungsminister tritt im Etatstreit zurück
12.06.2026

Der britische Regierungschef Keir Starmer steht vor den Trümmern seiner Kabinettsdisziplin: Verteidigungsminister John Healey hat im...